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Lübeck Babyklappe und Mütterhilfe: Jubiläum in der Mengstraße
Lokales Lübeck Babyklappe und Mütterhilfe: Jubiläum in der Mengstraße
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18:10 15.08.2015
Engagieren sich seit 20 Jahren: Friederike und Günter Garbe erinnern sich gern an die Anfangszeiten des Agape-Hauses zurück. Mittlerweile haben über 200 Frauen mit ihren Kindern in dem ehrwürdigen Patrizierhaus gelebt. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Langsam blättern Friederike und Günter Garbe in dem schwarzen Fotoalbum, die Seiten füllen Bilder von Babys, Kleinkindern und ihren Müttern. Einige der Aufnahmen reichen bis 1995 zurück. Dem Jahr, in dem das Ehepaar im Agape-Haus damit begann, Eltern in Not und ihren Kindern eine betreute Unterkunft zu geben. 2000 kam dann die Babyklappe hinzu, gestern feierten die Garbes mit Freunden, Helfern und Hausbewohnern den 20. und 15. Geburtstag der beiden Einrichtungen in der Mengstraße.

„Angefangen haben wir mit drei Müttern und ihren Kindern“, sagt Friederike Garbe. Über die Jahre wohnten über 200 Frauen im Agape-Haus, das vom Verein „Leben bewahren“ getragen wird. „Wir haben so viel erlebt, darüber könnte man Bücher schreiben“, so die Leiterin der Wohneinrichtung. So etwa die Doppelhochzeit zweier Bewohnerinnen, bei der Günter Garbe als zweifacher Brautführer einsprang.

„Das war im Dom, mein Mann hatte zwei Frauen im weißen Kleid an seiner Seite“, erinnert sich Friederike Garbe lächelnd. Mit vielen der Bewohnerinnen haben sie aber keinen Kontakt mehr, „es ist schade, aber einige Frauen hatten auch viele persönliche Probleme und den Kontakt dann abgebrochen“, so die 70-Jährige.

Anders sei es bei einigen der Findelkinder, von denen seit 2003 insgesamt 17 in der Babyklappe vor dem Patrizierhaus abgegeben wurden: Drei von ihnen, ein jetzt zweijähriges Mädchen und zwei Jungen im Alter von zehn und sechs Jahren, leben heute sogar zusammen in einer Pflegefamilie. „Wir besuchen sie mindestens einmal im Jahr, alle drei haben sich sehr gut entwickelt“, sagt Friederike Garbe.

Auch bei der gestrigen Jubiläumsfeier waren die Kleinen dabei, „sie wissen, dass sie früher in der Babyklappe abgegeben wurden und können sehr gut damit umgehen“, so Friederike Garbe.

Und auch tierischen Nachwuchs fanden die Garbes schon in der mit einem Wärmebett ausgestatteten Klappe: „Einmal wurden dort zwei Meerschweinchen abgegeben, eins war trächtig, wenige Wochen später hatten wir also drei“, sagt Friederike Garbe. Ihr Mann, der seit einer schweren Erkrankung zu Hause gepflegt wird, habe sie damals überredet, die Tiere zu behalten. „Heute würden wir das aber nicht mehr machen, schließlich ist die Babyklappe nicht für Tiere bestimmt“, sagt sie.

Sieben Helferinnen unterstützen die Garbes im Agape-Haus, zur Zeit leben dort drei Frauen und zwei Kinder, darunter auch die 24-jährige Dzine Polle mit ihrer kleinen Tochter Dahlia. Die junge Kenianerin war im Herbst in die Mengstraße gekommen, damals kämpfte die angehende Hotelfachfrau um eine Verlängerung ihres achtwöchigen Mutterschutzes, um länger für ihr Kind da sein zu können (die LN berichteten). Mittlerweile hat die junge Frau ihre Ausbildung wieder aufgenommen, „Dahlia ist jetzt unter der Woche bei einer Tagesmutter“, sagt Friederike Garbe, „Mutter und Tochter geht es gut, dennoch leben sie noch bei uns, weil ihr Ausbildungsgehalt für eine Wohnung nicht ausreicht.“

Und auch Flüchtlingen will das Agape-Haus zukünftig helfen: „Wir haben gerade im Dachgeschoss eine geräumige Dreizimmerwohnung frei, die wir dafür gerne zur Verfügung stellen wollen“, sagt Friederike Garbe. Das etwa 60 Quadratmeter große Appartement ist möbliert und mit einer Küchenzeile ausgestattet, „eine Familie oder Alleinstehende mit Kindern könnten hier gut untergebracht werden.“

Sara, Babsi und Hannes: Die Geschichten der Findelkinder
An das erste der insgesamt 17 Findelkinder, die seit 2000 in der Babyklappe links neben der Eingangstür des Agape-Hauses abgegeben wurden, erinnert sich Friederike Garbe noch gut. „Das war im August 2003 — als der Alarm losging, dachte ich zunächst, jemand hat eine Puppe auf das Bettchen gelegt“, sagt sie. „Dann habe ich plötzlich bemerkt, dass die Puppe lebte.“
Noch im selben Jahr folgte das nächste Kind — ein kleines Mädchen, das von Friederike Garbe Babsi genannt wurde. In den Folgezeit fand die heute 70-Jährige jährlich etwa zwei Kinder in der Babyklappe, Kontakt zu den ersten Findelbabys hat sie aber keinen mehr. „Damals haben die Mitarbeiter des Jugendamtes die Kinder immer am gleichen Tag abgeholt“, so Garbe, „wir haben damals auch keine Adressen der Pflegefamilien erhalten, das war nicht üblich.“ Erst seit einigen Jahren kann das Agape-Haus den Kontakt mit seinen Findelkindern halten, „viele haben sich gut entwickelt und sind zu richtig selbstbewussten Persönlichkeiten herangereift“, so die 70-Jährige.
Das letzte Findelkind war der etwa drei Tage alte Hannes. In eine Decke gehüllt und mit nur halb abgeschnittener Nabelschnur lag der kleine Junge im Juni in der Babyklappe. Auch er wurde mittlerweile in eine Pflegefamilie vermittelt.

Katrin Diederichs

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