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Lübeck Auf Entdeckungsjagd im Grünen
Lokales Lübeck Auf Entdeckungsjagd im Grünen
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12:38 06.09.2016
Slevin Füllgraf (7) bastelt mit Johanna Krapp (18) und Jann Jordt (20,r.) von der Waldjugend kleine Stroh-Figuren. Mit Vater Christoph Jentsch entdeckt er am 15. Walderlebnistag die Natur im Lauerholz. Quelle: Fotos: Maxwitat
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St. Gertrud

Die kraftvollen Klänge des Jagdhornensembles schallen weit durch das Lauerholz. Zehn mit Uniformen herausgeputzte Hornbläser der Kreisjägerschaft Lübeck spielen stolz ihre Instrumente und locken die Besucher zum 15. Walderlebnistag auf die Katharinenwiese. Mit Erfolg. „Die Jagdhörner haben wir schon von Weitem gehört“, sagt Heiko Bahr, „die haben uns gleich in diese Richtung gezogen.“ Der 40-Jährige ist mit seinen Kindern Johann, Alwin und Lisa aus dem mecklenburgischen Gadebusch angereist, um die vielfältige Natur in Lübecks größtem Wald zu erleben. Gebannt blicken Johann und Alwin unter anderem auf die vielen ausgestopften Tiere. In Lübeck leben zum Beispiel 60 bis 80 Waschbären, erklärt Kreisjägerschaft-Vorsitzender Wulf-Heiner Kummetz. Marderhund, Dachs und Eichhörnchen blicken den Kindern so lebensecht entgegen, als würden sie im nächsten Moment davonhuschen und sich ein Plätzchen im Israelsdorfer Waldstück suchen.

Mit einer bunten Auswahl an Mitmachangeboten an über 40 Ständen schafft es der 15. Walderlebnistag, zahlreiche Familien mit Kindern zu begeistern. Die zum Nachmittag angekündigten Regenschauer bleiben weitgehend aus und ermöglichen ein grünes Forstfest. Kurze Schauer hätten dennoch die Besucherzahl nach unten gedrückt, sagt Veranstalter Knut Sturm vom Bereich Stadtwald. Mit rund 6000 Besuchern seien nur halb so viele Entdecker vor Ort gewesen wie im Vorjahr.

 Der Walderlebnistag fand am Sonntag wieder auf der Katharineumswiese in Israelsdorf statt.

Wer sich mit Regenjacke und Gummistiefeln dennoch nach Israelsdorf wagt, darf auch lebendige Tiere bestaunen. Mitten im Wald richtet Jörn Puhle vom Geschichtserlebnisraum das Geschirr einer Schleswiger Kaltblutstute zum Holzrücken aus. Problemlos zieht das in Norddeutschland beheimatete Pferd einen Baumstamm einige Meter durch das Waldstück. „Für ,Ulme’ ist das heute wie Spielen“, erklärt Puhle den rund 30 umstehenden Kindern und Eltern. Das etwa 1,60 Meter große Tier arbeite normalerweise drei bis vier Stunden am Stück und könne noch viel schwerere Lasten ziehen. Mit vier Schleswiger Kaltblütern wird der Geschichtserlebnisraum am kommenden Sonntag in Jübek am 125-jährigen Jubiläum des Verbandes der Schleswiger Pferdezuchtvereine teilnehmen. Ziel ist es, mit 125 Pferden der vom Aussterben bedrohten Rasse vor Ort zu sein. Pferdeliebhaberin Jacqueline Schöllermann ist ganz begeistert, auch ihre Lieblingstiere auf dem Erlebnistag zu treffen. „Das Ponyreiten hat mir am besten gefallen“, sagt die Achtjährige. Sie entdecke gern die Natur, liebe das Beobachten der Tiere, Schnitzen und Fotografieren.

Beim Erlebnistag herrscht immer dort hoher Andrang, wo Kinder selbst mitmachen können. Sei es beim Backen von Stockbrot, Basteln mit der Waldjugend oder beim Toben im nassen Heu.

Ganz versonnen spaziert auch Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) über das nasse Grün der Katharinenwiese. „Lübeck ist eine extrem waldreiche Stadt“, erinnert Saxe. Der große Forstbestand sei vielen Bürgern gar nicht mehr bewusst. Wie vielfältig das Naturleben ist, rief der Walderlebnistag den Lübeckern aber am Sonntag wieder in Erinnerung.

Waldleben in Lübeck

5000 Hektar – so viel Fläche decken die Wälder in der Hansestadt ab. Das größte Waldstück im Lauerholz erstreckt sich vom Schellbruch bis an die Südgrenze des Wesloer Forstes über 1200 Hektar. Die nächstgrößeren Wälder in Lübeck sind der Forst Waldhusen (Kücknitz) und der Falkenhusener Forst (Groß Grönau). Die Wälder bieten auch bedrohten Tierarten wie dem Mittelspecht, dem Seeadler, dem schwarzen Storch und dem Zwergschnäpper einen Lebensraum.

 Christoph Brandt

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