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Lübeck Aufgetaucht: Münzen und ein Seesack voll mit Mutmaßungen
Lokales Lübeck Aufgetaucht: Münzen und ein Seesack voll mit Mutmaßungen
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22:23 15.07.2016
Wie lange das Geld auf dem Grund der Trave lag, weiß keiner. Ralf Biegel übergibt die rund 160 Euro der Wasserschutzpolizei. Quelle: Holger Kröger

Es ist kurz vor 12 Uhr, als Tauchermeister Ralf Biegel (49) an der Spitze der Kaimauer hinter dem Strandsalon ins Wasser geht. Fünf Meter ist die Trave an dieser Stelle tief, die Sichtverhältnisse sind vergleichsweise gut – im trüben Travewasser bedeutet das zwei bis drei Meter.

Im Auftrag der Lübeck Port Authority untersucht der Mitarbeiter der Firma „Taucher Hock“ zusammen mit seinem Chef Jürgen Hock und einem Kollegen die städtischen Kaimauern auf Schäden. Seit vier Stunden sind die Taucher gestern bereits im Einsatz, als im Lichtkegel von Biegels Lampe plötzlich Münzen auf dem schlammigen Grund der Trave auftauchen. Sekunden später erhält Jungtaucher Lars Albrecht (29) an Land über das Tauchertelefon die Anweisung, doch bitte einen Eimer zu Biegel hinabzulassen. „Ich sah einen ganzen Haufen Cent-Münzen dort unten liegen“, berichtet der 49-Jährige.

Dreimal lässt sein Kollege den schwarzen Eimer ins Wasser und zieht peu à peu die roten und gelben Münzen hinauf. Nach einer halben Stunde ist der kuriose Fund an Land – garniert mit einem Flaschenöffner und der Aufschrift „FBI“. „Der lag auch bei dem ganzen Kleingeld“, erzählt Biegel grinsend.

Erste Stichproben fördern viele Münzen des Jahres 2002 zu Tage. Wie sie dorthin gekommen sind, kann sich keiner so recht erklären. Jürgen Hock erweitert den gestrigen Fund mit folgender Erzählung sogar noch um ein weiteres Fragezeichen: „Am Mittwoch tauchten wir im Rahmen desselben Auftrags an der Kaimauer nahe der ,Lisa von Lübeck‘, dort fand Ralf einen Seesack, den wir der Polizei übergeben haben.“ Ralf Biegel, der offenbar ein Händchen für die Schatzsuche hat, berichtet: „Darin waren leere Schmuckschatullen, EC-Kartenhüllen, einzelne Schmuckstücke und verrottete Sparbücher.“

Polizeisprecher Stefan Muhtz bestätigt einen Fund „diverser Gegenstände in einer Tasche“ am Mittwochmittag. Zum genauen Inhalt könnten allerdings noch keine Angaben gemacht werden. „Das erste Revier hat sich des Fundes angenommen und wird prüfen, ob es sich um Diebesgut handeln könnte oder einfach Abfall ist“, so Muhtz weiter.

Was den kleinen Münzschatz auf dem Grund der Trave betrifft, so hatte Biegel zuerst an einen Scherz seiner Kollegen geglaubt. Mit seinem Tauchgang Nummer 5000 in der vergangenen Woche hat er gerade so etwas wie ein Dienstjubiläum hinter sich. „Hätte ja sein können, dass die Münzen ein verspätetes Geschenk sein sollen“, sagt er beim Begutachten des Geldhaufens. Doch Albrecht und Hock schütteln den Kopf – die beiden haben damit nichts zu tun.

Am Nachmittag waschen und zählen die Schatzfinder die grün angelaufenen Geldstücke. Etwa 160 Euro sind es. „Das geht zur Wasserschutzpolizei“, sagt Biegel. Und wenn sie etwas behalten dürfen, gehen sie gemeinsam Essen.

Kuriose Taucherfunde

1985hat Jürgen Hock sein Tauchunternehmen gegründet. Er kann sich an Hunderte ausgefallene Fundsachen erinnern:

Der verschwundene Kopf der Bronze-Büste von Thomas Mann wurde im November 2014 von einem seiner Taucher im Klughafen entdeckt.

Ein volles Fass Bier musste sein Team vor rund 20 Jahren aus der Trave holen. Vermutlich wurde es damals beim Hafenfest ins Wasser geworfen.

Ein Gebiss, das einem Herrn in Travemünde beim Niesen vom Boot ins Wasser gefallen war, setzte den Taucher unter Zeitdruck. Der Mann musste am Abend einen wichtigen Vortrag halten.

 Luisa Jacobsen

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