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Lübeck Anwohner kämpfen gegen Schandfleck an der Krähenstraße
Lokales Lübeck Anwohner kämpfen gegen Schandfleck an der Krähenstraße
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22:31 07.11.2013
Früher zog hier viele Jahre lang ein Supermarkt Kunden an. Inzwischen kauft niemand mehr ein. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Günter Müller ärgert sich. Er steht in der Tür zu seinem Geschäft, dem Weinhaus Lübeck. Im linken Raum stapeln sich Weine aus Italien. Stehtische und eine Bierbankgarnitur laden zum Verkosten und Verweilen ein. Im rechten Zimmer werden Antipasti, Schinken und Käse verkauft. „Klein-Italien“ nennt das seine Frau Angela Müller. An der Eingangstür steht „offen, aperto, open“. Weder offen, noch einladend sieht es hingegen schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite aus. Und das stört Müller. „Es ist ein Schandfleck“, sagt er.

Hier, wo der Balauerfohr auf die Krähenstraße trifft, stehen zwei Häuser, deren Geschäftsräume im Erdgeschoss schon lange kein Kunde mehr betreten hat. An die Außenwände und die Scheiben wurden einfarbige Wörter, sogenannte Tags, geschrieben. „Das ist kein schöner Anblick“, sagt Günter Müller. Die Stockwerke darüber sind bewohnt. Seitdem er und seine Frau den Weinladen vor dreieinhalb Jahren übernommen haben, hat sich nichts geändert. Das wollen sie nicht hinnehmen. 150 Unterschriften haben sie bei sich im Laden und in der Umgebung gesammelt und an die Stadt geschickt — gegen den „Schandfleck im Viertel“ ist darauf zu lesen.

„Wir wären ja schon zufrieden, wenn hinter den Scheiben Bilder hängen würden“, sagt die Weinhändlerin. Denn bislang ist der Blick durch die Schaufenster frei auf abgestellte Küchenmöbel. Nicht nur das Paar stört sich an der Verwahrlosung, auch ihre Kundschaft spräche sie auf den Zustand der Gewerberäume auf der anderen Straßenseite an. „Der Leerstand schreckt Besucher des Aegidienviertels ab“, ist auf jeder Unterschriftenliste zu lesen. Und: „Wir bitten, die Räumlichkeiten entweder zu vermieten oder einen attraktiven Zustand herzustellen.“

Der Vermieter indes ist ebenso unzufrieden. „Ich bin der Leidtragende“, betont Bernd Schröder, der 1990 Eigentümer der beiden Objekte wurde. Schließlich entgehen ihm seit acht Jahren die Mieteinnahmen. Aus seiner Sicht ist es unter den gegebenen Umständen nicht möglich, die Räume zu vermieten: „Dort ist keine Laufkundschaft, für Außengastronomie ist es zu dunkel, und für ein Einzelhandelsgeschäft mit sperrigen Produkten fehlen die Parkplätze.“

Zwar sei es für Anwohner der Krähenstraße möglich, dort eine Parkmöglichkeit zu finden — nicht aber für Kunden. Auch die Lage sei nicht optimal: „Da sind Junkies unterwegs“, sagt er.

Miet-Interessenten hat es in den vergangenen Jahren gegeben, doch weder wollte er ein Erotik-Geschäft im Haus haben — „da wohnen auch 16-Jährige!“ — noch einen Wasserpfeifenladen. „Wir suchen noch immer einen solventen Mieter“, erklärt Schröder.

„Ich gebe zu, dass es schlecht aussieht“, sagt er. Die Schriftzüge zu entfernen, bezeichnet er als „Beschäftigungstherapie“. Kaum habe er einen entfernt, sei am nächsten Tag schon der nächste da.

Inzwischen verfolgt er eine andere Lösung: Er will die 450 Quadratmeter zu Wohnraum umgestalten. Mit der Stadt setzte er sich in Kontakt, schrieb im November vor einem Jahr einen Brief in dem er von einer „dunklen Schmuddelecke“ spricht und seine Idee erklärt: „Wir können uns vorstellen, den Parkplatz zu kaufen, um Studentenwohnungen zu bauen.“

Mit Jan Lindenau, SPD-Fraktionschef in Lübeck, und Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) saß Schröder auch schon zusammen. Lindenau erklärt: „Die Stadt ist an einer Verbesserung vor Ort interessiert.“

Allerdings habe Vermieter Schröder noch vor einem halben Jahr überlegt, ob er die Häuser weiterhin vermieten soll oder ob ein Verkauf sinnvoller wäre. Er habe bisher nur „informelle Anfragen gestellt“. Nicht aber eine Bauvoranfrage oder einen Bauantrag.

„Wir wären ja schon zufrieden, wenn hinter den Scheiben Bilder hängen würden.“
Angela Müller

Elena Vogt

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