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Lübeck Angst vor steigenden Mieten
Lokales Lübeck Angst vor steigenden Mieten
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16:41 28.08.2018
„Vorfreude! Wir modernisieren“ damit wirbt die Buwog in der Wendischen Straße. Für die Mieter wirkt das wie Hohn – sie haben seit Wochen kein Internet, zeitweise gibt es kein Wasser. Quelle: Lutz Roeßler
St. Lorenz Süd

Grün verhängt sind die Häuserblocks. Mit Bauzäunen ist das Areal gesichert, ein Dixi-Klo steht in der Gegend. Seit April werden die Häuser in der Wendischen und der Pommerschen Straße saniert. Betroffen sind 137 Wohnungen in vier Gebäuden. Unter den Mietern brodelt es. „Wir haben kein Telefon, kein Internet, kein Fernsehen – seit 11. Juli“, beschreibt Regina Lendt (55) die Situation. Bei den Bauarbeiten sei wohl ein Kabel abgeklemmt worden. Aber alle Reparaturversuche scheiterten, drei Techniker waren da. „Wir sind mit netten Worten abgefertigt worden“, sagt Regina Lendt. Sie lebt auf 39,71 Quadratmetern – mit ihrem pflegebedürftigen Mann. Für ihn muss sie viel organisieren. „Ohne Telefon ist das schwierig“, sagt sie.

Mieten steigen um 37,5 Prozent

Ihre Kaltmiete beträgt 220 Euro. Das sind 5,60 Euro pro Quadratmeter. Nach der Sanierung steigt die Miete nach Angaben der Buwog um 2,10 Euro pro Quadratmeter – das sind 7,70 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet für Lendt etwa 85 Euro mehr an Ausgaben. Die Miete steigt um 37,5 Prozent. „Für viele ist das eine Katastrophe“, sagt Thomas Klempau, Chef des Lübecker Mietervereins.

Ganz klar: Die Mieterhöhung ist das größte Problem. „Es gab schon mehrere Auszugswellen“, sagt ihr Nachbar Dominik Wilke (40). Die ersten Leute seinen aus lauter Panik ausgezogen, weil sie nicht wussten, was durch die Sanierung auf sie zukommt. „Die zweite Auszugswelle war wegen des Baulärms.“ Denn der geht um 6 Uhr in der Früh los – und dauert bis 16, 17 Uhr. „Das ist psychisch anstrengend.“ Die Wohnungen sind teils von oben bis unten verdreckt. „Der Baulärm ist extrem“, stimmt Nachbarin Barbara Heuer (48) zu. „Und es gibt keinen Informationsfluss“, beklagt Valerie Pilisi (43). Die Handwerker stünden manchmal einfach vor der Tür. Bisheriger trauriger Höhepunkt: „Einer der Mieter ist seit zwölf Wochen ohne Wasser und damit auch ohne Toilette“, sagt Ragnar Lüttke von den Linken, der sich des Themas angenommen hat.

Buwog: Störungen sind behoben

„Ein Ausfall von Wasser wurde uns nicht gemeldet“, erklärt indes Buwog-Sprecher Michael Divé. Weder dem Hausmeister, einem Techniker oder dem Bauleiter. Die Störung von Telefon, Internet und Fernsehen sei bekannt und an Kabel Deutschland weitergeleitet worden. „Zwischenzeitlich sind diese Dienste wieder voll funktionsfähig“, sagt Divé.

Seit April werden die Häuserblocks in der Wendischen Straße und in der Pommerschen Straße saniert.

Die dritte Auszugswelle befürchtet Dominik Wilke, wenn die Mieten möglicherweise ein weiteres Mal steigen. „Wir leben in Angst, was da auf uns zukommt“, sagt Wilke. Er hat das Gefühl, „die wollen uns wegdezimieren“. Dann könnten die Häuser luxuriös saniert und teuer vermietet werden. „Wir haben Angst, dass es so teuer wird, dass wir das nicht mehr bezahlen können“, sagt Tatjana Japs (37). Sie lebt mit ihrem Sohn auf 43 Quadratmetern und zahlt gut 300 Euro warm. Durch die Sanierung kommen weitere 100 Euro drauf.

Linke fordern Milieuschutz

Deshalb wollen die Linken das Milieu schützen. Sie fordern eine entsprechende Satzung in der Bürgerschaft am Donnerstag. „Dadurch können bestimmte Bevölkerungsschichten dann bleiben“, sagt Ragnar Lüttke (Linke). Dazu müsse der Bebauungsplan geändert werden. In St. Lorenz Süd trete nun das ein, vor dem er immer gewarnt habe. Ehemalige Sozialwohnungen fallen aus der Mietpreisbindung heraus, werden saniert. „Und die Mieter können das nicht mehr bezahlen“, so Lüttke. Eine Milieuschutz-Satzung würde die Kosten von Modernisierungen deckeln, so dass es nicht zu teuer wird für die Mieter. Außerdem habe er beobachtet, wie auch in St. Lorenz Süd die Ferienwohnungen immer mehr werden. Deshalb will er das Thema im Zuge der Ganghäuser auf der Altstadtinsel ebenfalls diskutieren.

Es gibt Härtefall-Regeln

Die Buwog hat eine andere Sicht. „Wir haben angekündigt, die Mieterhöhungen nicht vollständig umzulegen, sondern zu kappen“, erklärt Sprecher Divé. Außerdem gebe es Härtefall-Regeln. Bisher hätten sich nur zwei Mieter diesbezüglich an die Buwog gewandt. „Wir bieten alle 14 Tage dazu eine Mietersprechstunde an“, sagt Sprecher Divé. Der Mieterverein Lübeck hat ebenfalls ein Musterschreiben für finanzielle Härtefälle auf seiner Internetseite. Für 7,8 Millionen Euro saniert die Buwog die 137 Wohnungen. Sie muss bei der Erneuerung der vier Häuserblocks den Denkmalschutz beachten. Denn die Gebäude stehen seit 2017 unter Schutz. Sie saniert die Fassaden, das Dach – und einige der Häuser erhalten Balkone. Fenster und Türen werden neu gemacht wie auch die Elektrik und die Außenanlagen.

Großer Vermieter

Die Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungskonzern mit 350 000 Wohnungen – und hat sich im März den österreichischen Konkurrenten Buwog einverleibt. Er hat dafür 5,2 Milliarden Euro gezahlt. Durch den Zukauf hat Vonovia knapp 50 000 Wohnungen erworben – in Deutschland und Österreich. Vonovia selbst ging aus dem Zusammenschluss der Deutschen Annington und Gagfah hervor.

In Lübeck gehört Vonovia nun mit 7700 Wohnungen zu einem der größten Vermieter – durch den Kauf der Buwog. Die verwaltet die Wohnungen aber weiter, wie auch die in der Wendischen Straße und der Pommerschen Straße.

Josephine von Zastrow

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