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Lübeck Bahn will Videoüberwachung verbessern — aber nicht in Lübeck
Lokales Lübeck Bahn will Videoüberwachung verbessern — aber nicht in Lübeck
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10:01 23.04.2016
Täglich nutzen Tausende Lübecks Hauptbahnhof. Kameras sollen mehr Sicherheit bringen und vor Vandalismus schützen. Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat

Vielerorts sei die Technik nicht mehr auf dem neuesten Stand, sie müsse dringend ersetzt werden. Auch im Lübecker Hauptbahnhof hängen Kameras — die Hansestadt geht bei der Modernisierung jedoch leer aus. Der Haltepunkt werde nicht als Gefahrenpunkt eingestuft. Doch allein die Randale von vergangenem Wochenende zeigt, dass Videoüberwachung wichtig sein kann — entsprechend kritisch sehen Lübecks Sicherheitspolitiker die Entscheidung der Bahn.

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Hansestadt sei „kein Brennpunkt“ — Sicherheitspolitiker teilen Einschätzung nicht.

Auf LN-Anfrage teilt das Unternehmen schriftlich mit: „Der Bahnhof ist kein Brennpunkt.“ Aus diesem Grund plane die Bahn derzeit nicht, die Videoüberwachung in dem Gebäude auszubauen. Anfang April hatte Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla in Berlin mitgeteilt, dass das Unternehmen und der Bund deutschlandweit bereits jetzt 85 Millionen Euro in den stärkeren Ausbau von Videoüberwachung in Bahnhöfen sowie Zügen investieren. Des Weiteren laufen gerade Verhandlungen, die Summe weiter aufzustocken.

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Bei dem Austausch gehe es nicht nur um die Anzahl der Kameras, „sondern auch um die Qualität“, sagte Pofalla. Viele Anlagen seien alt und die Bilder zu unpräzise. Die Modernisierung diene daher auch dem Ziel, dass man auf den Videos „mehr erkennt“. Umso verwunderter ist Frank Zahn, sicherheitspolitischer Sprecher der SPD, dass Lübeck nicht bedacht wird: „Es wäre sehr hilfreich, wenn man Täter noch besser erkennt und dadurch eher überführen kann.“ Zwar sei Lübeck kein direkter Brennpunkt, aber gelegentlich gebe es auch hier größere Zwischenfälle.

Wie etwa am vergangenen Sonnabend: Nach der Demonstration in Bad Oldesloe lieferten sich etwa 50 Rechte und Linke in der Lübecker Bahnhofshalle eine Schlägerei. Mehr als 100 Bundespolizisten mussten die beiden Gruppen voneinander trennen, der Hauptbahnhof blieb eine knappe Dreiviertelstunde gesperrt (die LN berichteten). „Wir fordern regelmäßig, den Einsatz von Videokameras an gezielten Punkten zu überprüfen“, sagt Lübecks CDU-Sicherheitspolitiker Jochen Mauritz. Das „subjektive Sicherheitsgefühl“ müsse gestärkt werden.

Der Stadtverkehr setzt bereits seit Längerem auf Kameras am Zob und in allen Bussen. „Es dient dem Schutz und der Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter“, sagt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. Zuletzt seien die Anlagen 2012 „instandgesetzt und erneuert worden“. Der Stadtverkehr schneidet immer die letzten 48 Stunden mit, danach wird das Videomaterial automatisch wieder überschrieben. Zielke: „Unsere Technik ist auf dem neuesten Stand.“

Das wünscht sich SPD-Politiker Zahn auch für den Bahnhof. „Wenn wir schon nicht in der ersten Runde berücksichtigt werden, dann hoffentlich in der zweiten.“ Christdemokrat Mauritz will CDU- Bundestagsabgeordnete Alexandra Dinges-Dierig bitten, in Berlin zu klären, warum die Bahn Lübeck nicht als verbesserungswürdig ansieht. Und so lange hofft er, dass die alten Kameras im Hauptbahnhof „zumindest funktionieren“.

In Zahlen

5000 Videokameras hängen in rund 700 Bahnhöfen — bundesweit gibt es 5400 Haltepunkte. Daneben sind 26 000 Kameras in Regionalzügen und S-Bahnen installiert. Laut Bahn werden so „rund 80 Prozent der Fahrgastströme von Kameras erfasst“.

Die Bundespolizei ist mit 5000 Beamten in Deutschlands Bahnhöfen unterwegs. Die meisten Delikte sind Taschendiebstähle und andere Diebstähle.

Von Peer Hellerling

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