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Lübeck Bahnhofsbrücke wird frühestens 2019 neu gebaut
Lokales Lübeck Bahnhofsbrücke wird frühestens 2019 neu gebaut
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22:59 13.05.2017
Die Bahnhofsbrücke wurde 1907 gebaut und sollte längst erneuert sein. Doch erst muss die Possehlbrücke fertig werden. Quelle: Fotos: Maxwitat, Malzahn
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Lübeck

Eine nach der anderen. Lübecks marode Brücken zu sanieren, ist ein Puzzlespiel. Die Bahnhofsbrücke wird erst 2019 gebaut – frühstens. Dadurch könnten Lübeck Fördergelder in Millionenhöhe verloren gehen. Grund für die Zeitverzögerung bei der Bahnhofsbrücke: Die neue Possehlbrücke muss erst fertig sein. Die Querung wird aktuell noch gebaut. Doch die Arbeiten dauern fast doppelt so lange wie geplant. „Die Bahnhofsbrücke wird erst angefangen, wenn die Possehlbrücke fertig ist“, sagt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Denn zwei lübsche Hauptverkehrsadern gleichzeitig zum Nadelöhr werden zu lassen, würde zu einem Verkehrskollaps führen.

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Unklar ist, ob es dann noch Fördergelder für die Querung gibt – 2017 wird weiter an der Possehlbrücke gearbeitet, auch die Josephinenbrücke wird saniert.

Klar ist aber: Die Lübecker müssen auf Jahre hinaus mit Staus rund um die Innenstadt rechnen. Voraussichtlich bis 2022. Denn die Bauzeit der Bahnhofsbrücke beträgt dreieinhalb Jahre. Wenn es 2019 losgeht, ist sie frühstens 2022 fertig. Über die Bahnhofsbrücke rollen täglich 39000 Autos. Die Querung soll während der Bauzeit zwar weiter in beide Richtungen befahrbar sein – allerdings nur auf einer Spur. Zudem: Die Possehlbrücke ist bereits seit März 2015 halbseitig gesperrt und nur noch stadteinwärts zu befahren. Der Neubau soll nach dem letzten Stand im Juni 2018 fertig sein. Über die Possehlbrücke fahren täglich 30500 Autos. Unterm Strich bedeutet das insgesamt sieben Jahre Stau – mindestens.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: das Geld. Wird die Bahnhofsbrücke später gebaut, wird es teuer für die Stadt. Lübeck könnten 5,5 Millionen Euro durch diese Bauverzögerung verloren gehen. Denn ein wichtiges Förderprogramm des Bundes läuft Ende 2019 aus: das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG).

Die Rechnung: Der Neubau der Bahnhofsbrücke kostet 19 Millionen Euro. Davon zahlt die Deutsche Bahn 6,5 Millionen Euro. Bleiben 12,5 Millionen Euro, die Lübeck aufbringen muss. Die Stadt hofft, dass der Bund davon 5,5 Millionen Euro aus den GVFG-Geldern übernimmt. Doch wenn es das Programm beim Start der Bauarbeiten nicht mehr gibt, gibt es auch kein Geld – und die Hansestadt muss 12,5 Millionen zahlen.

Ob Gelder aus dem GVFG möglicherweise doch noch zur Verfügung stehen, bleibt fraglich. Zwar haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder- Chefs in der vergangenen Woche im Groben über die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern geeinigt. In dem Papier ist notiert: GVFG wird fortgeführt. Das klingt toll. Ist aber nicht eindeutig. Auch im Kieler Verkehrsministerium ist man unsicher, was diese Aussage bedeutet. Denn schon vor anderthalb Jahren gab es Streit über diese Formulierung. So hieß es bei einem ähnlichen Treffen: Die GVFG-Gelder fließen auch nach 2019. Aber: Der Bund wollte Großprojekte wie S-Bahnen finanzieren – keine Gemeindestraßen wie die Bahnhofsbrücke. Damit ist unklar, wie die Finanzierung der lübschen Bahnhofsbrücke nun aussieht.

Was fest steht: Vor dem Neubau der Bahnhofsbrücke muss nicht nur die Possehlbrücke fertig sein, sondern auch die Josephinenbrücke. Die 20 Meter lange Querung verbindet die Einsiedelstraße mit der Posener Straße. Sie wird zur Ausweichroute, wenn die Bahnhofsbrücke neu gebaut wird. Doch die Josephinenbrücke ist selbst marode. Seit Mitte Juli 2015 dürfen keine schwere Laster mehr hinüberfahren.

Ab zwölf Tonnen ist sie gesperrt. Jetzt wird sie 2017 für 1,4 Millionen Euro saniert. Betroffen davon sind täglich 14200 Wagen.

Komplizierter Bau

Die Bahnhofsbrücke führt über Gleise. Doch wenn an der Brücke gearbeitet wird, darf dort kein Zug fahren. Daher müssen im Vorwege Sperrpausen mit der Bahn festgelegt werden; bis 2020 sind sie teilweise verhandelt. Die neue Querung wird breiter als jetzt. Sie wird statt derzeit vier Spuren dann sechs Spuren haben. Stadteinwärts kommt eine separate Busspur hinzu. Stadtauswärts soll es einen Rechtsabbieger in die Schwartauer Allee geben.

 Josephine von Zastrow

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