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Lübeck Arbeitslosigkeit kostete 2017 rund 450 Millionen Euro
Lokales Lübeck Arbeitslosigkeit kostete 2017 rund 450 Millionen Euro
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21:23 08.03.2018
„4948 Integrationen in eine Beschäftigung bedeuten für uns eine Rekordmarke.“Joachim Tag, Geschäftsführer Jobcenter Lübeck
Lübeck

Die Agentur gab in Lübeck und Ostholstein 78 Millionen Euro für Arbeitslosengeld aus. Ein Erwerbsloser erhielt im Monat durchschnittlich 840 Euro Arbeitslosengeld, außerdem wurden 609 Euro Sozialversicherungsbeiträge entrichtet. „Die Ausgaben waren wegen der sinkenden Erwerbslosigkeit rückläufig“, sagt Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur Lübeck und Ostholstein. Das Jobcenter Lübeck zahlte 2017 fast 72 Millionen Euro für Hartz IV und Sozialversicherungsbeiträge, weitere fast 72 Millionen Euro wurden für die Mieten und Nebenkosten der Erwerbslosen aufgewendet. Weil die Hartz-IV-Sätze angehoben worden seien, würden die Aufwendungen steigen, erklärt Geschäftsführer Joachim Tag.

„Junge Menschen wollen nicht an einer Maschine arbeiten, die ölig und laut ist.“Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur

Verglichen mit der Zeit der Einführung von Hartz IV (2005) und der anschließenden Finanzkrise hat sich der Arbeitsmarkt in der Hansestadt vollkommen gewandelt. Die Erwerbslosenquote ist so niedrig wie zuletzt vor 27 Jahren. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen steigt seit zwölf Jahren. 95055 Jobs sind es gegenwärtig. Zugleich wächst die Zahl der Teilzeitjobs und der geringfügigen Beschäftigungen. Arbeitsplätze entstehen im Handel, im verarbeitenden Gewerbe, bei der Leiharbeit, in Alten- und Pflegeheimen sowie im Gesundheitswesen. Wie dynamisch der Lübecker Arbeitsmarkt ist, verraten zwei Zahlen: 27242 Frauen und Männer meldeten sich 2017 erwerbslos, 27561 fanden wieder einen Job. Und 75 Prozent derjenigen, die wieder in Lohn und Brot kamen, waren nach einem Jahr noch im Job.

Arbeitnehmer und Azubis können sich Jobs aussuchen, die Betriebe rangeln um Bewerber. „Dreher und Fräser sind wieder gefragt“, sagt Markus Dusch. Um Kraftfahrer zu gewinnen, würden Speditionen Schichtpläne ändern, um individuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Dusch: „Arbeitgeber werben sich gegenseitig die Fachkräfte ab.“ 90 Köche werden in Lübeck gesucht, es gibt so gut wie keine Bewerber. Auf zehn offene Stellen für Mechatroniker und Elektroniker kommen drei Arbeitslose. Bis eine Firma diese Stelle wieder besetzen kann, vergehen bis zu sechs Monate. „In allen Branchen haben die Unternehmen mehr zu tun“, berichtet Dusch. Die Firmen benötigen so händeringend Leute, dass auch Langzeitarbeitslose, Ältere und Ungelernte eine Chance erhielten. Für Ungelernte bleibt das Risiko, wieder auf der Straße zu landen, aber hoch – fünf Mal höher als bei Menschen mit Berufsausbildung.

Auch Lehrstellen würden sich immer schwieriger besetzen lassen, stellen die Chefs von Arbeitsagentur und Jobcenter fest. Vor zwölf Jahren habe es zuletzt mehr Schulabgänger als Lehrstellen gegeben.

Dusch: „Das ist sehr kritisch für viele Arbeitgeber, weil die oft bis zum Ausbildungsbeginn nicht wissen, ob der Bewerber auch wirklich kommt.“ Die Ansprüche der Schulabgänger würden wachsen, stellte der Chef der Arbeitsagentur fest: „Die Jugendlichen wollen nicht mehr an einer Maschine arbeiten, die ölig und laut ist.“ Um Azubis zu finden, würden Arbeitgeber mit Handyverträgen, Fahrkarten und Roller-Führerscheinen locken.

Trotz aller Vermittlungserfolge von Arbeitsagentur und Jobcenter und trotz der boomenden Nachfrage nach Arbeitskräften gibt es in Lübeck 14 000 Menschen, die keine Arbeit haben. Sie stecken in Qualifizierungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobs, sind krankgeschrieben, versuchen sich als Existenzgründer oder sind auf dem Weg in den Vorruhestand. Unterbeschäftigung nennen die Arbeitsmarktexperten diese Gruppe. Die sogenannte Unterbeschäftigungsquote liegt in der Hansestadt bei zwölf Prozent – und damit deutlich höher als im Landesdurchschnitt (8,2 Prozent). Ein großer Teil der Kunden des Jobcenters kann nicht in Arbeit vermittelt werden. Geschäftsführer Joachim Tag: „Sie haben gesundheitliche Einschränkungen oder die Kinderbetreuung ist nicht gesichert.“

Von Kai Dordowsky

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