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Lübeck Archiv der Hansestadt braucht schnell viel Platz
Lokales Lübeck Archiv der Hansestadt braucht schnell viel Platz
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22:56 13.02.2018
Hoffnungslos überfüllt: Das Archiv der Hansestadt braucht dringend zusätzlichen Raum. Dr. Jan Lokers, Leiter des Archivs, spricht von 1500 Quadratmetern Fläche, die in kurzer Zeit benötigt werde. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Akten, Protokolle, Karten: Seit 1138 sammelt die Hansestadt das, was für das „Gedächtnis der Stadt“ bedeutend ist. Das Meiste ist es nicht. Nach Angaben von Jan Lokers, Chef des Archivs, landen 90 bis 95 Prozent der Akten im Reißwolf. Und trotzdem geht dem Archiv die Fläche aus. „Das Gebäude wurde 1960 erbaut“, sagte Lokers im Kulturausschuss der Bürgerschaft, „und nach 60 Jahren ist das Fass voll.“ In der vergangenen Woche habe die Stadtplanung Karten des Hochschulstadtteils ans Archiv weitergereicht. Lokers: „Wir haben dafür keinen Platz, müssen die an einem anderen Ort lagern.“

Für sechs Kilometer Regale war das Gebäude damals konzipiert. Aktuell lagern Akten bereits auf 6,6 Regalkilometern. Das sind die Protokolle der Bürgerschaft, das Standesamtsregister, Verwaltungsakten oder das Melderegister. Lokers: „Wir machen das nicht aus Liebhaberei, das ist eine Pflichtaufgabe.“ Verwaltung und Politik müssten jetzt reagieren, sagte Lokers: „Wir werden schon morgen eine Erweiterung brauchen.“ Und zwar 1500 Quadratmeter. Lokers: „Es wird Millionen kosten, unsere akute Notlage zu beheben.“

Wenn nichts geschieht, werde es im Gedächtnis der Stadt immer mehr Lücken geben, prophezeite der Archivleiter: „Wir können dann immer weniger für die nachfolgenden Generationen unsere Gegenwart dokumentieren.“ Außerdem würden dann die städtischen Behörden auf ihren alten Akten sitzenbleiben. Jedes Jahr entlaste das Archiv die anderen Bereiche um 500 Regalmeter Akten, von denen das Meiste ja im Reißwolf landet. Das könne das Archiv dann auch nicht mehr leisten.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“, kommentierte der CDU-Politiker und Historiker Hauke Wegner den Hilferuf des Archivs, „alle paar Monate wird gewarnt.“ Lübeck feiere sei 875-jähriges Bestehen mit einer Hochglanzbroschüre, aber löse die dringenden Raumprobleme von Archiv, Stadtbibliothek und Museen nicht. Wegner: „Wir versündigen uns an unserer Geschichte.“ Bei den nächsten Haushaltsberatungen müsse dringend eine Lösung auf den Weg gebracht werden.

Die Hoffnung der Grünen-Politikerin Monika Schedel, dass die Digitalisierung die Probleme löse, machte Lokers zunichte: „Bis es wirklich zur Digitalisierung der Verwaltung kommt, ist es noch ein langer Weg.“ Auch die von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) angestoßenen Überlegungen, den ausgedienten Gasometer der Stadtwerke dafür zu nutzen, sind vom Tisch. Der Archivleiter: „Der Gasometer ist nicht geeignet, das wurde geprüft.“ Vom Kulturausschuss gehe das Signal aus, dass etwas passieren müsse, sagte Peter Petereit (SPD). Die Verwaltung solle eine Lösung vorschlagen. Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) erinnerte an die jahrelangen Debatten um einen Wissensspeicher für Archiv, Stadtbibliothek und Museen. Weiher: „Zehn Millionen Euro Investitionssumme wurden uns für dieses Jahr aus dem Haushalt gestrichen.“ Die Bürgerschaft hat mehrheitlich nur beschlossen, dass bis September dieses Jahres ein Konzept für einen Wissensspeicher vorliegen soll. Weiher: „Wir können nur gucken, ob wir irgendwo Lagerflächen mieten können.“

Gesetzlich geregelt

Öffentliche Archive dienen der Forschung und Bildung, der Verwaltung und Rechtssicherung und ermöglichen die Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Politik. Das besagt das Landesarchivgesetz. Archive schützen das öffentliche Archivgut gegen Vernichtung und Zersplitterung, sind der Öffentlichkeit zugänglich und bilden das öffentliche Gedächtnis. Unterlagen sind Akten, Urkunden, Schriftstücke, Karten, Pläne, Karteien, Bild-, Film- und Tonmaterial.

 Kai Dordowsky

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