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Lübeck Autofrei: Kino und Theater sehen schwarz
Lokales Lübeck Autofrei: Kino und Theater sehen schwarz
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09:17 14.07.2016
Die einzige Durchgangsstraße führt vom Burgtor über den Koberg und die Beckergrube in Richtung Holstentor. In der Beckergrube liegt das Stadttheater, das auf Parkplätze und Busse angewiesen ist. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, Dpa

 Theaterdirektor Christian Schwandt: „Das Theater zählt pro Spielzeit rund 180000 Besucher, der kleinste Anteil erreicht uns zu Fuß oder per Fahrrad.“ Der Großteil komme mit Auto, Bus oder Taxi. Schwandt: „Eine Aufrechterhaltung der direkten Anbindung durch diese Verkehrsmittel halten wir für unabdingbar, um weiterhin so hohe Publikumszahlen zu erzielen.“

 

„Der Großteil unserer Besucher nutzt Bus, Taxi oder den privaten Pkw.“Theaterdirektor Christian Schwandt

20000 Besucher aus dem Umland würden jährlich mit den Reisebussen des Besucherrings vorgefahren, dieser Service für ältere Theatergänger sei elementar für das Haus in der Beckergrube. Bis zu 25000 Kinder und Jugendliche strömen in der Weihnachtszeit in die Kulturinstitution. Auch die kommen überwiegend mit Reisebussen. Die städtische Spielstätte steht mit ihrer Warnung nicht allein.

Die Geschäftsführer der Cinestar-Gruppe, die die Kinos Stadthalle und Filmhaus in der Altstadt betreibt, sehen schwarz. „Eine weitere Einschränkung des innerstädtischen Verkehrs einschließlich des Bus- und Taxibetriebs hätte für unsere beiden Kinos katastrophale, wenn nicht existenzbedrohende Folgen“, erklären Oliver Fock und Stephan Lehmann. Viele Kinobesucher kämen mit Bussen direkt vorgefahren. „Viele ältere Gäste werden mit Taxis oder privaten Wagen direkt vor die Tür gefahren oder abgeholt“, sagen die Geschäftsführer, „ebenso bringen und holen Eltern ihre Kinder direkt vor den Kinos ab.“ Alle Kulturbetriebe, Dienstleister und Geschäfte müssten zwingend in die Debatte um eine weitere Verkehrsberuhigung einbezogen werden, fordern die Cinestar-Chefs.

Die Hälfte seiner Besucher seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, schätzt Tommy Geisler, der das Volkstheater in der Dr.-Julius-Leber-Straße betreibt. Vor allem ältere Menschen bilden sein Publikum. Für die sei es wichtig, mit Bussen und Taxis vorfahren zu können. Schlechte Erreichbarkeit sei für kleine, nicht subventionierte Theater der Tod, sagt Geisler.

Schon heute müssten Theaterbesucher wegen gesperrter Parkhäuser in der Innenstadt auf den MuK- Parkplatz ausweichen, kritisiert Theaterdirektor Schwandt: „Dem Besucher werden unkalkulierbare Parkplatzsituationen und Fußwege von fünf bis zehn Minuten zugemutet.“ Das sei nicht akzeptabel. Wolfgang Benninghoven vom Theater Combinale dagegen hält fünf Minuten Fußweg für zumutbar. Die Erreichbarkeit von Spielstätten dürfe nicht die weitere Verkehrsberuhigung aushebeln, sagt der Geschäftsführer, der persönlich für eine autofreie Altstadt ist: „Für die Zufahrt von Bussen kann man Sonderregelungen finden.“

Auch die Lübecker Museen begrüßen die Verkehrsberuhigung. „Aber wir brauchen eine Regelung für Busse“, sagt Prof. Hans Wißkirchen, Chef der Museen. „Wir haben viele ältere Besucher, die nicht mehr so gut zu Fuß sind“, erklärt Wißkirchen, „und die müssen vor den Museen aus- und einsteigen können.“ Zumal die Museen gerade zusammen mit der Tourismusgesellschaft LTM massiv um Busreisende werben. Auch das Stadttheater locke Touristen aus der Metropolregion Hamburg und dem ganzen Bundesgebiet nach Lübeck, sagt Direktor Schwandt: „Diese Besucher haben den dringenden Bedarf nach direkter Erreichbarkeit des Stadttheaters per Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Umfassende Diskussion

Die LN-Serie beschäftigt sich mit dem Thema, über das die Hansestadt diskutiert. Welchen Verkehr wollen wir in unserer Innenstadt? Und welchen nicht? Die Stadt will das Thema nun umfassend diskutieren und ein neues Verkehrskonzept erarbeiten. Die Serie in den LN wird diesen Prozess begleiten. Die Interessen von Anwohnern, Besuchern und Senioren, von Busfahrgästen und Autofahrern werden beleuchtet. Heute geht es um die Kulturtreibenden.

 Kai Dordowsky

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