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Lübeck Anstich bei den Spargelbauern
Lokales Lübeck Anstich bei den Spargelbauern
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08:36 15.04.2016
Sechs Hektar ist die Fläche groß, auf der Mitarbeiter Zeljko Lucic (43) jetzt die ersten Stangen Spargel erntet. Erstmals gibt es das Gemüse auf dem Hof Falkenhusen auch in Bio-Qualität. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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St. Jürgen

Auf dem Hof Falkenhusen ist der erste Spargel da. Und es ist nicht nur Saisonstart für das schlanke Gemüse, es ist auch Premiere für Bio-Qualität. Vor zwei Jahren hat Familie Aewerdieck auf den Feldern am Drägerwanderweg die Spargelpflanzen gesetzt, jetzt ist dort erstmals die Ernte möglich. Verkauft wird sie im benachbarten Hofladen.

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Zwei Jahre hat Familie Aewerdieck gewartet — jetzt ernten sie auch das Stangengemüse aus Ökolandbau.

„Mit einem guten Tunnel- management kann man früher mit der Ernte beginnen und später aufhören.“Jörg Aewerdieck (54), Spargelbauer

Vom Wanderweg bis zum Waldrand reicht das Feld, von dem sechs Hektar mit Tunnelfolie abgedeckt sind. Hier wachsen Sorten mit Bio-Zertifikat, in den kommenden Jahren soll auf der gesamten Fläche solcher Spargel geerntet werden. „Eigentlich dauert die Spargelsaison nur sechs Wochen“, erklärt Landwirt Jörg Aewerdieck (54), „doch mit einem guten Tunnelmanagement kann man früher anfangen und später aufhören.“ Mit weißen Folien wird das Wachstum gebremst, mit schwarzen vorangetrieben, und mit Klarsichtfolie obendrüber geht es noch schneller. „Das ist wie ein Treibhauseffekt“, sagt der Fachmann, „vor allem, wenn die Sonne scheint.“ Schluss mit der Ernte ist aber auf jeden Fall am 24. Juni. „Das ist St. Johanni und man sagt: ,Sind die Kirschen rot, ist der Spargel tot.‘“

Aber daran denkt auf dem Hof im Absalonshorster Weg jetzt noch niemand. „Mit jedem Tag Sonne wächst der Spargel besser“, erzählt Regina Aewerdieck (46) und schaut über die Felder des Betriebes, den die Familie seit Generationen von der Stadt pachtet. Insgesamt gehören zum Hof 140 Hektar Land mit über hundert Rindern sowie Enten, Gänsen, Wildschweinen, Angler Sattelschweinen, Hühnern und einigen Tieren mehr.

Für die Spargelernte gehen Landwirte und Arbeiter derzeit täglich durch die Reihen und stechen die Stangen aus dem Boden, der seit 1999 biologisch bewirtschaftet wird. Mit der Umstellung der Landwirtschaft hat die Familie bereits 1996 begonnen, und nach und nach soll der gesamte Hof den Gesetzen des Ökolandbaus folgen. „Dafür verzichten wir zum Beispiel auf den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und verwenden nur unseren hofeigenen Dünger.“ Um Wildkräuter aus den Spargelbeeten zu jäten, haben sich Aewerdiecks einen kleinen Spezialtraktor angeschafft. „Der kann durch die Reihen fahren und die Dämme bearbeiten.“

Um in der Spargelzeit die Mehrarbeit zu stemmen, sind bis zu 20 Saisonkräfte im Einsatz. Sie reisen aus Süd- und Osteuropa an und wohnen teils auch mit auf dem Hof. Zeljko Lucic (43) kommt aus Kroation und bringt die ersten Stangen in den Hofladen. Dort steht Regina Krisp-Heinzner (57) hinter dem Tresen und verkauft auch Kartoffeln, Kürbis, Fleisch, Geflügel und einiges mehr vom Hof. Beim Spargel geht es so langsam los — ähnlich wie im Vorjahr —, und es gibt verschiedene Sortierungen. Was das Gemüse kostet, das variiert von Tag zu Tag. „Es hängt auch von der Wetterlage ab“, sagt die 46-Jährige und rechnet mit sechs bis zwölf Euro pro Kilo Bio-Spargel. Wer lieber konventionelle Ware kaufen will, bekommt auch die im Laden. „Denn noch konnten wir nicht alle Flächen auf Bio umstellen.“

Insgesamt gilt, dass der Spargelanbau zeitintensiv und mit viel Handarbeit verbunden ist. Außerdem wird der Mindestlohn von acht Euro für Landarbeiter die Preise in diesem Jahr nochmals steigen lassen. „Beim Spargel rechnen wir mit einer Steigerung von 50 Cent bis ein Euro pro Kilo“, sagt Jörg Aewerdieck.

Um die Ernte zu feiern, wird auch in diesem Jahr ein Spargelfest stattfinden. Am Sonntag, 22. Mai, lädt die Familie große und kleine Gäste auf den Hof ein. Los geht es um 10 Uhr, und es gibt Spargelsuppe sowie Spargel für zu Hause. Auf Wunsch wird er kostenlos geschält. Außerdem: Torten, Gegrilltes und Spielspaß für Kinder. Wer möchte, kann an Hofführungen teilnehmen oder sich an Kunsthandwerk, Staudenverkauf und Musik erfreuen.

• Mehr Infos zum Hof und Spargelfest gibt es unter hof-falkenhusen.de.

Das Lieblingsrezept

500 Gramm dünne Spargelspitzen, waschen und nicht(!) schälen. Eine Knoblauchzehe zerdrücken, mit etwas Öl anbraten und die Spargelspitzen dazu geben. Fünf Minuten dünsten. Dann 500 Gramm Cocktail- oder Kirschtomaten hinzufügen, nochmal fünf Minuten dünsten und mit Salz sowie italienischer Kräutermischung (Petersilie, Basilikum, Oregano und Thymian) abschmecken. Das Rezept ist für zwei Personen gedacht, und dazu empfiehlt Landwirtin Regina Aewerdieck Gegrilltes und Weißwein.

Von Cosima Künzel

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