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Lübeck Ausgesperrt: Wirt will keine „Junggesellen“
Lokales Lübeck Ausgesperrt: Wirt will keine „Junggesellen“
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12:23 07.08.2016
Singend und tanzend ziehen Isa im Hasenkostüm und ihre Freundinnen durch die Stadt. Da andere Geburtstage und Junggesellenabschiede, vor allem von Männern, nicht so fröhlich-friedlich abliefen wie bei den jungen Frauen, reagiert das „Brauberger“ mit einem Verbot. Quelle: Fotos: Christoph Brandt

Seit Jahren ist Anna-Karina Koch treue Besucherin von Lübecks Traditionsbrauerei „Brauberger“. Sie schätzt die besonders urige Atmosphäre in den alten Kellergemäuern, die besonderen Sorten Bier. Für ihren 33. Geburtstag, den sie gemeinsam mit Freunden in der Gaststätte in der Alfstraße verbringt, hat sie extra ein 10-Liter-Bierfass bestellt. Die gesellige Runde scherzt, lacht und trinkt. Ein gelungener Abend. Doch nicht alle Feiern in Kochs Lieblingsgasthaus laufen derart harmonisch ab. Braumeisterchef Thomas Rosenhahn hatte es in den letzten Wochen immer wieder mit Gästen zu tun, die ihre Junggesellenabschiede exzessiv feierten. Zu exzessiv, wie Rosenhahn sagt. Zehn solcher Fälle gab es allein in den letzten vier Wochen, drei Mal musste sogar die Polizei gerufen werden. Deshalb zieht Rosenhahn jetzt die Konsequenzen – das „Brauberger“ verbietet als erste Kneipe in der Hansestadt Junggesellenabschiede oder ähnliche Feiern in seinen Räumen. „Ich kann die Reaktion sehr gut verstehen“, sagt Koch, obwohl sie natürlich auch schon viele Junggesellenabschiede im „Brauberger“ erlebt habe, die friedlich abliefen.

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Nach Diebstahl und Randale: In Lübecks Traditionsbrauerei „Brauberger“ müssen Junggesellenabschiede künftig draußen bleiben – Feiergesellschaften wollen nicht pauschal verurteilt werden.

„Wir weisen darauf hin, dass wir aus gegebenem Anlass keine Junggesellenabschiede mehr dulden“, steht jetzt in großen Buchstaben auf dem Zettel, der im Fenster des Braubergers hängt. Ruhestörung, Vandalismus, Nötigung, die Liste ist lang. „Meine Mitarbeiterinnen wurden sogar sexuell belästigt, das geht zu weit“, sagt Rosenhahn bestimmt. „Das gehört nicht in ein Brauhaus“, so der 45-Jährige. Teilnehmer eines Junggesellenabschiedes hätten ihm die Bilder von den Wänden geklaut, andere seien sogar in die Ferienwohnung über der Kneipe eingebrochen und hätte alles verwüstet.

Doch nicht alle Gastwirte haben so schlechte Erfahrungen mit den zukünftigen Ehemännern und Ehefrauen gemacht. Monika Zander ist Tresenkraft in Buthmann’s Bierstube und arbeitet vorrangig abends.

„Nämlich genau dann, wenn die Junggesellenabschiede sind, aber ich hab’ noch nie etwas Schlimmes erlebt“, sagt sie. Natürlich werde es mal lauter, „die Jungs sind ja immer lustig drauf“, aber randaliert habe bei ihr noch niemand. „Meistens nehmen sie dann eine Runde und ziehen weiter“, so Zander.

Auch im Bolero zeigt man sich offen gegenüber Gruppen. „Wir machen aber von Anfang an klar, dass diejenigen rausfliegen, die sich nicht benehmen“, sagt Betriebsleiter Steve Eikenkötter. So gebe es keine Probleme. Thomas Rosenhahn sieht das trotzdem anders: „Ordentliche Gäste sind nach wie vor willkommen, aber keine Plüschhasen mit Bauchladen“, versinnbildlicht der Kneipier. Nach den schlechten Erlebnissen zieht er die Notbremse und hofft, dass seine anderen Gäste es ihm danken werden.

„Plüschhase“ Isa, die am Freitagabend ihren 30. Geburtstag mit ihren Freundinnen in der Stadt feiert, hat also schlechte Karten. Sie ist natürlich etwas enttäuscht, als sie vom Ausschluss durch das „Brauberger“ erfährt. „Jeder sollte den Junggesellenabschied frei ausleben können“, sagt das Geburtstagskind im rosa Plüschhasenkostüm.

Die Stimmung lässt sich der Feiertross aber nicht verderben, als er tanzend – und natürlich friedlich – weiter durch die Innenstadt zieht.

 Christoph Brandt und Tomma Petersen

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