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Lübeck Anwohner kämpfen gegen Bauschutt-Brecher
Lokales Lübeck Anwohner kämpfen gegen Bauschutt-Brecher
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15:32 05.06.2017
Bauschutt-Anlage an der Travemünder Landstraße: Nachbarn aus Ivendorf, Pöppendorf, Kücknitz fordern die Stilllegung. Quelle: Fotos: Roessler/künzel/neelsen

Drei Kücknitzer Initiativen haben Gutachter Klaus Koch beauftragt. Denn seit Januar gibt es auf dem Areal mehrere Bauschutt-Brecher. Anwohner klagen über Lärm und Staub. „Wir fordern die Stilllegung des MAZ“, sagt Wolfgang Adomeit von der Interessengemeinschaft Pöppendorf. Doch die Behörden unternehmen nichts. „Es gibt eine Verschleierungstaktik“, sagt er. Georg Sewe, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Kücknitz, meint: „Immer sitzen Land, Stadt und Scheel in einem Boot.“

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Bauschutt-Anlage an der Travemünder Landstraße: Nachbarn aus Ivendorf, Pöppendorf, Kücknitz fordern die Stilllegung.

Das Land indes widerspricht. „Es ergaben sich keine Hinweise, wonach die Anlage nicht genehmigt werden könnte“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Umweltministeriums. Außerdem werde aktuell ein Mediationsverfahren in der Sache vorbereitet – zwischen Initiativen und Behörden. Auch die Firma Scheel wehrt sich. „Die Behauptungen von Herrn Koch können wir nicht nachvollziehen“, sagt Mirja Kröger von der Geschäftsleitung. „Sie entbehren jeder Grundlage.“ Und die Stadt Lübeck? Verweist in fast allen Punkten aufs Land.

Dabei kämpfen die Kücknitzer seit mehr als fünf Jahren gegen die Firma Scheel. Die wollte einen Recyclinghof auf einem benachbarten Areal ansiedeln. Doch die Politiker senkten die Daumen, als es öffentlichen Druck gab. Also durfte die Stadt keinen Recyclinghof genehmigen. Aber: Dann wurde auf dem Gelände ein Bodenlager erlaubt – vom Land. Die Genehmigung gilt bis zum 8. April 2018. Seit 2011 betreibt die Firma Scheel nebenan das MAZ. Im August 2016 wurde die Genehmigung vom Land bis zum 16. Juni 2026 verlängert. Doch seit Januar steht dort „ein Riesending von Brecher“, so Adomeit. Nach seiner Aussage haben Lärm, Staub und Verkehr massiv zugenommen. Zudem werde mehr Schutt gelagert als die erlaubten 43000 Tonnen. Adomeit schätzt die reale Menge auf 200000 Tonnen.

Verheerend ist die Analyse von Gutachter Koch: „Die Anlage steht dort zu Unrecht.“ Als „Kardinalfehler“ bezeichnet er die Daten-Basis der Genehmigung. Die stamme nach seiner Darstellung von 2000. Das MAZ war von 2000 bis 2005 an der Seelandstraße angesiedelt – dort wurde die Herrenbrücke zerkleinert. Diese Daten seien 2005 in ein Gutachten übernommen worden, als das MAZ an der Travemünder Landstraße genehmigt, aber nie betrieben wurde. Das geschah erst 2011. Und 2016 folgte die Verlängerung bis 2026 – mit den Daten aus 2000. Das führe dazu, dass die Grundstücksgröße nicht stimme. Das Areal an der Travemünder Landstraße sei kleiner als im Gutachten aufgelistet. Dadurch sei zu viel Lärm und Staub genehmigt worden.

Kritikpunkt Nummer zwei: die Stadt. Zwar muss das Land solche Anlagen genehmigen, aber die Hansestadt wird gefragt, was sie davon hält. „Sie spielt da eine entscheidende Rolle“, sagt Koch. Ihn wundert die Einschätzung der Stadt, die die Bedingungen vor Ort kennen müsste. „Man hat den Eindruck, die eine Behörde hat sich auf die andere verlassen“, sagt Koch. Besonders pikant: Das Grundstück gehört sogar der Stadt. Das städtische Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) ist Eigentümer, hat es an Scheel verpachtet. „Ich habe den Eindruck, dass die Initiativen übers Ziel hinaus schießen“, sagt Prokurist Ralph Bruns. Denn früher sei das Grundstück auch gewerblich-industriell genutzt worden.

In den Details steht Aussage gegen Aussage. Gutachter Koch spricht von „mindestens drei Brecheranlagen“. Das Land bestätigt, dass es drei Anlagen genehmigt habe, allerdings jeweils eine Brecher-, Sieb- und Schredderanlage. Koch spricht von „unzumutbarem Lärm“. 80 und 70 Dezibel sind es an Travemünder und Ivendorfer Landstraße. Erlaubt sind 57 Dezibel. „Diese extremen Überschreitungen gefährden die Gesundheit der Anwohner“, so Koch. Zudem stünden die Brecheranlagen auf dem Schutt in bis zu 16 Meter Höhe, erlaubt seien sie nur in einer Senke. Und täglich fahren 140 Lastwagen zum MAZ. Das Land indes sagt: „Eine Messung ergab bislang keinen Hinweis auf unzulässige Lärmimmissionen.“ Allerdings: Es scheint nicht alles glatt zu laufen beim MAZ. Das bestätigt die Stadt indirekt:

„Mitarbeiter waren teils mehrfach vor Ort, bei Verstößen wurden die zulässigen ordnungsrechtlichen Maßnahmen eingeleitet.“

 Josephine von Zastrow

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