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Lübeck Auszeit mit Aegidienkirche, Raclette und Familie
Lokales Lübeck Auszeit mit Aegidienkirche, Raclette und Familie
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22:26 26.12.2015
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Lübeck

Weihnachten. Darauf hat sich Maximilian Munski schon seit Wochen gefreut. Das ganze Jahr am Dauer-Rudern zwischen Training und Camps, Test und Wettkampf, Europa- und Vizeweltmeistertitel, gestern noch in Dortmund, heute in Luzern, morgen schon in Posen, genießt der 27-Jährige die Auszeit, das familiäre Fallenlassen. Auch das Heiligabend-Ritual, dass die Munskis gemeinsam den Baum schmücken, die Christvesper in der Aegidienkirche besuchen, nach dem Essen („In diesem Jahr gibt’s Raclette“) bescheren. „Es ist einfach schön, dass wir Zeit verbringen, ich sehe meinen Bruder, der in Halle studiert, ja auch nicht so oft.“ Die Zeit jetzt, sie gehört Familie und Freunden.
Es ist das Krafttanken für den langen Anlauf bis zu den Olympischen Spielen in Rio. Am Montag hat er dafür die erste Teilstrecke beendet, ist gemeinsam mit dem Ratzeburger Arne Schwiethal, der im November ins derzeit 22-köpfige Team „Deutschland-Achter“ berufen worden war, aus dem Trainingslager im portugiesischen Avis zurückgekehrt. Drei Wochen in einem 1844-Seelen-Nest 150 Kilometer östlich von Lissabon, „irgendwo auf einer Weide, da war nichts, der nächste Laden 30 Kilometer weg“. Drei Einheiten pro Tag, 22 Stunden die Woche. Mal im Kraftraum, mal auf dem Rad, meist aber auf dem Stausee Barrogen do Maranhao. 200 Kilometer rudern die Woche, bis die Arme brennen. Und Munski fand es „perfekt, das war bisher mein bestes Trainingslager“. Bei 20 Grad, kaum Wind und Welle, in einem von Ex-Ruderern geführten, auf Sportler ausgerichteten Hotel mitten im Niemandsland, „wo man runterkommen konnte“, war „einfach alles top“. Auch in den Zweierbooten, in denen sie zu 70 Prozent (Munski mit dem Schweriner Hannes Ocik) trainierten. „Die Boote waren mit Messtechnik ausgestattet, da konnten wir via Tablet noch im Boot die Kraftkurven sehen.“Bundestrainer Ralf Holtmeyer war zufrieden: „Die Jungs sind an die Grenzen gegangen, haben einen guten Stand.“
Zurück in Dortmund, wurde der jetzt noch einmal abgefragt – im Umsetzen, Bankdrücken und Kniebeugen, tags darauf auf einem 10-km-Ergometer-Test. Für Munski eine Premiere. „Da ging es darum, sich durchzubeißen, eine Willensaufgabe.“ Es war der Jahresabschluss. Munski & Co. haben jetzt bis zum 4. Januar frei. „Nicht wirklich, wir haben Hausaufgaben“. Laufen, Rudern auf dem Ergo bei der Lübecker RG und in Hamburg auf der Elbe mit Eric Johannesen steht auf seinem Plan. „Und die Seele baumeln lassen.“ Weihnachten in Lübeck und über Silvester geht es in die Heimat seiner Freundin nach Dresden, „eine wunderschöne Ecke. Das ist unser erster Mini-Urlaub seit langem.“
Nur auf eins hat er verzichtet – den Heiligabend-Kick mit den LRG-Rudereren. Das Verletzungsrisiko ist mit Blick auf Rio zu groß. Am 4. Januar steht dafür schon der nächste dreiwöchige Block an, diesmal in Italien. Jens Kürbis

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