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Lübeck Heilende Hände in der Porzellanklinik
Lokales Lübeck Heilende Hände in der Porzellanklinik
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15:53 02.11.2018
Claudia Kurfürst (l.) will die Gemüseschale von Ilse Pyritz reparieren. Quelle: Rüdiger Jacob
Innenstadt

 Die Patienten können nicht sprechen, sehen, hören oder laufen. Und doch haben sie viele Geschichten zu erzählen. Claudia Kurfürst, Inhaberin einer Porzellanklinik, kennt die Sorgen und Nöte. Vor allem derer, denen ein gutes altes Stück heruntergefallen ist. Kurfürst kann fast immer helfen.

„Der Untersetzer ist kaputt. Es ist ein Sammlerstück meiner Frau. Können Sie etwas machen?“, fragt Heiner Bühe. Er zählt zu den jahrelangen Kunden der Porzellanreparateurin. „Es ist ein Stück, das ein Künstler aus der Familie meiner Frau geschaffen hat“, sagt Bühe. Ja, Kurfürst kann etwas machen. „Den kann ich reparieren“, versichert sie. Zweimal im Jahr kommt sie, die ihre Werkstatt in Sonsbeck am Niederrhein hat, in den Norden. Am Freitag brauchte es im Lübecker Auktionshaus HanseArt nur einen kleinen Arbeitstisch, zwei Stühle und einen Aufsteller. Mehr benötigt die Expertin nicht, um ihre Kundschaft zu beraten.

Ilse Pyritz ist gekommen, um auszuloten, ob die alte Gemüseschale – ein Exemplar der schwedischen Marke Rörstrand – repariert werden kann. Kurfürst überlegt: „Vielleicht könnte ich sogar eine neue aus Schweden beschaffen.“ Für die Lübeckerin eine gute Nachricht. „Dann warte ich auf Ihren Anruf“, sagt Pyritz und hat jetzt eine Sorge weniger.

Auch bei Isolde Steidle ist es eine defekte Schale aus einem alten Service, das die Lübeckerin gern erhalten möchte. Auch hier kann Kurfürst helfen. „Die Porzellanklinik ist eine ganz tolle Sache“, sagt Steidle. „Natürlich könnte ich mir auch neues Porzellan kaufen. Aber das will ich nicht.“

„Es kommt der Querschnitt dessen, was im Laufe der letzten paar Hundert Jahre in Keramik, Porzellan, in Marmor oder in Alabaster gemacht wurde“, sagt Kurfürst. Puppenköpfe, Figuren, Ziffernblätter, Vasen, ein Stuckspiegel. „Bei Rissen, die nicht durch eine ganze Schale hindurchgehen, kann ich die schadhafte Stelle infiltrieren, das heißt, mit einen speziellen Material den Riss verschließen“, erklärt die Fachfrau. Sie hat viel erlebt im Kontakt mit ihren Kunden. „Es sind rührige Geschichten dabei“, sagt Kurfürst. „Die Leute kommen nicht zu mir, weil es sich materiell lohnt. Die Menschen kommen, weil ihr Herz an einem besonderen Stück hängt.“

Aber auch Lustiges ist dabei: „Mitunter kann ich die Einschätzung der Kunden, was sie da in der Hand zu haben glauben, nicht bestätigen“, sagt Kurfürst. „Einmal kam jemand zu mir, der glaubte eine große Sauciere in der Hand zu haben.“ Seit Jahrzehnten und Jahrhundert sei dieses Teil in seiner Familie zuhause. „Tatsächlich war es eine Art Nachttopf für Frauen aus dem barocken Zeitalter. Benutzt bei überlangen Kirchenpredigten, als sich die Damen kurzerhand auf diese Töpfe draufgesetzt haben“, erzählt Claudia Kurfürst lachend.

Rüdiger Jacob

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