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Lübeck Auf großer Segeltour mit der „Mir“
Lokales Lübeck Auf großer Segeltour mit der „Mir“
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21:50 30.04.2018
Vor dem großen Tagestörn der „Mir“ entlang der Mecklenburger Küste posieren die Kadetten vor dem imposanten Drei-Mast-Vollschiff. Quelle: Foto: Felix König
Innenstadt

Erhaben liegt das russische Segelschulschiff „Mir“ im Travemünder Hafen. Zahlreiche Schaulustige haben sich vor dem 110 Meter langen Segelschiff, das zu den größten und bekanntesten der Welt zählt, versammelt. Dann geht es für mehr als 200 Gast-Passagiere mit großem Trara und dramatischer Musik hinaus auf hohe See in Richtung Mecklenburg.

1987 in Danzig gebaut, steht das imposante Drei-Mast-Vollschiff derzeit am Travemünder Ostpreußenkai. Am Sonnabend lud die Schiffscrew zu einem Tagestörn Richtung Mecklenburger Küste ein. Heute schon geht es für den Segler weiter zum Hamburger Hafengeburtstag.

„Das ist ein sicherer Pott, der ist noch nie gekentert“, sagt Christine Niels voller Zuversicht. Seit 2004 ist die freie Dolmetscherin und Übersetzerin mit der „Mir“ verbunden und betreut diese als Verbindungsoffizierin, sobald sie Kurs auf Deutschland nimmt. Eine Sicherheitseinweisung für die mehr als 200 Gäste tut trotzdem Not: „Die Gäste müssen wissen, wie sie im Falle eines Falls reagieren sollen – und vor allem auch, wann die Kadetten ihnen zur Hilfe eilen“, so Niels.

Und für genau diesen Fall der Fälle ist gesorgt: Thermoanzüge, die aussehen wie übergroße Teletubbie-Kostüme, sollen ihre Träger über 48 Stunden selbst in kältesten Gewässern am Leben halten. Und auch 20 Rettungsflöße stehen für den Notfall bereit. „Passieren kann also quasi nichts“.

Mit dafür Sorge tragen auch die insgesamt 132 Kadetten, die an Bord der „Mir“ ihre Ausbildung zum Offizier der russischen Handelsmarine durchlaufen. Für insgesamt sieben Monate sind die jungen Russen an Bord und laufen Hafen für Hafen an. „Am Anfang war es doch sehr beängstigend. Alles, was man sieht, ist Wasser. Nach ein paar Wochen gewöhnt man sich dann aber an dieses Gefühl“, erzählt Vera Ofitserova, die eine von nur zwölf weiblichen Kadetten an Bord ist. Eingeteilt in Vierergruppen arbeiten die Kadetten für jeweils vier Stunden am Stück. „Zwischen den beiden täglichen Vier-Stunden-Schichten haben sie dann acht Stunden frei. Anstrengend aber ist die Arbeit auf jeden Fall“, fügt auch Christine Niels hinzu. Für die Gäste ist die Arbeit der Kadetten vornehmlich spannend zu beobachten: „Wie flink sie den Mast hochklettern, unglaublich! Am liebsten würde ich auch einmal da hoch“, sagt Heinz Peter Ulrichskötter aus Travemünde. „Es ist schon toll hier auf der ’Mir’! Und wenn man mal die Gelegenheit hat, auf einen Großsegler zu kommen, sollte man die auch nutzen“.

Der Wind pfeift. Mal sanft, dann wieder kräftiger, so kräuselt er das ansonsten still daliegende Wasser. „Das ist wirklich gewaltig“, schwärmt Andre Kahl, der extra aus Hamburg für den Tagestörn auf der „Mir“ angereist ist. „Ich bin ein großer Fan solcher Schiffe. Als sie das letzte Mal im Hamburger Hafen lag, habe ich mein Mittagessen mit Blick auf den Pott eingenommen. Jetzt tatsächlich mitfahren zu können, ist wirklich großartig“, sagt er und lehnt sich weit über die Reling. Um 17.30 Uhr, nach mehr als sechs Stunden auf dem Wasser, kehrt die „Mir“ zurück an den Ostpreußenkai und wird ebenso überschwänglich empfangen, wie sie am Vormittag verabschiedet wurde.

Segelschulschiff „Mir“

Noch bis heute um 19 Uhr liegt das russische Segelschulschiff „Mir“ am Travemünder Ostpreußenkai. Von 10 bis 17 Uhr kann es zum Eintrittspreis von drei Euro besichtigt werden.

Am Abend legt das Drei-Mast-Vollschiff dann ab und nimmt zum 829. Hafengeburtstag Kurs auf Hamburg. Interessierte können für 390 Euro mit in die Hansestadt fahren.

„MS Princess“ darf nicht nach Lübeck

Schade für all jene, die sich bereits gefreut hatten, den kleinen Flusskreuzfahrer „MS Princess“ der niederländischen Reederei Dutch Cruise Line am Burgtorkai und am Travemünder Ostpreußenkai zu bewundern: Das Schiff ist zu lang für die Schleuse des Elbe-Lübeck-Kanals.

Eine kurzfristig beantragte Genehmigung für die Flusskreuzfahrt nach Lübeck sei nicht erteilt worden, war von einer Sprecherin der Reederei zu erfahren. Was erstaunt, denn noch Mitte April war die „MS Princess“ in Lübeck. Tilman Treber, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg, klärt auf: Mitte April habe sich das Schiff mehr oder minder durch Kanal und Schleuse „gemogelt“. Als die Überlänge auffiel, habe man die „MS Princess“ wieder durch den Kanal zurückfahren lassen müssen. „Wir haben das Schiff einmalig durchgeschleust.“ Generell sei das aber zu gefährlich. Treber: „Wenn die Reederei das Schiff auf unter 80 Meter umbaut, bekommt es auch die Genehmigung.“ sr

 Josephine Andreoli

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