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Lübeck Ballon landet auf Baustelle
Lokales Lübeck Ballon landet auf Baustelle
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17:40 12.06.2017
Und plötzlich war da ein Ballon. Ein Heißluftballon musste am Samstagabend auf dem Baustellengelände notlanden. Quelle: Lasse Frank
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Lübeck

Es ist 20 Uhr, als Robert Meyknecht die Gasflamme seines Heißluftballons aufdreht und von der Wiese am Moislinger Freibad abhebt. Der Wind weht leicht aus Westen, der Ballon gondelt gemütlich über die Dächer der Stadt. Sechs Personen haben die Fahrt gebucht und bestaunen Lübeck von oben. „Dann drehte der Wind zurück und kam nur noch schwach aus Südwest“, erzählt der Ballon-Pilot später, „wir mussten uns zügig einen Landeplatz suchen. Da kam uns der Supermarkt-Parkplatz gerade recht.“

Ein Penny-Parkplatz auf Marli wird kurzerhand zur Landebahn. Die Geschäfte sind bereits geschlossen, für Robert Meyknecht eigentlich keine große Sache.

Und plötzlich war da ein Ballon. Ein Heißluftballon musste am Samstagabend auf dem Baustellengelände notlanden.

Vom Boden sieht die Situation aber dramatischer aus. Besorgte Bürger beobachten den tieffliegenden Heißluftballon, der nur knapp über den Dächern des Kaufhofs schwebt. Sie befürchten gar den Absturz des Ballons und rufen die Polizei. Die Beamten kommen und sperren gegen 21.30 Uhr den Parkplatz ab, außerdem stehen Feuerwehr und Rettungswagen bereit. „Die Stimmung bei mir und meinen Gästen war bestens. Zumindest bis ich das ganze Blaulicht sah“, erzählt Robert Meyknecht. Für ihn war es eine reine Sicherheitslandung, für die Beobachter am Boden eine Notlandung.

„Der Eindruck täuscht, es bestand zu keiner Zeit eine Gefahr, es gab keinen Anlass für einen solchen Aufwand. Wir mussten nur landen, weil wir sonst über das Lauerholz gefahren wären – und dann wäre es mit der Landung schwierig geworden.“ Das bestätigt auch die Polizei. „Vom Boden aus sah es vielleicht so aus, als würde eine Gefährdung bestehen. Es war allerdings eine gewöhnliche Landung“, so Polizeisprecherin Ann-Christin Schreiber.

Auch Thomas Voss bekommt wenige Hundert Meter weiter den gedrehten Wind zu spüren. Er ist gleichzeitig mit Meyknecht in Moisling gestartet. „Ein festes Ziel hat man mit einem Heißluftballon nie. Aber es sollte in Richtung Blankensee gehen“, erzählt der Pilot. Doch der „eingeschlafene“ Wind habe ihn kalt überrascht. „Da nimmt man den nächsten Landeplatz, den man kriegen kann.“ Für ihn ist das ein Baustellengelände im Wohngebiet an der Wasserkunst an der Ratzeburger Allee. Auch hier sperrt die Polizei für rund eine Viertelstunde die umliegenden Straßen ab.

Von einer Notlandung will aber auch Thomas Voss nichts wissen: „Man weiß nie, wo man landet. Es war alles völlig normal, nichts Dramatisches.“ Ein Heißluftballon ist nicht direkt steuerbar. Deshalb gilt für ihn ein allgemeines Landerecht.

Das beste Wetter für eine Ballonfahrt ist schwacher Wind. Außerdem dürfen keine starken Böen aufkommen, da die Ballonhülle unten offen ist und durch die Böen zusammengedrückt werden kann. In solchen Fällen sinkt der Ballon rapide. Ballonfahrten werden insbesondere im Sommer in den späten Abendstunden angeboten. Tagsüber herrscht meist eine warme, aufsteigende Bodenluft, die eine Thermik erzeugt und den Ballon so aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Von Maike Wegner

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