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Lübeck Autokorso bringt den Verkehr zum Erliegen
Lokales Lübeck Autokorso bringt den Verkehr zum Erliegen
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11:54 22.06.2016
25 bis 30 Wagen und ein kleiner Menschenauflauf kamen am Dienstagabend auf dem Koberg zusammen, um den Sieg der türkischen Nationalmannschaft zu feiern. Quelle: Rolf Klein
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Innenstadt

"Der Verkehr kam völlig zum Erliegen, Stadtwerkebusse konnten nicht mehr fahren, zeitweise mussten alle in Lübeck zur Verfügung stehenden Funkstreifenwagen eingesetzt werden." Die Bilanz von Polizeisprecher Stefan Muhtz liest sich nicht besonders angenehm - was war passiert?

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Bei sonnigem Wetter und warmen Temperaturen ließ sich das EM-Spiel draußen so richtig geniessen.

Während des Deutschlandspiels um 18 Uhr verzeichnete die Polizei eine friedliche und entspannte Stimmung unter den Besuchern. Rund 2300 Menschen hätten in MuK und Strandsalon die Public-Viewing-Angebote genutzt. Im Anschluss waren eher vereinzelte Fan-Gruppen zu sehen, auch zu einem Autokorso kam es nicht.

Als dann gegen 23 Uhr das Spiel der Türkei gegen Tschechien endete, änderte sich die Situation. Am Koberg gab es einen Autokorso, laut Polizei beschwerten sich bereits die ersten Bürger über Ruhestörungen.

Die Polizei zählte vor Ort 25 bis 30 Pkw, die den Sieg der türkischen Mannschaft mit lautem Hupkonzert und Gesängen feierten. Der Verkehr kam laut Polizei zum Erliegen, auch Stadtbusse konnten demnach nicht mehr fahren. "Im weiteren Verlauf mussten bis zu 14 Streifenwagen zusammengezogen werden, um weitere Verkehrsbehinderungen und Gefährdungssituationen einzudämmen", so der Sprecher.

Teile der Innenstadt habe man für den Fahrzeugverkehr komplett abgesperrt, damit sich die Feiermenge nicht noch vergrößern konnte.  Auch Platzverweise seien ausgesprochen worden.

Gegen 23.30 Uhr hätten die Korsoteilnehmer den Koberg verlassen und versucht, ihre Fahrt um die Innenstadt herum fortzuführen. "Auch hier mussten Polizisten Kreuzungen und Straßenzüge sperren, um Gefährdungen und Fahrten mit hoher Geschwindigkeit zu unterbinden", so Muhtz. Danach habe sich der Korso in den Bereich Holstentor/Lindenplatz verlagert und gegen 0.15 Uhr aufgelöst.

"Die Korsoteilnehmer reagierten zwar in der Regel auf polizeiliche Ansprachen, allerdings nutzten sie auch jede Chance, um ihre Handlungen fortzuführen", berichtet Muhtz. Die Leute hätten versucht, mit der Polizei "Katz und Maus" zu spielen, schimpft er. Anhaltesignale seien zwischendurch ignoriert worden.
   

Die Lübecker Polizei äußert sich direkt

Autocorso/Menschenmenge

Nach erfolgreichen Spielen der deutschen und weiteren Nationalmannschaften wollen viele Fußballfans ihre Freude lautstark ausdrücken und sammeln sich zum Feiern im öffentlichen Verkehrsraum, auf öffentlichen Plätzen oder bilden Autokorsos. Da Autokorsos und Freudentreffen meistens spontan und am Abend entstehen, ist die Polizei zuständig und trifft die dafür notwendigen Maßnahmen.

Dabei achtet die Polizei darauf, dass die Beeinträchtigung anderer Menschen auf ein zumutbares Maß minimiert und rechtsfreie Räume nicht geduldet werden. Ein konsequentes Einschreiten der eingesetzten Polizeibeamten ist dann notwendig, wenn Gefahren für Leib oder Leben von Personen oder für bedeutende Sachwerte drohen.

Die Polizei freut sich mit den Fußballfans über die guten und erfolgreichen Spiele der deutschen und der anderen Nationalmannschaften. Allerdings werden die Polizistinnen und Polizisten dort regulierend eingreifen, wo es notwendig ist. Daher unser Appell an die Fans: „Nehmen Sie Rücksicht auf Dritte und gefährden Sie sich nicht selbst oder Andere, insbesondere während eines Autokorsos oder wenn Sie im öffentlichen Raum in einer Menschenmenge feiern. Die Polizei schreitet konsequent ein, wenn Sie auf Fahrzeugdächern und Motorhauben sitzen oder auf Fußgänger zufahren.“

Hinweis auf das Führen und Zünden pyrotechnischer Gegenstände

Das konsequente Einschreiten der Einsatzkräfte gilt auch beim Zünden von sogenannten „Polenböllern“ und Sylvesterfeuerwerk innerhalb oder in der Nähe einer Menschenmenge. Insbesondere, wenn eine Gefährdung für die Gesundheit von Menschen durch das Zünden dieser Knallkörper vorliegt. Das Zünden in Menschenmengen und der damit verbundene laute Knall können zu erheblichen Verletzungen wie Verbrennungen, Beschädigung des Trommelfells oder zu Knalltrauma führen.

Das Zünden eines pyrotechnischen Gegenstandes innerhalb einer Menschenmenge ist ein Straftatbestand und kann mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Aber auch der Besitz und das Mitführen pyrotechnischer Gegenstände ist bereits eine Straftat und wird dem entsprechend verfolgt und geahndet.

Neben dem Verletzungsrisiko besteht innerhalb großer Menschenmengen und in geschlossenen Räumen die Gefahr, dass unklare oder unübersichtliche Situationen entstehen und die Besucher unterschiedlich und zum Teil ängstlich reagieren könnten. Am Ende bleiben negative Erinnerungen an ein Fest, dass eigentlich von gemeinschaftlicher Begeisterung und Freude gekennzeichnet sein soll.

Die Polizei appelliert: „Verzichten Sie deshalb auf "Böller, Knaller und Bengalos" bei öffentlichen Veranstaltungen, denn sie sind kein Ausdruck von Begeisterung, sondern Sprengstoffe mit hohem Gefahrenpotential, für Sie und andere Besucher.“

Karte mit Public Viewing-Angeboten im LN-Gebiet:

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