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Lübeck Aufregung um „blinden Passagier“ im Rollstuhl
Lokales Lübeck Aufregung um „blinden Passagier“ im Rollstuhl
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10:08 05.07.2016
Drei Fähren, die von Travemünde nach Helsinki fahren, unterhält die Reederei Finnlines. Die „MS Finnmaid“ ist eine von ihnen. Quelle: Lutz Roeßler
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Travemünde

Am vergangenen Freitag sollte das Passagierschiff wie üblich am Skandinavienkai ablegen, um Kurs auf Helsinki zu nehmen. Dass ein 31-jähriger Iraner sich auf das Gelände geschlichen hatte, war niemandem aufgefallen. Besonders kurios: Der Mann saß im Rollstuhl.

„Der Mann soll mit seinem Rollstuhl so schnell gefahren sein, dass man ihm zu Fuß nicht folgen konnte.“Michael Hiebert, Bundespolizeiinspektion

„Um 1 Uhr wurde durch Crewmitglieder ein blinder Passagier bei der Ausreise Richtung Finnland festgestellt“, erklärt Michael Hiebert, Sprecher der Bundespolizeiinspektion. Die Mitarbeiter des Fährschiffes hätten dann die Bundespolizei um Hilfe gebeten. Verwahrlost und im Rollstuhl sitzend fanden die Beamten den Iraner vor. „Der Mann soll mit seinem Rollstuhl so schnell die Rampe hochgefahren sein, dass man ihm zu Fuß nicht folgen konnte“ berichtet Hiebert. Er musste an Bord erst noch gesucht werden. Ausweispapiere hätte der 31-Jährige zwar nicht dabei gehabt, aber auf Englisch stand er den Crewmitgliedern Rede und Antwort.

„Er sagte, er sei von Finnland nach Deutschland mit einer Fähre gefahren, aber wann, das wusste er nicht mehr genau“, sagt Hiebert. Plötzlich habe der Iraner dann fließend Finnisch gesprochen. „Einem finnischen Mitarbeiter war sofort klar, dass der Mann lange in Finnland gelebt haben musste“, so Hiebert. Deswegen überprüfte man seine Daten in Finnland.

„Die Recherche bei der finnischen Polizei ergab, dass ein Erwachsener vermisst wurde“, erklärt Behördensprecher Hiebert.

Der im Rollstuhl sitzende Iraner war körperlich in einem so schlechten Zustand, dass ein Rettungswagen angefordert wurde. Der Mann wurde in die Notaufnahme gebracht, wo man eine Brandwunde am Fuß des 31-Jährigen und auch einen gelegten Katheter feststellte – offenbar war der Mann aus ärztlicher Behandlung geflohen.

„Im Laufe des Morgens wurde er über die Ausländerbehörde Lübeck überprüft“, sagt Hiebert. Der blinde Passagier sei anerkannter finnischer Asylbewerber und im Besitz von Reiserechten für das Schengener Gebiet. Er durfte sich legal in Deutschland aufhalten. „Aber natürlich nicht als blinder Passagier auf der „Finnmaid“ und vor allem nicht in seinem schlechten Zustand“, stellt Hiebert klar. Da der Mann zunächst angab, nach Finnland zu wollen, habe die Ausländerbehörde ihre Hilfe angeboten. „Die lehnte er jedoch ab“, so Hiebert.

Seit März soll sich der 31-Jährige in Deutschland aufhalten. Nach Finnland wollte der blinde Passagier schließlich doch nicht mehr. „Nach der Behandlung konnte er das Krankenhaus verlassen und zurück zu seinem Aufenthaltsort in Lübeck“, sagt Hiebert. Ein juristisches Nachspiel wird die Aktion des Mannes in diesem Fall wohl nicht haben.

Ungebetene Gäste

Wer illegal mit einem Flugzeug, Zug oder Schiff reist und sich an Bord versteckt hält, weil er das Reisegeld nicht gezahlt hat, ist ein blinder Passagier.

Blinde Passagiere auf Fähren sind eher unüblich und können damit rechnen, tief in die Tasche greifen zu müssen: „Der Fall kommt so gut wie nie bis sehr selten vor“, erklärt Lyn Gappa, Passageleiterin bei TT-Line. „Und sollten wir tatsächlich mal jemanden erwischen, berechnen wir pro blindem Passagier pauschal 150 Euro.“

500 Passagiere passen maximal auf die „Finnmaid“, die von der Reederei Finnlines für die Strecke Travemünde/Helsinki eingesetzt wird.

 Tomma Petersen

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