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Lübeck Auf Spurensuche: Mysteriöser Fehler in der Warburg-Brücke
Lokales Lübeck Auf Spurensuche: Mysteriöser Fehler in der Warburg-Brücke
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21:59 28.09.2016
Immer wieder rauf und runter: Um so wenig wie möglich in den Verkehr einzugreifen, findet der Brückentest nachts statt. Die Fehlerquelle konnte trotzdem nicht gefunden werden. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Seit Mitte September kommt es zwischen den beiden Hubzylindern der 19,13 Millionen Euro teuren Eric-Warburg-Brücke immer wieder zu unplanmäßigen Druckdifferenzen (die LN berichteten). Ein großes Problem. „Denn dann gibt es beim Senken der Brücke eine Fehlermeldung, und die Anlage schaltet sich ab. Der Brückenwart muss das System dann erst herunterfahren und erneut starten“, sagt Brückenbauabteilungsleiter Dieter Schmedt, als er Brückenwart Jens Köster über die Schulter guckt. Brückenwart Köster sitzt am Computer im Steuerhaus der Brücke und schaut auf den Bildschirm, der eine Grafik der Fahrbahn von oben zeigt. Gemeinsam sollen die Mitarbeiter einer Hydraulikfirma und Ingenieure bei einem großen Brückentest dem Fehler, der sich irgendwo in der Anlage der Eric-Warburg-Brücke versteckt, auf die Schliche kommen.

„Letztlich zieht nur ein Zylinder der Brücke, der andere wird mitgeschleppt.“Brückenbau-Ingenieur Dieter Schmedt

„Ich fahr’ die Brücke dann jetzt hoch“, sagt Brückenwart Köster und bereitet alles vor, schaltet die Ampeln auf Rot und überprüft ein letztes Mal, ob auch niemand am Brückenstand steht. Kurze Zeit später brummen die Motoren, und die Klappe hebt sich geschmeidig nach oben. Es ist die letzte Regelöffnung für Freizeitschiffe an diesem Abend. Beim Senken tritt dann genau das ein, was die Mitarbeiter aus dem Steuerhaus an der Nordtangente schon seit Wochen kennen. Einige Meter bewegt sich die Klappe, dann ploppt eine Fehlermeldung auf dem Bildschirm auf, und die Brücke bleibt hängen.

„Eigentlich sollten die zwei Zylinder der Brücke gleichzeitig ziehen, aber letztlich tut das nur einer, der andere wird mitgeschleppt“, sagt Schmedt. Brückenwart Köster startet das System neu, die Brücke senkt sich wieder ein Stück, dann beginnt das gleiche Spiel von vorn. Fehlermeldung. Blockade. Neustart. „Letztens hat es 22 Versuche gebraucht, bis die Brücke unten war“, sagt Köster.

Manchmal gehe „es aber auch glatt durch“, erklärt Schmedt. „Das ist ja das Gemeine.“ Die Männer haben sich bereits Gedanken gemacht, wo das Problem liegen könnte und durch welche Tests sie Ursachenforschung betreiben können. Immer wieder müssen sie die Brücke öffnen und senken, anschließend den Verkehr abfließen lassen. Und immer wieder kommt die Fehlermeldung.

Während der Brückenwart von der Schaltzentrale aus den Verkehr im Blick behält und die Brücke steuert, steht Industriemeister Anton Freese im Maschinenraum. Über seinem Kopf rumpeln die Autos über die Fahrbahn. Erst arbeitet Freese am Filter im Herzstück der Anlage, dann klettert er auf eine Leiter und tauscht Düsen an den Senkbremsventilen aus. „Es gibt Düsen mit verschiedenen Durchmessern, wir testen, ob das etwas ändert“, erklärt Schmedt. Stundenlang öffnen und senken die Fachmänner die Brücke.

Am frühen Morgen dann die Überraschung: Die Klappe senkt sich – plötzlich ganz ohne Probleme. Auch bei den nächsten Versuchen bleibt die gefürchtete Fehlermeldung aus. Alles läuft reibungslos.

Schließlich müssen die Mitarbeiter der Hydraulikfirma abfahren. Denn erst wenn das Problem wieder auftritt, könne man weitere Tests machen und die Ursache des Fehlers suchen. Bis dahin gibt die Eric-Warburg-Brücke das Geheimnis um den mysteriösen Fehler im System nicht preis. Oder die Männer haben den Fehler bei den Tests repariert, ohne es zu merken. Dann würde man die Ursache zwar niemals finden, aber traurig wäre darüber bestimmt niemand. Hauptsache, die Brücke funktioniert.

Tomma Petersen

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