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Lübeck Auto statt Kutsche - der Lübecker Martensmann ist wieder unterwegs
Lokales Lübeck Auto statt Kutsche - der Lübecker Martensmann ist wieder unterwegs
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17:07 04.11.2016
Stefan Pagel startet in seiner Rolle als historischer Lübecker Martensmann zu seiner traditionellen Tour nach Schwerin. Er bringt dabei nach altem Brauch zum Martinstag (11. November) ein Fass Rotwein in die Landeshauptstadt des Nachbarlandes Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Markus Scholz/dpa
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Lübeck/Schwerin

Der Lübecker Martensmann ist am Freitag zu seiner traditionellen Reise nach Schwerin aufgebrochen. Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD) verabschiedete am Freitag den Martensmann alias Stefan Pagel, der nach altem Brauch zum Martinstag (11. November) ein Fass Rotwein in die Landeshauptstadt des Nachbarlandes Mecklenburg-Vorpommern bringt. Allerdings stieg Pagel vor dem Rathaus nicht wie sonst in eine Pferdekutsche. Weil eines der Pferde erkrankt ist, legte der Martensmann in diesem Jahr den ersten Teil seiner Reise mit dem Auto zurück. In Schönberg werde er aber wieder in eine Kutsche steigen, versicherte Pagel. 

Für seine Reise trägt Pagel einen roten Mantel mit schwarzen Ärmeln, schwarze Kniehosen, einen großen weißen Kragen und eine mächtige Perücke - die Tracht eines Ratsdieners aus dem 16. Jahrhundert. Das Fass, das er bei seiner Verabschiedung auf der Schulter trägt, ist leer. „Das ist nur Dekoration, die richtigen Fässer sind schon im Auto“, sagt Pagel. 

Insgesamt 150 Liter Wein nimmt Pagel mit auf die Reise nach Schwerin. Auf dem Weg dahin macht er am Sonnabend traditionell in Schönberg und Rehna (beide Kreis Nordwestmecklenburg) Station. In Schwerin wird er dann am Sonntag (13.00 Uhr) vom Schweriner Oberbürgermeister empfangen genommen und der Wein wird bei einem Volksfest unter die Menschen gebracht. Der alte Brauch war mehr als 100 Jahre lang in Vergessenheit geraten und wurde 1991 neu belebt.

Urkundlich belegt ist das Weinpräsent aus Lübeck seit 1567. Jedes Jahr zu Martini erhielt der in Schwerin residierende Herzog von Mecklenburg vom Rat der Freien und Hansestadt Lübeck als symbolische Steuer „ein Ohm Rheinischen Most“, wie es in historischen Dokumenten heißt. Ein Ohm entspricht 145,5 Liter. Seither wird vor der Weinprobe gestritten, ob der Wein eine Pflichtabgabe oder ein Geschenk der Lübecker ist. „Zum Glück muss ich die Rede nicht auswendig lernen, sondern kann sie von meiner großen Schriftrolle ablesen“, sagt Pagel.

Der hat das „Amt“ der Martensmannes 2015 von seinem Vorgänger Horst Possehl übernommen und nach eigenen Worten einen Heidenspaß an der Rolle und dem alljährlichen Spektakel. „Ich hoffe, dass ich das weitermachen kann, bis ich einen Rollator brauche“, sagt der 56-Jährige.

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