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Lübeck Archäologen müssen Lager räumen
Lokales Lübeck Archäologen müssen Lager räumen
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21:18 14.11.2017
Die Stadt will das Areal an der Fabrikstraße 13 in Schlutup verkaufen. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Kompliziertes Konstrukt: Es geht um ein Areal an der Fabrikstraße 13 in Schlutup. Dort steht eine 1000 Quadratmeter große Lagerhalle, der Außenbereich ist noch einmal so groß. Die Archäologen lagern dort Lübecks Vergangenheit. „Wir stehen quasi vor dem Aus“, sagt Manfred Schneider, Leiter der Archäologie. Denn die Vorwerker Diakonie hat den Mietvertrag gekündigt. Ende Juli muss Schneider das Lager geräumt haben – und weiß nicht, wohin mit den Sachen. Kosten des Umzugs: 100000 Euro.

„Wir haben Interesse daran, dass die Firma bleibt.“ Sven Schindler, Wirtschaftssenator

Grund für die Kündigung: Ein benachbarter Betrieb will sich vergrößern. Die Archäologen der Stadt sollen das Areal räumen, um dessen Zukunft zu sichern. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Firma in Lübeck bleibt – und hier expandieren kann“, macht Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) klar.

Die Eigentümerverhältnisse an der Fabrikstraße 13 sind verzwickt. Die Vorwerker Diakonie hat für das Gelände einen Erbpachtvertrag mit der Stadt, der bis 2076 läuft. Die Halle auf dem Areal ist ihr Eigentum. Dort hat die Vorwerker Diakonie früher Werkstätten für Behinderte eingerichtet. Doch die Arbeit hat sich verändert, so dass die Halle und das Gelände nicht mehr von der Diakonie gebraucht werden. Deshalb hat sie es vor zehn Jahren an die Archäologen der Stadt zurückvermietet.

Doch jetzt hat sich die Situation geändert. „Die Nachbarfirma hat Interesse, das Gelände zu kaufen“, sagt Lutz Regenberg, Sprecher der Vorwerker Diakonie. Für diesen Kauf gibt es zwei Varianten:

Entweder das Unternehmen erwirbt die Halle von der Vorwerker Diakonie und steigt in den Erbpachtvertrag der Stadt ein – oder der Betrieb kauft nicht nur die Halle von der Vorwerker Diakonie, sondern auch das Gelände von der Stadt. Beides ist für Schindler denkbar. „Ich glaube, wir werden uns da mit der Vorwerker Diakonie einigen“, so der Senator.

Doch Schindler quält ein ganz anderes Problem. „Es gibt die Tendenz, die Halle von 1974 unter Denkmalschutz zu stellen“, sagt er. Das wiederum betreut der Bereich Denkmalschutz, dem auch die Archäologie angehört. Nach Schindlers Einschätzung würde aber eine denkmalgeschützte Halle das Gelände unattraktiv machen. „Derzeit gibt es parallel etliche Themen zu lösen.“

Für die Archäologen ist indes klar: „Wir brauchen Platz, viel Platz“, sagt Schneider. Denn in der Fabrikstraße lagern die Archäologen das, was sie bei den Ausgrabungen gefunden haben – vor allem aus dem Gründungsviertel in der Altstadt. Dort, wo die Stadt Lübeck ihre Wurzeln hat. Dort lagert beispielsweise ein Kellergewölbe aus der Zeit Heinrichs des Löwen (1130 bis 1195), Holz sowie Tonschalen.

„Es ist einigermaßen voll“, beschreibt Schneider die Situation. Jetzt weiß er nicht, wohin. „Wir sind auf der Suche“, sagt Schneider. Schindler und das Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) schauen sich nach einem neuen Standort um. Schneider will eine langfristige Lösung. „Ich kann so einen Umzug nicht alle zehn Jahre machen“, stellt er klar. Er war davon ausgegangen, dass der Mietvertrag mit der Diakonie dauerhaft läuft. Hauke Wegner (CDU) sagt: „Das Problem der Archäologie zeigt, dass wir dringend ein Gesamtkonzept für die Lagerung von Lübecks Schätzen brauchen.“

 Josephine von Zastrow

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