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Lübeck Bagger reißt Ferienhaus am Steilufer ab
Lokales Lübeck Bagger reißt Ferienhaus am Steilufer ab
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23:08 29.10.2013
Gegen Mittag war es gestern dann so weit. Der Bagger hatte in kurzer Zeit das Gebäude nahe der Hermannshöhe niedergerissen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Travemünde

Über 80 Jahre lang hatte es einen sehr privilegierten Platz, das Wochenendhäuschen am Brodtener Steilufer unweit der Hermannshöhe. Doch die Abbruchkante und mit ihr der Strand rückten unaufhaltsam immer näher, und damit war auch das Ende für das idyllische Gebäude absehbar. „Es wurde jetzt einfach zu gefährlich“, so sein Eigentümer Christoph Thies, „es auf den Strand stürzen zu sehen, ist nicht zu verantworten.“ Entsprechend war es dann am gestrigen Tag zur Mittagszeit soweit. Zielgerichtet und effizient steuerte Abbruchunternehmer Mario Laeven seinen Bagger auf die Mauern zu, und einige Minuten später war das Häuschen am Wanderweg nur noch Geschichte.

„Das ist schon ein trauriger Moment für mich; schließlich haben wir hier in den letzten 19 Jahren zu allen Jahreszeiten an die hundert Urlaube verbracht“, kommentierte Thies die Situation. Als der Hamburger im Jahr 1994 das Kleinod in Traumlage vom Vorbesitzer aus Berlin erworben hatte, schien ihm das Abbruch-Szenario noch weit in der Zukunft zu liegen. „Damals war die Steilufer-Kante mindestens zwölf Meter entfernt, und die ersten Jahre passierte teilweise auch nichts“, erinnerte sich Thies.

Vor allem die letzten vier Jahre seien dann aber extrem feucht gewesen, so dass sich die Ufer-Dynamik leider beschleunigt habe. „Insbesondere während des vergangenen Winters und Frühjahrs ist sehr viel vom Steilufer abgebrochen; über drei Meter schätze ich“, so seine Bilanz. Trotz des von Anfang an absehbaren Endes stellte er gestern jedoch klar, dass er den Kauf der Immobilie im Nachhinein zu keinem Moment bereuen würde. Denn: „Wer hat im Leben schon mal die Gelegenheit, direkt am Meer wohnen zu dürfen?“

Sein Grundstück, das im Kaufvertrag noch eine ausgewiesene Größe von 1306 Quadratmetern hatte, ist inzwischen auf nur noch 800 Quadratmeter zusammengeschrumpft. „Der Rest befindet sich nun in Schräglage oder am Strand“, fasste er die Lage humorvoll zusammen. Die verbliebene Größe reiche für eine Restnutzung aber noch aus. Die Pläne des Hamburgers sehen vor, die bestehende Laube, die nah am Wanderweg steht, instand zu setzen. Zusätzlich würde es sich anbieten, einen Wohnwagen als weitere Übernachtungsmöglichkeit aufzustellen. „Natürlich versteht es sich von selbst, dass ich mein Vorhaben in dieser sensiblen Lage mit der Hansestadt absprechen muss.“

Am Ende des Tages zeigte sich der Eigentümer dann erleichtert. „Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist. Im Vorfeld hatte ich doch ein paar schlaflose Nächte wegen dieser Operation“, gestand er.

Bis auf wenige Brocken sei nichts auf den Strand gefallen. „Jetzt muss der Schutt abtransportiert werden. Dann ist dieses Kapitel beendet.“

„Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist. Im Vorfeld hatte ich doch ein paar schlaflose Nächte.“
Eigentümer Christoph Thies aus Hamburg

Michael Hollinde

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