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Lübeck Anwohner greifen zum Schrubber
Lokales Lübeck Anwohner greifen zum Schrubber
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10:25 28.06.2016
Freuen sich, dass sie bei ihrem Lübeck-Besuch auf der einzigen sauberen Bank der Flaniermeile sitzen können: Caroline und Robert Urban aus Hamburg.
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Innenstadt

Vor Jahren haben die Eschenholz-Bänke an der Obertrave für eine Menge Diskussionsstoff und Ärger gesorgt: Vielen älteren Menschen waren sie zu breit, es fehlten die Rückenlehnen. Die wurden – zumindest bei vier Bänken – nachgerüstet. Zunächst sollten die Lehnen über 16000 Euro kosten, letztlich wurden es „nur“ 11600 Euro. Seit 2008 stehen die Bänke nun an der Flaniermeile – und bereiten wieder Ärger: Offenbar wurden sie in all der Zeit nie von Moos und anderem Dreck befreit. Mit üblen Konsequenzen für denjenigen, der sich mit heller Hose oder hellem Rock darauf setzt, denn aus Weiß oder Beige wird sehr schnell Grün. Jetzt machten sich zwei Damen aus der Nachbarschaft an eine der Bänke und schrubbten vier Stunden lang daran herum.

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Eine Bank reicht nicht, meint Karim Ghoudi, Wirt von „Lübke’s Speicher“, und greift selbst zu Schrubber und Seifenwasser.

„Die Stadt hat bekanntlich kein Geld und offensichtlich keine Leute, um die Bänke zu säubern.“Karim Ghoudi, Gastronom

Karim Ghoudi (38), Wirt von „Lübke’s Speicher“ an der Obertrave, war ein bisschen überrascht, als er am Sonnabend „von einer älteren und einer jüngeren Dame“ angesprochen wurde, ob er ihnen Eimer, heißes Wasser und einen Schrubber zur Verfügung stellen könne. Er konnte und wechselte mehrfach das Wasser gegen frisches aus.

Das Ergebnis: Man kann das helle Holz wieder erkennen und die Bank ohne Gefahr für die Kleidung zum Ausruhen nutzen. Die beiden Damen verschwanden zwar nach ihrem Einsatz, ohne ihre Namen zu hinterlassen, doch Gastwirt Ghoudi nahm sich ein Beispiel daran und schrubbte die zweite Bank, die zwischen seiner Außenfläche und dem Wasser steht.

Eigentlich, so meint er, sei es zwar Aufgabe der Stadt, die Bänke an der Flaniermeile zu säubern. „Aber die Stadt hat bekanntlich kein Geld und offensichtlich keine Leute, die die Bänke mal mit dem Hochdruckreiniger sauber machen.“ Also legt er selbst jetzt Hand an, ebenso wie er regelmäßig das Unkraut aus den Fugen der Außenfläche zupft, für die er eine Sondernutzungsgebühr von 1700 Euro pro Saison zahle.

Vorher
Nachher

Ganz uneigennützig ist die Putz- Aktion allerdings nicht. „Denn wenn im Sommer alle Außenplätze besetzt sind und neue Gäste warten, dass ein Tisch frei wird, setzen sie sich immer auf die beiden Bänke und bestellen schon einmal ein Getränk.“ Da seien saubere, helle Holzbänke schon deutlich besser – gerade für Touristen.

Was die Tagesurlauber Caroline (25) und Robert Urban (27) aus Hamburg als angenehm empfinden, löst bei einer älteren Altstadtbewohnerin eher Verärgerung aus. „Im privaten Bereich geht das mit dem Holzsäubern, aber hier kann man doch nicht die Bank schrubben“, empört sich die Dame, die ihren Namen nicht nennen mag. „Wir können doch froh sein, dass wir hier Natur haben“, sagt sie mit Blick auf die Bäume, die den Bänken Schatten spenden. Vielmehr könne doch jeder eine Zeitung oder ein Kissen unterlegen. Allerdings hätte auch sie es gut gefunden, wenn man die Bänke, als sie neu waren, lasiert hätte. „Dann wär das alles pflegeleichter.“

Um wie viele Bänke sich die Mitarbeiter der Stadt kümmern müssten, um alle einigermaßen ansehnlich zu halten, und ob es überhaupt städtische Aufgabe ist, war gestern auf Anfrage nicht zu erfahren.

 Sabine Risch

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