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Lübeck Aus Eifersucht Messer in Bauch gestochen?
Lokales Lübeck Aus Eifersucht Messer in Bauch gestochen?
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20:10 04.07.2017
Innenstadt

Eine bizarre Szenerie. „Am Tresen saßen Menschen und tranken Bier. Wenige Meter weiter war der Boden blutverschmiert, eine verletzte Person lag auf einer Bank“, berichtet ein Polizist, „so einen Einsatz erlebt man nicht allzu oft.“ Es ist der 23. April vergangenen Jahres. In einer Kneipe in der Beckergrube wird gegen 2 Uhr an einem der Tische gefeiert. Eine Frau sitzt zwischen zwei Männern. Auf der einen Seite ihr Freund Thorsten L., auf der anderen Seite Ben H. (alle Namen geändert). Der 28-Jährige Ben flirtet vor den Augen ihres Partners mit der asiatischen Frau. Am Ende des Abends muss er mit schwersten Stichverletzungen ins Krankenhaus.

Vor dem Lübecker Landgericht geht es nun um versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Thorsten L. wird vorgeworfen, seinen Rivalen auf dem Weg von der Toilette abgepasst zu haben und ihn mit einem Einhandmesser in den Bauch gestochen zu haben. All das in dem Wissen, dass er damit das Leben des jungen Mannes aufs Spiel setzte.

Thorsten L. (39) ist ein hagerer Mann. Er bemüht sich trotz seiner Unsicherheit, dem Vorsitzenden Richter Christian Singelmann in die Augen zu sehen. Nur ab und zu fährt er sich nervös mit der Hand über das Gesicht. Zur Tatzeit und auch vor Gericht trägt er einen Lonsdale-Pullover. Singelmann fragt ihn, ob das Zufall sei. Denn die Marke wird häufig mit der rechten Szene in Verbindung gebracht.

„Hat nichts zu bedeuten“, betont L. Dann erzählt er vom Tatabend, an dem er mit seiner Freundin in die Kneipe ging. Dass die Asiatin verheiratet war, wusste er nicht. „Damals habe ich gedacht, wir wären ein Pärchen. Sie hat mich ziemlich angeschmiert“, sagt er. Das Opfer sei seiner Freundin auf die Damentoilette gefolgt. Gesehen hat das außer dem Angeklagten niemand. Das Opfer selbst beharrt darauf, dass er allein auf die Männertoilette gegangen sei. Thorsten L. ging ebenfalls zu den Sanitärräumen. „Mir ist die Hutschnur geplatzt. Ich habe so etwas gesagt wie ,Wenn du das noch mal machst ist schnipp, schnapp alles ab‘.“ Dabei habe er die zehn Zentimeter lange Klinge auf Bauchhöhe gehalten. Das Opfer habe ihm eine Kopfnuss geben wollen und sei dabei in das Messer gelaufen. „Es ist unglaublich, wie oft wir hören, dass Menschen in ein Messer laufen“, sagt Christian Singelmann. „Schwer zu glauben, aber so war es“, beteuert der Angeklagte.

Das Opfer dagegen stellt die Situation anders da. „Ich habe die Tür aufmachen wollen, dann kam der Angeklagte und hat mir sofort in den Bauch gestochen“, erzählt Ben H., der noch in der Tatnacht notoperiert wurde. Als die Polizei eintraf, versteckte Thorsten L. das Messer in einem Papiertuchspender. „Ich habe zunächst gesagt, dass ich ihm einen Autoschlüssel in den Bauch gedrückt habe“, erzählt er. Die Beamten glaubten ihm nicht, sie durchsuchten die Kneipe und fanden das Messer. „Der Angeklagte war zunächst reuig und zerstreut“, berichtet einer der Beamten, „als das Messer auftauchte, hat sich sein Verhalten geändert, und er war abgeklärt.“ Im Gerichtssaal entschuldigt sich Thorsten L. bei Ben H. Die Männer einigen sich unabhängig vom Strafverfahren auf eine Schmerzensgeldzahlung von 4000 Euro in monatlichen Raten. Die Verhandlung wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt. Dann wird auch die Ex-Freundin des Angeklagten als Zeugin vernommen.

Maike Wegner

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