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Lübeck Arbeitskreis will Wildpinkler an St. Marien stoppen
Lokales Lübeck Arbeitskreis will Wildpinkler an St. Marien stoppen
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12:13 14.09.2016
Die dunklen Ecken von St. Marien locken nicht nur Kulturinteressierte an, denn seit die Markttoiletten abgerissen wurden, gibt es keine öffentlichen Toiletten mehr. Quelle: Fotos: Neelsen, Malzahn, Maxwitat
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Lübeck

Sie urinieren einfach an die Mauern des Gotteshauses: Lübecks Wildpinkler verschrecken Anwohner und Touristen. Im Juni fotografierten Nachbarn zum ersten Mal, wie viele Männer und Frauen an der altehrwürdigen Kirche ungeniert Wasser lassen und brachten so eine Diskussion ins Rollen (die LN berichteten). Derzeit soll der Gesprächskreis Sicherheit und Sauberkeit eine Lösung finden. Gemeinsam mit Vertretern von Polizei, Bereichen der Stadt, der Arbeiterwohlfahrt (AWO), des Lübeck-Marketings und der Gemeinde St. Marien berät Innensenator Ludger Hinsen (CDU), wie die Wildpinkler am Gotteshaus gestoppt werden können. Bereits im Juni hatte er eine strengere Überwachung angekündigt.

Toilettencontainer als Zwischenlösung im Gespräch – „Nette Toilette“ soll stärker beworben werden – Senator Hinsen kündigt auch Umbau des Drogentreffs Krähenstraße an.

„Aus der Verwaltung und den sozialen Einrichtungen sitzen die richtigen Gesprächspartner an einem Tisch“, lobt Pastor Robert Pfeifer, der auf eine schnelle Lösung hofft, denn die Situation hat sich in den vergangenen Wochen nicht verbessert. „Das Problem ist eine gleichbleibende Herausforderung“, sagt Pfeifer. Er betont aber auch, dass das Phänomen der Wildpinkler nicht nur in Lübeck oder bei St. Marien bestehe.

Der Hintergrund: Mit dem Abriss der Markttoiletten verschwanden die letzten öffentlichen Toiletten in dem Bereich rund um St. Marien. Auch wenn sich das Motel One, für dessen Bau die Markttoiletten abgerissen wurden, einverstanden erklärt hat, seine WC-Anlagen am Markt öffentlich zur Verfügung zu stellen, bleibt das Problem vorerst bestehen. Denn eröffnet wird das Hotel erst 2018.

Das Thema beschäftigt den Gesprächkreis nicht zum ersten Mal, finale Lösungen müssen aber noch gefunden werden. „Man braucht nicht zu glauben, dass man einfach eine Toilette an der Kirche aufstellen kann und das Problem damit behoben ist“, sagt Olivia Kempke, Geschäftsführerin des Lübeck-Managements. Die Wildpinkler seien ein gesellschaftliches Problem. „Zudem geht es nicht nur um eine Klientel. Auch Touristen erleichtern sich vermehrt öffentlich“, so Kempke.

Die Flyer und Informationen über Lübecks „nette Toiletten“, die man ohne Bezahlung benutzen darf, sollen deshalb vermehrt an die Tourismusverbände verteilt werden. „Wir von der LTM prüfen, wie wir das Thema ,Nette Toilette’ noch stärker bewerben können“, erklärt auch Inke Möller vom Lübeck und Travemünde Marketing, die an den Arbeitskreisen teilnimmt.

Doch auch das reicht nicht aus, ist der Kanon des Kreises. Die „netten Toiletten“ seien keine ausreichende Alternative. Es soll eine Zwischenlösung geben. Bis zur Fertigstellung des Motel One könnte ein Toilettencontainer aufgestellt werden. „Wenn möglich mit kostenfreier Nutzung, damit das Geschäft nicht an 50 Cent scheitert“, so Stadtsprecherin Nicole Dorel. Ob ein Toilettencontainer möglich ist, müsse allerdings noch geprüft werden.

Innensenator Hinsen thematisiert außerdem erneut den Szenetreff am Krähenteich. Seit Oktober 2015 sollte sich an dem Platz an der Ecke Krähenstraße/An der Mauer einiges ändern. Hier treffen sich seit Jahren Drogenabhängige und Alkoholiker. Die geplante Umgestaltung der Beete und Büsche fand allerdings nicht statt. Auch eine WC-Anlage inklusive Spritzenbehälter wurde dort nicht aufgebaut.

Nun soll der Platz erneut in Angriff genommen werden, das WC und der Spritzenbehälter sollen kommen. Wann steht allerdings noch nicht fest. „Unser Ziel muss es sein, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, um ihnen eine Lösung für ihre Probleme passgenau anbieten zu können“, sagt Hinsen. Nur so könne die Szene schließlich minimiert werden.

 Tomma Petersen

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