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Lübeck Autos oder Park? Streit um Grundstück
Lokales Lübeck Autos oder Park? Streit um Grundstück
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20:49 21.06.2017
Das Autohaus Pfohe möchten seinen Betrieb ausweiten. Am Spargelhof wird es zu eng. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Ein Grundstück, zwei Interessen: Das Autohaus Hugo Pfohe will wachsen. Die Initiative Brolingplatz fordert einen Park. Es geht um ein 10 000 Quadratmeter großes Areal an der Stockelsdorfer Straße (nahe Spargelhof). Dieses ehemalige Kleingartengelände gehört der Stadt. Es liegt seit mehr als zehn Jahren brach. Die Position von Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) ist klar: Das Grundstück soll an die Hugo Pfohe GmbH verkauft werden – für 700000 Euro. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Papier hervor, das den LN vorliegt. Der Bauausschuss hat dem zugestimmt – mit einer Mehrheit aus CDU, FDP und BfL. SPD und GAL wollten das Thema vertagen. Jetzt muss die Bürgerschaft in einer Woche endgültig darüber entscheiden.

Stadt will Areal an das Autohaus Pfohe verkaufen, damit der Betrieb sich erweitern kann. Eine Initiative will dort lieber Grünflächen.

Ortstermin

Heute gibt es eine Veranstaltung zum Grundstück am Spargelhof. Um 19 Uhr lädt die Initiative Brolingplatz in den Awo-Treff in die Brolingstraße 16 ein. Sönke Freyer vom Autohaus Hugo Pfohe will auch kommen und hofft, dass auch die direkt betroffenen Anwohner vorbeischauen.

Der Hintergrund: „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Sönke Freyer, Niederlassungsleiter des lübschen Autohauses. Aktuell werden die Autos auf dem Grundstück zum Lohmühlenteller verkauft. Das bleibt auch so. Die Werkstatt ist auf dem benachbarten Grundstück, das an die Straße Am Spargelhof angrenzt. Dahinter erstreckt sich das städtische Grundstück. Dort will Freyer ein weiteres Gebäude und Parkplätze errichten lassen. Noch gibt es dort kein Baurecht. „Aber wir würden 2018 gern mit dem Bau beginnen.“

Freyers Ansicht nach ist das Vorhaben auch gut für die Nachbarn. „Wir wollen damit auch eine Entlastung der Anwohner erreichen“, sagt Freyer. Denn derzeit haben seine Mitarbeiter Fahrwege durch die anliegenden Straßen, beispielsweise um Kundenautos hin- und herzufahren. Außerdem: „Mitarbeiter und Kunden parken in den Straßen in der Nähe“, berichtet Freyer. Denn auf dem Gelände des Autohauses sei kein Platz. Außerdem will Freyer mit dem neuen Grundstück den Ablauf seines Betriebes verbessern. Er wolle dadurch auch die 75 Arbeitsplätze am Standort sichern.

Massiver Protest kommt von der Initiative Brolingplatz. „Das geht gar nicht“, sagt Vorsitzende Regine Groß. Sie spricht von „unfassbaren Vorgängen“. Denn die Initiative will die Grünfläche erhalten.

„Wir brauchen jeden Baum“, so Groß. Das ehemalige Kleingartengebiet sei „die grüne Lunge des Quartiers“, das durch viel Verkehr und Lärm belastet sei. Denn in St. Lorenz Nord gebe es kaum Erholungsflächen. In einem Plan der Stadt von 2004 sollte auf dem Grundstück der Park am Struckbach entstehen. Doch wegen permanent knapper Kasse kam es nie dazu. Jetzt wollte die Initiative die Obstbäume retten in Zusammenarbeit mit dem Verein Hanseobst, der in Lübeck Streuobstbäume erhält und pflanzt. „Es wäre schade, wenn das Grundstück versiegelt würde“, sagt Groß. Die Stadt hat der Initiative Alternativflächen angeboten, die aber inakzeptabel seien wie Kleingartenareale nahe der Hansehalle oder im Rahmen der Entwicklung des Schlachthofes.

Die Position der Stadt ist eindeutig: Sie steht klar auf der Seite des Autohauses. „Das Unternehmen ist aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zum Grundstück als zukünftiger Nutzer prädestiniert“, heißt es in dem Papier von Schindler. Die Stadt hatte mehrfach versucht, das Areal zu verkaufen. Die Lage in Autobahnnähe ist ideal, aber eine extra Zufahrt von der Stockelsdorfer Straße ist schwierig. Und für Wohnungen ist es dort zu laut. Die Stadt will auf eine Ausschreibung des Grundstücks verzichten, da nur das Autohaus Pfohe es überhaupt sinnvoll nutzen kann. Und Freyer ergänzt: „Das Areal ist derzeit eingezäunt und vermüllt.“ Es liegt nahe der Autobahn. Freyer: „Dort will sich niemand mit einem Liegestuhl hinlegen.“

Und die Politiker? Die CDU ist klar dafür, weil „es einen ortsansässigen Gewerbetreibenden gibt, der sich erweitern will“, sagt Fraktionschef Christopher Lötsch. Aktuell sei die Grünfläche nicht nutzbar. Daher soll die Stadt grüne Flächen in dem Stadtteil entwickeln. Und Burkhart Eymer (CDU), Vorsitzender des Bauausschuss, sagt süffisant: „Wir unterstützen den Vorschlag des SPD-Senators.“

Der hat indes seine eigene Partei nicht gänzlich hinter sich. „Wir wollen noch einmal alle an einen Tisch holen“, sagt Harald Quirder (SPD). Daher will er die Entscheidung vertagen. Denn: „Der Stadtteil braucht Grün.“ Er schießt gegen die CDU: „Die interessiert sich eben nicht für die kleinen Leute.“

Einen Kompromiss schlägt Carl Howe (GAL) vor: „Das Grundstück könnte zur Hälfte vom Autohaus und zur Hälfte von der Initiative genutzt werden.“

Josephine von Zastrow

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