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Lübeck Auf der Suche nach den Wintervögeln
Lokales Lübeck Auf der Suche nach den Wintervögeln
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20:55 03.01.2018
Moni Wolf (60) steht im Stadtpark und hält eine Zählhilfe für Wintervögel in den Händen. Am kommenden Wochenende können Naturfreude wieder beim Zählen der Wintervögel helfen. Eine Stunde dauert das Mitmachen, das in Gärten, Parks oder vom Balkon aus möglich ist. Quelle: Fotos: Künzel, Wolf, Nabu (2)

Moni Wolf (60) steht im Stadtpark und lauscht den Vogelstimmen. „Da, ein Kleiber“, flüstert die Lübeckerin und dreht sich zum Baum hinter ihr um. Tatsächlich, da sitzt der kleine Klettervogel mit der blaugrauen Oberseite und der schwarzen Augenbinde im weißen Gesicht. Nicht nur dieses Kerlchen erkennt Wolf am Ruf, sondern Dutzende. „Ich habe inzwischen solche Ohren“, sagt die Naturfreundin lachend und macht rechts und links neben ihren Kopf eine ausholende Bewegung mit den Händen.

Im vergangenen Jahr war die Blaumeise bei der Aktion auf Platz fünf.
Diesen Eisvogel hat Moni Wolf an der Wakenitz fotografiert.
Die Amsel war im Januar 2017 der zweithäufigste Vogel.

Doch die Lübeckerin will die Tiere nicht nur hören. Sie hat auch Freude am Entdecken und Fotografieren. „Ich liebe es, draußen zu sein, und habe schon Tausende Fotos auf meinem Rechner“, verrät die Frau, die die „Stunde der Wintervögel“ seit Jahren gern unterstützt.

Laut Nabu ist es die inzwischen achte Aktion, und das Zählen funktioniert ganz einfach: Die Teilnehmer suchen sich am kommenden Wochenende einen ruhigen Beobachtungsplatz und notieren von jeder Art die höchste Anzahl, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Aufzeichnungen können die Teilnehmer dann im Internet, bis 16. Januar, unter www.stundederwintervoegel.de melden.

Außerdem ist am Sonnabend und Sonntag, 6./7. Januar, jeweils von 10 bis 18 Uhr, eine kostenlose Telefonnummer geschaltet (0800/1157115). Eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig. Neugier und Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus.

Für Moni Wolf kommt aber noch das Interesse am Naturschutz hinzu. „Leider ist es ja so, dass man viele der besonders interessanten Vögel fast nur noch in Naturschutzgebieten zu sehen bekommt, weil in unserer Kulturlandschaft kein Platz mehr für sie ist“, sagt sie und erklärt, dass es weder ein Nahrungsangebot noch Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten gibt. Zum Glück betreue der Nabu viele dieser Schutzgebiete, wie zum Beispiel den Schellbruch, so Wolf.

Auch Dr. Benno Moreth vom Nabu-Vorstand Lübeck begrüßt die Vogelzählung. „Sie lenkt die Aufmerksamkeit darauf, was man in seinem direkten Umfeld für interessante Tiere und Pflanzen beobachten kann“, sagt er und schaut gern vom Küchenfenster aus in den Garten. Am dortigen Futterplatz sind Buntspecht, Kleiber, Feldsperling und verschiedene Meisen zu Gast, aber auch seltene Vögel wie Mittelspecht und Kernbeißer.

Laut Naturschutzbund haben die Teilnehmer im Winter 2017 im Vergleich zu den Vorjahren im Schnitt 17 Prozent weniger Vögel beobachtet. Pro Garten ließen sich im Schnitt nur rund 34 Vögel und acht verschiedene Arten sehen. Sonst liegt der Schnitt bei etwa 41 Vögeln und neun Arten. Vor allem bei den häufigen Wintervögeln wie Meisenarten, aber auch bei Kleiber und Kernbeißer, wurden die niedrigsten Zahlen seit Beginn der Aktion 2011 gemeldet. „Das hatte wahrscheinlich mit dem Nahrungsangebot zu tun“, sagt Nabu-Vogelschutzexperte Marius Adrion. „Vermutlich gab es in Polen, dem Baltikum und Russland so viel zu fressen, dass Vögel, die sonst zu uns kommen, dort überwintert haben.“

Viele Helfer gesucht

120000 Naturfreunde etwa haben sich an der Vogelzählung im Januar vergangenen Jahres beteiligt. Laut Naturschutzbund Deutschland gingen Meldungen aus 82000 Gärten und Parks mit über 2,8 Millionen gezählten Vögeln ein. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel, die Amsel kam erstmals auf Rang zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise.

Die Stunde der Wintervögel ist laut Nabu die größte wissenschaftliche Aktion zum Mitmachen in Deutschland. Sie findet zum achten Mal statt, der Nabu stellt dazu eine Zählhilfe, Porträts der Vogelarten sowie Tipps zur Winterfütterung zur Verfügung (www.nabu.de). „Je mehr Naturfreunde teilnehmen, desto wertvoller werden die Ergebnisse“, betont der Veranstalter und hofft, mit dem Langzeitprojekt die schleichenden Veränderungen in der Vogelwelt feststellen zu können.

Cosima Künzel

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