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Lübeck Lehmann-Kai in Lübeck: Anwohner kritisieren Erweiterung
Lokales Lübeck Lehmann-Kai in Lübeck: Anwohner kritisieren Erweiterung
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16:34 01.12.2018
So soll der „Lehmannkai 1 plus“ einmal aussehen (Blick traveaufwärts). Unten rechts im Bild die schon bestehende Lagerhalle. Quelle: Lehmann/Pixelpakete
Kücknitz

„Es hätte schlimmer kommen können“, sagte Firmenchef Holger Lehmann am Ende des Abends in der Hafenkantine. Zwei Stunden lang hatten er, seine Mitarbeiter sowie Planer und Gutachter des Projekts „Lehmannkai 1 plus“ etwa 80 Anwohnern aus Siems, Dänischburg und Gothmund erklärt, warum und wie der Hafenbetreiber Hans Lehmann KG eine große, neue Kaianlage in Dänischburg bauen will. Mehrere, teils aufgebrachte Besucher äußerten dabei ihre Sorge über zunehmenden Lärm und Umweltbelastungen.

Am Nordufer der Trave gegenüber dem Fischerdorf Gothmund soll bis 2022 eine Anlage entstehen mit einem Schiffsliegeplatz, vier 14 Meter hohen, je 8600 Quadratmeter großen Lagerhallen und 2100 Meter Gleisanlagen, die zum Rangierbahnhof Dänischburg führen. Das Gelände, das Lehmann 2017 vom Energiekonzern Eon kaufte, schließt an den südöstlich davon gelegenen, bestehenden Lehmannkai 1 an. Früher stand dort ein Kohlekraftwerk.

Auf der neuen Kaianlage will Lehmann jährlich 800 000 Tonnen Ladung umschlagen und lagern, hauptsächlich Forstprodukte wie Papier und Zellulose. Gearbeitet werden soll dort täglich von 6 bis 22 Uhr. Nötig werde die Erweiterung durch die steigende Nachfrage, die der Trend zu nachhaltigen Produktverpackungen erzeuge, sagte der Lehmann-Prokurist Klaus Schneider. „Wir müssen inzwischen Aufträge ablehnen, weil wir nicht genug Lagerkapazitäten haben.“

Das sagen Anwohner und der Unternehmenschef zu den Hafen-Plänen für Dänischburg.

Die Dänischburgerin Christiane Schumann (70) kritisierte die Pläne heftig. „Ich bin empört über diese Größe, das habe ich überhaupt nicht erwartet“, sagte sie. „Ich wohne hier seit 52 Jahren. Ich habe so viel mitgemacht an Luftverschmutzung! Das können Sie uns gar nicht zumuten, dass noch mehr Lkw durch die Dänischburger Landstraße brettern.“ Geschockt sei sie darüber, dass auch am Wochenende gearbeitet werden solle. Sorgen äußerte sie auch in Bezug auf das am anderen Traveufer gelegene Naturschutzgebiet – und über den aus ihrer Sicht drohenden Wertverlust der Immobilien.

Der Lärmgutachter Bernd Burandt gab ihr recht, was die bestehenden Belastungen des Stadtteils angeht. Daran könne die Firma Lehmann aber wenig ändern. Am neuen Kai werde täglich ein Schiff liegen, und zwei Züge würden Waren transportieren. „Das wird nicht dazu führen, dass Grenzwerte überschritten werden.“ Wie stark die zusätzliche Belastung der Straße ausfalle, werde während der Planung noch bewertet. Der Umwelt-Experte Stefan Greuner-Pönicke verwies auf die Umweltverträglichkeitsprüfung, die Teil der Planungen sein werde.

Ein Anwohner regte an, den Lastwagen-Verkehr über die A 226 und das Lehmann-Gelände zu leiten statt über die Dänischburger Landstraße. Geschäftsführer Holger Lehmann entgegnete, dass dieser Verkehr nicht nur von seinem Unternehmen und dessen Kunden herrühre. Er versprach aber, der Anregung nachzugehen.

Wolfgang Methe (76) aus Gothmund beunruhigt vor allem der Lärm, der durch die Arbeit beim eigentlichen Umschlag entstehen würde, unter anderem durch das akustische Signal, das Gabelstapler und Lastwagen beim Rückwärtsfahren aussenden – und das auch am Wochenende. „Das Gepiepe 18 Stunden am Tag – na herzlichen Glückwunsch!“ Holger Lehmann verwies auf die technischen Lösungen, die es für solche Probleme schon gebe.

Die von Lehmann freiwillig anberaumte Informationsveranstaltung gehörte noch nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung im Planfeststellungsverfahren. Mit Planfeststellungsbeschluss und Baubeginn rechnen die Planer nicht vor Ende 2020. Die erste Bauphase wäre ihren Angaben zufolge Mitte 2022 abgeschlossen.

Hanno Kabel

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