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Lübeck Auf dem „Grünen Band“ nach Lübeck
Lokales Lübeck Auf dem „Grünen Band“ nach Lübeck
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10:32 12.07.2016
Der höchste Punkt der Tour auf dem Brocken im Harz. Quelle: Compani

Denn diese Stadt ist für ihn „immer eine Reise wert“. Der 40-Jährige überwand die Rhön und den wetterlaunischen Harz mit seinem ständigen Wechsel von Wolkenbrüchen und gleißendem Sonnenschein, er kämpfte gegen den „jammervollen Gegenwind“ auf der Deichkrone der Elbe und stand schließlich am Priwall-Strand, dort, wo einst der Stacheldraht zwei Länder trennte. Leider sei das Wasser der Ostsee noch zu kalt gewesen, um in die Fluten zu springen, beklagt er.

Die Erfrischung hätte ihm nämlich gut getan. „Ich saß täglich siebeneinhalb Stunden im Sattel“, berichtet Compani den LN. Jeden Tag absolvierte er mehr als 80 Kilometer. Der höchste Punkt seiner Radtour war der Brocken mit 1142,1 Metern, der tiefste Punkt der Priwall mit einem Meter überm Meer. Der Darmstädter Gärtner hat es sich genau ausgerechnet: „Ich war 265 Stunden unterwegs.“

Maximilian Compani schwärmt vom „Grünen Band“ (Siehe Info-Text) und will auch andere dafür begeistern, diese Radtour zu wagen, sich auf alten Kolonnenwegen, aber auch neuen Radwegen quer durch Deutschland zu bewegen. Denn der frühere furchterregende Todesstreifen, einst irrsinnig abgeschottet, entwickelte sich in Jahrzehnten zu einem Naturparadies. Tiere und Pflanzen leben dort ungestört – auch heute noch.

Compani traf viele interessante Menschen auf seiner Radtour. Zum Beispiel Florian Wilbrica in Thüringen, der auf einem dreimonatigen Fußmarsch nach Indien war, oder „Brocken Benno“, der den Berg schon 7900-mal bestiegen hat und auch mit 84 Jahren noch die Post zum Brockenhaus bringt. Aber es war die Tier- und Pflanzenwelt, die in ihn den Bann zog. „Ich war erstaunt über die Vielfalt der Natur“, erzählt er, schwärmt vom „Gefleckten Knabenkraut und dem Klatschmohn“ und den Begegnungen mit Kreuzotter, Biber, Turmfalken, Rotem Milan und Salamander.

Der Langstrecken-Radler erzählt vom faszinierenden Wechsel der Landschaften, dem Thüringischen Schiefergebirge, dem Bayerischen Vogtland, von steilen Talfahrten und steilen Auffahrten. Und er rät:

„Wer diese Radtour durch ursprüngliche Natur machen will, sollte vorher schon ein wenig trainieren.“

Begeistert äußert sich der Darmstädter über das „lohnende Ziel“ Lübeck. Er ist fasziniert von der „malerischen Altstadt“und den Treppengiebelhäusern. Als er von seinem Stadtbummel erzählt, bricht wieder der Gärtner bei ihm durch. „Was mich sehr beeindruckt hat, sind die Rosen und Stockrosen, die kräftig und gesund direkt an Altstadthäusern stehen.“

Die Radtour hat Maximilian Compani gut überstanden. Keine Panne, nur ein Sturz. Die Schürfwunden sind längst verheilt. Und wenn er noch einmal von Hof zum Priwall radelt, dann will er sich drei Wochen Zeit nehmen, um an schönen Plätzen länger rasten zu können: „Ich möchte länger in Lübeck verweilen, den unglaublichen Ausblick von der Petri-Kirche genießen.“

 Torsten Teichmann

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