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Autofreie Altstadt? Stadt plant bisher größte Bürgerbeteiligung

Lübeck Autofreie Altstadt? Stadt plant bisher größte Bürgerbeteiligung

Debatte wird neu aufgerollt – Kosten und Zeitplan müssen bis November stehen.

Autofreie Altstadt wie beim Hansekultur Festival, eine gute Idee?

Quelle: Malzahn

Innenstadt. Ein Novum: Die Lübecker sollen entscheiden, wie der Verkehr künftig durch die Altstadt fließt. Damit wird die Debatte über die autofreie Altstadt wieder neu aufgerollt. Geplant ist die größte Bürgerbeteiligung, die es in der Hansestadt je gegeben hat. Das hat die Bürgerschaft am späten Donnerstagabend beschlossen – mit den Stimmen aller Fraktionen.

LN-Bild

Debatte wird neu aufgerollt – Kosten und Zeitplan müssen bis November stehen.

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Vorbild ist die Perspektivenwerkstatt zur Umgestaltung der Achse Schrangen–Klingenberg 2007. Sie hat damals 360000 Euro gekostet, bezahlt hat die Possehl-Stiftung. Zudem sollen alle Organisationen von Seniorenbeirat über Architekturforum, Einzelhandel und IHK mitreden dürfen. Die Themen: Welche Funktion hat die Lübecker Altstadt? Was bedeutet das für den Verkehr? Und: Was muss dafür umgebaut werden?

„Ich freue mich, dass wir nun in einen geordneten Prozess der Diskussion über das Verkehrskonzept Altstadt kommen“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Die Fragen des Verkehrs in der Altstadt seien von „herausragender Bedeutung“. Denn die Altstadt sei Kultur- und Denkmalstadt, Tourismus- und Einkaufsstadt sowie Wohn- und Arbeitsort. „Deshalb werde ich mich in den Prozess auch persönlich einbringen“, so Saxe. Er geht davon aus, dass das Ganze mindestens zwei Jahre dauert. Optimistischer ist SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. „Der Diskussionsprozess kann auch in einem Jahr abgeschlossen sein.“ Für ihn ist das Verfahren fünfstufig. Interessengruppen wie das Architekturforum können ihre Ideen für die Altstadt vorstellen, da sie sich schon seit Jahren damit beschäftigen. Dann können alle Organisationen ihre Wünsche in Workshops äußern. Stufe drei ist die Perspektivenwerkstatt, in der jeder mitmachen kann. Das alles fließt zusammen in ein Gesamtkonzept. „Final könnten die Anwohner in der Altstadt über das Konzept abstimmen“, regt Lindenau an. Das wäre ein regional begrenzter Bürgerentscheid. „Sie sind am meisten betroffen.“

Widerspruch kommt von Christopher Lötsch (CDU). „Wenn, dann müssten alle Lübecker darüber abstimmen – denn die Altstadt gehört allen“, so Lötsch. Die CDU hatte sich dafür eingesetzt, dass jede Interessengruppe mitmachen kann; und nicht nur solche, die sich mit dem Thema Verkehr bereits beschäftigt haben. „Wenn wir wirklich den vor Jahrzehnten gefundenen Kompromiss aufgeben wollen, dann muss das Ganze eine breite Basis haben.“ Allerdings gibt er zu bedenken: „Die Altstadt wäre jetzt schon verkehrsberuhigter, wenn es mehr Kontrollen geben würde.“ Denn nur Anwohner, Taxen und Busse dürfen durch die Altstadt fahren, Anlieferer nur zu bestimmten Zeiten. Die einzige Durchgangsstraße für jedermann ist die Strecke von der Großen Burgstraße über den Koberg, Breite Straße und Beckergrube zur Untertrave. Allerdings: Das Durchfahrtsverbot für die anderen Straßen wird kaum eingehalten. „Der Verkehr muss neu gedacht werden“, so André Kleyer. Für Hans-Jürgen Schubert (GAL) ist indes wichtig: „Ganz besonders muss der ÖPNV in die städtische Gestaltung einbezogen werden.“

Der Hintergrund: Aktuell gibt es etliche Initiativen, den Verkehr in der Altstadt zu beruhigen. Zuletzt war das gelungene Hansekultur- Festival Anlass für die erneute Verkehrsdebatte in der Altstadt.

Denn für das Fest waren die Straßen teilweise gesperrt. Bereits im April hatte das Architekturforum die Debatte autofreie Altstadt angestoßen – im Zuge der Diskussion um die Sanierung der Straße auf dem Koberg. Und schon Anfang des Jahres forderten die Grünen die Sperrung der Königstraße für den Durchgangsverkehr.

 Josephine von Zastrow

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