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Lübeck Ausflugsschiff soll Fäkalien in der Ostsee entsorgt haben
Lokales Lübeck Ausflugsschiff soll Fäkalien in der Ostsee entsorgt haben
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18:19 19.01.2018
Dieses Bild ist vielen bekannt: Die „Marittima“ liegt am Steg in Travemünde. Quelle: Karl-Erhard Vögele
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Travemünde

„Dem von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Gewässerverunreinigung wird entschieden entgegengetreten“, sagt Nikolai Venn, der die Reederei R.B. Travemünde anwaltlich vertritt. Damit bestreitet der Verteidiger die Vorwürfe der Wasserschutzpolizei. Die Beamten hatten bei einer Kontrolle am 11. Januar Manipulationen an der Abwasseranlage festgestellt. Durch die technischen Veränderungen konnten Schiffsabwässer unbehandelt ins Meer gelangen. Nach Rücksprache und auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss für das Schiff. „Die Durchsuchung fand in Gegenwart eines Sachverständigen einer Klassifizierungsgesellschaft und Vertretern der zuständigen Ordnungsbehörden am Liegeplatz des Schiffes in Travemünde statt“, sagt Polizeisprecher Dierk Dürbrook.

Der Sachverständige bestätigte die bei der Kontrolle festgestellten Beanstandungen. Die Abwasserreinigung in der kontrollierten Anlage findet im Idealfall in drei verschiedenen Arbeitsstufen statt, bevor das gereinigte Wasser letztlich in das Gewässer geleitet werden kann. „An Bord des kontrollierten Schiffes wurden jedoch zusätzliche Leitungen installiert und vorhandene Leitungen mit Blindflanschen verschlossen, wodurch unbehandeltes Schwarz- und Grauwasser unter Umgehung der Arbeitsstufen der Abwasseranlage direkt eingeleitet wurde“, so Dürbrook. Grauwasser ist fäkalienfreies aber gering verschmutztes Abwasser. Schwarzwasser dagegen meint das reine Abwasser, also auch Fäkalien. „Durch die Umgehung der Reinigungs- und Behandlungsprozesse der Anlage wurden – augenscheinlich über einen längeren Zeitraum und durch eine Vielzahl von Fahrgästen bei zahlreichen Fahrten in den Sommermonaten – unbehandelte Fäkalien in das oberirdische Gewässer eingeleitet“, so Dürbrook.

Die Wasserschutzpolizei leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung sowie wegen der Verstöße gegen binnenschifffahrtsrechtliche Vorschriften ein. „Der Verdacht ist unzutreffend; wir werden dies gegenüber den Ermittlungsbehörden detailliert darlegen“, betont Nikolai Venn. Weiterhin sagt der Anwalt der Reederei: „Die Verteidigung ist im Übrigen irritiert über die aus ihrer Sicht rechtswidrige Medien-PR der Ermittlungsbehörden, mit der sie sich in dieser Angelegenheit ungefragt und mit Details an die Öffentlichkeit wenden, die bislang nicht einmal den Betroffenen mitgeteilt wurden.“
Eine Stilllegung des Betriebs war laut Polizei nicht erforderlich. Das Schiff war derzeit ohnehin nicht betriebsbereit. Nach LN-Informationen sollen gerade Renovierungsarbeiten stattfinden. „Die MS ,Marittima‘ fährt wieder ab 17. März 2018 laut Plan. Unsere MS ,Hanse‘ übernimmt größtenteils die Fahrten“, heißt es auch auf der Internetseite der Reederei. Normalerweise fährt die „Marittima“ aus dem Travemünder Hafen vor das Brodtener Ufer und den Priwall-Strand.

Die Reederei hatte 2014 schon einmal für Negativschlagzeilen gesorgt. Damals war ein Passagier im Rahmen einer Kontrolle des Hauptzollamtes Kiel nach seiner Fahrt auf der „Marittima“ in Empfang genommen worden, weil er zu viele Zigaretten an Bord gekauft hatte. Der Passagier prangerte den Betreiber an. Denn der warb auf Flyern damit, dass an Bord steuerfrei eingekauft werden könne. Das Personal soll größere Mengen als erlaubt verkauft haben. Immer wieder wurden Passagiere deshalb später an Land vom Zoll gestoppt. Denn das Kaufen von mehr als einer Schachtel Zigaretten war illegal, es drohten Strafzahlungen. Kunden monierten damals, dass es bei den Fahrten nur um den Verkauf gehe. Die Reederei ließ sich 2014 noch durch eine andere Anwaltskanzlei vertreten. Auch damals hieß es bereits, der Mandant wehre sich aufs Schärfste gegen die Behauptungen.

Maike Wegner

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