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Lübeck Aus Angst vor Übergriffen: Bauern sichern ihre Höfe
Lokales Lübeck Aus Angst vor Übergriffen: Bauern sichern ihre Höfe
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21:17 17.05.2017
Peta-Anhänger bei einer Demonstration für Tierschutz. Quelle: dpa

 Mitglieder von Tierrechtsorganisationen hatten sich in der Vergangenheit wiederholt illegal Zutritt zu Stallungen verschafft, um vermutete Missstände auf Film zu dokumentieren.

„Viele Landwirte sind dabei, sich besser als bisher zu schützen“, bestätigt Hans-Georg Otten, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Segeberg. „Einige schaffen sich einen Wachhund an, den sie bisher nicht brauchten.“ Hausfriedensbrüche sensibilisierten die Landwirte zunehmend, berichtet auch Holger Schädlich vom Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck. Die Folgen für Landwirte, die von Tierschützern heimgesucht würden, seien mitunter weitreichend: Kinder solcher Bauern würden in den Schulen als Tierquäler beschimpft. Aus diesem Grund hängen Betroffene die Vorfälle ungern an die große Glocke. „Sie können in jedem Stall tolle Bilder machen und in jedem Stall schlimme“, erläutert Schädlich. Die Sorge, dass die Wahrheit verzerrt wird, wachse. Also werde sicherheitstechnisch in angemessenem Rahmen reagiert. Dazu zählt Schädlich die Installation von Bewegungsmeldern auf Höfen.

Das Urvertrauen auf dem Land schwindet. „Wir schließen unsere Gebäude neuerdings sorgfältig ab“, sagt Dietrich Pritschau von der Arbeitsgemeinschaft Schweinehaltung im Bauernverband. „Obwohl wir nichts zu verbergen haben.“ Spannender als heimlich gemachte Bilder aus Ställen sei eine offene Diskussion mit Tierschützern.

„Dazu war die Branche bisher doch gar nicht bereit“, entgegnet Edmund Haferbeck, Jurist bei der Tierschutzorganisation Peta. Im Übrigen würden Peta-Aktivisten nirgendwo einbrechen. „Wir gehen nur in Stallungen rein, die offenstehen.“ Komme es zu Anzeigen, würden Peta-Mitglieder wegen des vor Gericht höher eingestuften Interesses von Tierschutz straffrei ausgehen. Peta hat nach eigenen Angaben zuletzt Missstände in einer Rinderhaltung in Steinhorst (Kreis Herzogtum Lauenburg) aufgedeckt. Im Februar beschlagnahmte das Veterinäramt daraufhin 51 Kühe. Undercover-Aufnahmen aus dem Kreis Plön hatten dazu geführt, dass die letzte Nerzfarm in Schleswig-Holstein geschlossen wurde.

Die Verbreitung von Film- und Fotoaufnahmen aus Stallungen sei unzulässig und durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das Presserecht nicht gedeckt, informiert der schleswig-holsteinische Bauernverband seine Mitglieder. Den Bauern gehe es jedoch in erster Linie nicht darum, ungenehmigte Aufnahmen zu verhindern, sondern die Gesundheit ihrer Tiere zu gewährleisten. Unbefugte könnten Krankheitserreger und Keime in ihre Stallungen tragen. Das sei Eindringlingen offenbar nicht klar. Der Bauernverband empfiehlt, ertappte Eindringlinge „bis zum Eintreffen der Polizei einzuschließen“. Curd Tönnemann

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