Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ausgezeichneter Brutplatz für Falken
Lokales Lübeck Ausgezeichneter Brutplatz für Falken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:28 21.11.2013
Dieses Foto hat Nabu-Mitglied Burkhard Bünning in St. Jakobi gemacht: durch ein Loch in die Nische hinein. In St. Marien sind solche Aufnahmen nicht möglich, der Brutplatz ist von innen nicht zugänglich.
Lübeck

In Schleswig-Holstein galten sie in den 60er Jahren als ausgestorben, jetzt sind die Wanderfalken zurück. Rund 40 Paare gibt es im Land, davon auch eins in Lübeck. Und weil diese und andere Vögel zum wiederholten Male erfolgreich an St. Marien brüten, ist die Kirche jetzt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für ihren „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet worden.

„Wir vergeben die Urkunde als Dank und Anerkennung für besondere Erfolge im Natur- und Artenschutz“, erklärt der Lübecker Nabu-Vorsitzende Benno Moreth (64) und bezieht sich dabei nicht nur auf den Wanderfalken. „Auch Turmfalken, Dohlen und Fledermäuse nutzen die Kirchtürme als Brutplatz.“ Moreth begründet das Verhalten mit der klassischen Bauweise der Kirchen. „Um Holzgerüste an den Gotteshäusern zu befestigen, haben die Bauleute früher Nischen im Stein gelassen.“ Diese Löcher oder Fenstersimse nutzen die Vögel als Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen.

„Leider werden die Öffnungen bei Kirchensanierungen oft verschlossen oder Gitter zur Abwehr von Tauben angebracht.“ Auch kleinere Arten wie der Spatz oder der Hausrotschwanz stünden dann vor verschlossener Tür, so der Nabu. Anders an den Türmen von St. Marien. Hier stehen nicht nur Brutplätze zur Verfügung, Küsterin Sabine Weiß und Pastor Robert Pfeifer begrüßen auch das Engagement des Vereins. „Ich finde es sehr beeindruckend, wie der Nabu zum Schutz der Vögel beiträgt, und sehe die Falken sogar als Attraktion“, so der Marienpastor.

Insbesondere während der Gewölbeführungen und des Aufstiegs zum Dachreiter würden die Tiere von den Gästen bestaunt. „Sie kommen bis auf einen Meter heran, umkreisen uns und schreien beeindruckend“, sagt Pfeifer. Da der Horst auf der Ostseite des Süderturms und damit etwa 70 Meter Luftline entfernt liegt, ist der Beobachtungsposten auf dem Dachreiter für Besucher nicht gefährlich — und gefährdet auch das Brutgeschehen nicht. „Aber näher an den Horst sollte man nicht“, rät Greifvogelexperte Werner Peschel.

Der 84-Jährige hat über die Wanderfalken ein detailliertes Tagebuch geschrieben. Erstmals gesehen wurden sie 2009 am Dom. „Das Weibchen wurde im Vorjahr als Nestling am Schöneberger Rathaus in Berlin beringt“, erklärt Peschel, der dies anhand eines vergrößerten Fotos des Ringes feststellen konnte. In den Folgejahren brütet das Paar an St. Aegidien (2010), an St. Marien (2011) und an St.

Jakobi (2012) und nun wieder an St. Marien. „Die Vögel nutzen nicht immer St. Marien, da der Platz durch Taubenskelette, Federn und Kot nach einer Brutzeit verschmutzt ist und sie im folgenden Jahr ausweichen“, sagt Peschel.

Der Vogelexperte hat in seinem diesjährigen Tagebuch detailliert jede Beobachtung notiert: Nicht nur die Kopulation der Falken auf der Kirchturmspitze von St. Jakobi (4. März), auch der Eintrag von Beute (13. Mai) und das erste Erscheinen der Jungvögel (6. Juni). Während der Brutzeit der Vögel verbringt Peschel gemeinsam mit Nabu-Referent Helmut Kaup (71) und fünf weiteren Kollegen viel Zeit mit dem Beobachten der Vögel und betont: „Allein ist man gar nichts, die Gemeinschaft ist alles.“

Projekt und Vogel

2007 startete der Nabu mit dem Ausschuss für das Deutsche Glockenwesen das Projekt „Lebensraum Kirchturm“. Inzwischen sind über 500 Kirchen ausgezeichnet worden, auch in Lübeck sollen weitere folgen. Wanderfalken sind bis zu 50 Zentimeter groß und haben eine Spannweite von über einem Meter.

• Weitere Infos:
www.agw-sh.de

Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die komplette Lübecker Azubi-Riege von McDonald‘s hat gestern in der Filiale an der Breiten Straße das Ruder übernommen.

21.11.2013

Im Museum für Natur und Umwelt präsentieren Forscher ihre neuesten Projekte.

21.11.2013

Das Hauptgebäude des Lübecker Flughafens ist für mehrere Stunden evakuiert worden.

21.11.2013