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Ausstand der Busfahrer: Drohen im Mai weitere Streiks?

Lübeck Ausstand der Busfahrer: Drohen im Mai weitere Streiks?

Lübeck - Zehntausende Fahrgäste mussten gestern auf den Bus verzichten. Fahrer fordern 150 Euro mehr Lohn im Monat. Die Verkehrsbetriebe ärgert der Arbeitskampf.

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Gewerkschaftssekretärin Silvia Reichert (38) auf dem Betriebshof des Stadtverkehrs: „Wir sind seit 3 Uhr draußen. Alle Fahrer streiken. Wir wollen 150 Euro mehr auf den Monatslohn.“

Quelle: ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Eine 25-jährige Lübeckerin war gestern lange auf Schusters Rappen unterwegs. Von Buntekuh lief sie zu Fuß bis in die Altstadt. „Ich habe von dem Warnstreik gelesen und mich seelisch auf diesen Fußmarsch eingestellt.“ Geld für ein Taxi war nicht drin. Trotzdem hat die junge Frau Verständnis für die Busfahrer: „Die leisten schließlich gute Arbeit.“ Zehntausende Buskunden in Lübeck, Kiel und Flensburg mussten gestern aufs Fahrrad, Auto, Taxi ausweichen oder zu Fuß gehen, weil die Gewerkschaft Ver.di die Busfahrer zum Ausstand aufgerufen hatte. 300 Fahrer hätten sich beteiligt, erklärte die Gewerkschaft: „In den drei Städten ist kein einziger Bus aus dem Depot gefahren“, sagte Sprecher Frank Schischefsky.

Am Zob herrschte gähnende Leere. Zwei große Anzeigetafeln erklärten den Ausnahmezustand. Nur an den Haltestellen von Autokraft und LVG – diese Unternehmen wurden nicht bestreikt, weil sie einem anderen Tarifvertrag unterliegen – verloren sich ein paar Fahrgäste. Die meisten Fahrgäste hatten sich auf den Warnstreik eingestellt. „Wir haben schon am Mittwochnachmittag begonnen, die Kunden zu informieren“, sagte Bernd Raasch, Betriebsleiter des Stadtverkehrs. „Wir hatten sehr gut zu tun“, meldete die Funkzentrale der Lübecker Taxen. Die Friedrich-List-Berufsschule hatte Abschlussprüfungen extra von 8 auf 9 Uhr verlegt, damit alle Prüflinge rechtzeitig erscheinen konnten. Schulleiter Stefan Cosmus: „Ansonsten ist der Unterricht normal verlaufen.“ An der Priwallfähre, die nur jede volle Stunde fuhr Fußgänger sowie Radfahrer mitnahm, gab es ein paar lange Gesichter. Nils Asmussen, professioneller Yachtpfleger, rollte aus Schleswig heran, um auf dem Priwall einen dringenden Auftrag zu erfüllen. „Ich wusste nichts von dem Streik.“ Tobias Sauerwald, Mitarbeiter der Fähren: „Sie können über Dassow fahren oder bis kurz vor 13 Uhr hier warten.“

Böse erwischt hat es die Fachhochschule Lübeck, die normalerweise bis zu 600 Schüler zum „Tag der offenen Tür“ begrüßt, Gestern saßen nur 40 im Hörsaal. „Unsere Befürchtung, dass der Streik uns die Besucher kostet, ist tatsächlich eingetroffen“, sagte Frank Mindt, Sprecher der Fachhochschule.

Überhaupt kein Verständnis für den Ausstand zeigte Bernd Raasch vom Stadtverkehr. Es habe erst eine Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften gegeben. Der Betriebsleiter fürchtet, dass es zu weiteren Warnstreiks kommt. Wilfried Kley vom Kommunalen Arbeitgeberverband findet die Gewerkschaftsforderung „völlig überzogen“. Der Verbandsgeschäftsführer: „Wir bieten den Busfahrern an, den Abschluss des öffentlichen Dienstes von 6,3 Prozent für zwei Jahre eins zu eins zu übernehmen.“ Ver.di-Sprecher Schischefsky nannte den gestrigen Ausstand einen Warnschuss: „Wir haben Druck für die nächste Verhandlungsrunde am 9. Mai ausgeübt. Ich hoffe, die Arbeitgeber verstehen die Signale.“

Für Busfahrer Thomas Bulgrin, seit 14 Jahren beim Stadtverkehr, ist die Lohnforderung überfällig. „Der Job ist hart, wir haben Stress auf dem Bus.“ Seine Kollegin Angelika von Bonin stellt klar fest: „Für die Verantwortung, die wir tragen, sind wir unterbezahlt.“

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