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22:35 05.08.2017
Der Entdecker des Bartenwals: Wolfgang Höpfner (67) mit dem ersten Knochen des Tieres, den er ausgegraben hat. Quelle: Fotos: Felix König

Wie viel Sex hatte der Wal? Das ist die Frage. Die Antwort gibt der Beckenknochen. „Je nach Krümmung des Knochens kann man die sexuelle Aktivität des Tieres ablesen“, berichtet Andreas Malchow (45). Der Hamburger Architekt ist einer von sechs Hobbyforschern, die den Wal in der Grube von Groß Pampau im Kreis Herzogtum Lauenburg ausgegraben haben.Sie haben Hornplatten, die Barten, und filtern Plankton aus dem Meer. Im Gegensatz zu den Zahnwalen, die Fische fressen. Ende des Monats ist das Skelett im Lübecker Museum für Natur und Umwelt zu sehen.

Der Fund ist einzigartig, weil der Wal samt Beckenknochen entdeckt wurde. Der gibt Auskunft über das Sexleben des riesigen Tieres.

Der Entdecker dieses Wales ist Wolfgang Höpfner. „Es ist ein Glücksgefühl“, beschreibt der 67-Jährige den Moment, als er den ersten kleinen Knochen aus dem Schlamm geholt hat.

Und ihm stellte sich sofort die Frage: Ist das nur ein einzelner Knochen – oder finde ich da gleich den ganzen Wal? Wolfgang Höpfner fand gleich den ganzen Wal. Das war vor einem Jahr. Und es war das erste Mal für den Bauingenieur in Rente, dass er als Erster ein Säugetier entdeckt hat. „Da wird man nachts wach und will gleich weitergraben“, berichtet Höpfner von dem Fieber, das einen Wal-Sucher ergreifen kann.

Nachts hat er zwar nicht weitergegraben – aber jedes Wochenende mit den anderen des Teams. Die sieben Freizeit-Forscher arbeiten seit Anfang 2016 zusammen. Durch den Wal-Fund war die Gruppe euphorisch und motiviert. Und nur drei Wochen später entdeckte Malchow dann den Beckenknochen. „Das war der absolute Volltreffer“, freut sich Gerhard Höpfner (67), Leiter der Forschungsgrabungen in Groß Pampau. Der ehemalige Berufsschullehrer ist Wolfgang Höpfners Zwillingsbruder. Das Außergewöhnliche an dem Fund: Ein Wal wird selten mitsamt seinem Beckenknochen ausgegraben. Denn dieser Knochen ist nicht mehr mit der Wirbelsäule verbunden. Da die Wale das Land verlassen haben und ins Meer umgesiedelt sind, war ihr Beckenknochen nur hinderlich – und bildete sich daher zurück. „Er hängt nur noch so im Fleisch“, sagt Malchow. Und daher ist es der erste Knochen des Wals, der im Laufe der Millionen Jahre verschwindet. Malchow: „In der Regel ist er unauffindbar.“ Daher nimmt er an, dass sein Fund „weltweit wohl einmalig ist“. Der Beckenknochen des Wals ist nicht nur eine Seltenheit, sondern erzählt auch eine spannende Geschichte über das Tier. Denn an diesem Beckenknochen waren einst Muskeln befestigt – und von denen gingen die Geschlechtsorgane des Wals aus. Das heißt: Je stärker und krummer der Knochen, desto ausgeprägter das Liebesleben.

Und wie aktiv war der Wal nun auf diesem Gebiet? Die Antwort bleibt Malchow schuldig. „Das kann ich nicht sagen“, bedauert er. Das müssten Wissenschaftler erforschen, in dem sie seinen Fund mit anderen Wal-Beckenknochen vergleichen. Doch da so wenige dieser Knochen gefunden werden, ist das ein schwieriges Forschungsfeld. Aber ein lohnendes. Denn es gibt auch Aufschlüsse über die Überlebenschancen der Tiere. So ist Gerdhard Höpfner überzeugt, dass der Blauwal ausstirbt, weil das Liebesleben für ihn so schwierig ist. Mit 30 Metern ist er das größte Säugetier der Welt, und entsprechend groß sind seine Fortpflanzungsorgane. „Das geht dann nicht so einfach“, sagt Gerhard Höpfner.

Seit 1984 sucht er in der Kiesgrube von Groß Pampau nach den Zeugnissen der Vergangenheit. Sein Vater hatte Fossilien zuhause in einer Schublade, die ihn als Kind schon faszinierten. Der Vater nahm ihn mit in die Kiesgruben – so wurden er und sein Bruder zu Wal-Forschern. Bruder Wolfgang Höpfner sagt: „Ich wollte als Junge immer Haizähne finden.“ Nicht einen hat er bis heute entdeckt. Dafür aber den Bartenwal.

Anschauen

Am 26. August zur Lübecker Museumsnacht ist der elf Millionen Jahre alte Bartenwal im Museum für Natur uns Umwelt an der Musterbahn in der Lübecker Altstadt zu sehen. Dort wird erstmals auch die Ur-Robbe gezeigt, die das Team aus Groß Pampau ebenfalls im Sommer 2016 gefunden hat. Während der Museumsnacht ist das Haus bis Mitternacht geöffnet.

 Josephine von Zastrow

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