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Lübeck Asylunterkunft: Ackerlandschaft und sterile Räume
Lokales Lübeck Asylunterkunft: Ackerlandschaft und sterile Räume
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20:44 14.06.2017
Statt im Frühsommer werden die Außenanlagen der Flüchtlingsunterkunft in der Ostseestraße erst im Spätsommer fertig. Quelle: Foto: Privat

Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen, und Katjana Zunft, Kreisvorsitzende der Linken und Sozialpolitikerin, haben sich die größte städtische Asylunterkunft in der Ostseestraße in Travemünde angeschaut. Ihr Urteil fällt vernichtend aus. „Hier kann man nicht von Willkommenskultur sprechen“, sagt Akyurt, „die Außenanlage gleicht einer abgesperrten Ackerlandschaft.“ Zunft hat sich die Unterkunft auch von innen angesehen und stellt fest, dass die Aufenthaltsräume steril seien. Zunft: „Sie regen eher zu Depressionen an.“

Stadtverwaltung und Bauherr KWL räumen ein, dass sich die endgültige Fertigstellung der Anlage verzögert. Ursprünglich sollten die Außenanlagen – Rasen, Sitzgelegenheiten und Spielgeräte – im Frühsommer fertig sein. Doch die KWL und die Stadt erklären jetzt, dass die Arbeiten an den Außenanlagen Ende Juli abgeschlossen sein sollen, „so dass die Grünflächen im Spätsommer begehbar sind“.

Die Kritik, dass die Innenräume depressiv machen, kann KWL-Chef Dirk Gerdes nicht nachvollziehen. Zugleich verweist er auf Johanniter und DRK, die die Betreuung der Flüchtlinge übernommen haben. „Es ist deren Aufgabe, die Anlage mit Leben zu füllen.“ Die Verwaltung teilt mit, dass sie Gespräche mit den Verbänden führe, „um die Ausstattung der Unterkunft zu verbessern“. Grüne und Linke werden in der Bürgerschaftssitzung Ende Juni beantragen, dass die Außenanlagen noch im Sommer fertig gestellt werden.

Sozialsenator Sven Schindler (SPD) nimmt die KWL in Schutz. „Die KWL hat in Zeiten der Not, als die Stadt verpflichtet war, Hunderten von Flüchtlingen in kürzester Zeit eine Unterkunft anzubieten, unmittelbar reagiert und die Idee einer Gemeinschaftsunterkunft an der Ostseestraße mit viel Engagement umgesetzt.“ Nur dank dieses Neubaus könne die Stadt überhaupt auf teure, gewerbliche Unterkünfte verzichten. Für die Verzögerungen macht die Verwaltung die Klagen gegen die Unterkunft verantwortlich. Dadurch habe es einen mehrmonatigen Baustopp im Jahr 2016 gegeben, so dass die Bauarbeiten erst nach Klärung der Rechtslage neu terminiert werden konnten.

Die Unterkunft in der Ostseestraße hat Platz für 363 Flüchtlinge. Derzeit leben 126 Frauen, Kinder und Männer dort. Im August und September sollen 282 Menschen in der Unterkunft leben.

Mehr will die Stadt nicht aufnehmen, um Rücksicht auf Geschlecht, Glaubensrichtungen und Familien nehmen zu können.

dor

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