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Lübeck „Bankraub“ aufgeklärt
Lokales Lübeck „Bankraub“ aufgeklärt
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18:35 07.06.2017
Quelle: Agentur Tollerort
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Lübeck

Die „Diebe“ haben offenbar am helllichten Tage gehandelt, hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihr Vorgehen zu verschleiern. Letzte Woche entfernten vermeintliche „Bankräuber“ zwei je 250 Kilo schwere Eichenbänke vom Ufer des Elbe-Lübeck-Kanals. Aufstellen lassen hatte sie der SPD-Ortsverband Moisling.

Wer tut so etwas? Antwort: eine Behörde. Nachdem am Sonnabend in den LN über das Verschwinden der durchaus wertvollen Bänke (je 300 Euro) berichtet worden war, meldeten sich am Dienstag Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Lauenburg bei der Polizei. „Es wurde mitgeteilt, dass sich die beiden Parkbänke auf deren Betriebshof befänden“, sagt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Bereichern wollten sich die WSA-Mitarbeiter aber wohl nicht. Ihr Motiv war vielmehr der Umstand, dass die Bänke ohne Genehmigung aufgestellt worden waren. „Zudem bestand die Gefahr, dass sie wegen mangelnder Befestigung bei Hochwasser weggespült werden könnten“, berichtet Gerlach. Deswegen habe man sie abgebaut, abtransportiert und nach Lauenburg in Sicherheit gebracht.

Laut Aydin Candan, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsverbands Moisling, seien die beiden schönen Eichenbänke aber sehr wohl genehmigt worden. Und zwar von der Hansestadt Lübeck höchstpersönlich, die in dieser Angelegenheit wahrscheinlich gar nichts zu entscheiden hatte.

Zuständig für Wasser, Ufer und Weg ist in diesem Fall nämlich tatsächlich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt; und zwar das Lauenburger. Aufgestellt hatte man die Bänke zwischen Geniner Brücke und Eisenbahnbrücke. Dort befindet man sich nahe dem sogenannten Kilometer 0. „Kilometer 0“, das ist nicht etwa ein rechtsfreier Raum, sondern der Punkt, an dem die Trave zum Elbe-Lübeck-Kanal wird oder andersrum. „Die Zuständigkeit des Lübecker WSA endet an der Geniner Brücke“, erklärt Amtsleiter Henning Dierken. Aber im Grunde ist das irrelevant. Ihn hatte ja sowieso niemand gefragt.

Die Stadt möchte die Sachlage nun klären: „Wir werden mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg in Kontakt treten“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Man sei froh, dass die Bänke wieder da sind, nun wolle man schnellstmöglichst dafür sorgen, dass sie wieder aufgestellt werden.

Das wünscht sich natürlich auch der SPD-Ortsverband Moisling. „Ich hatte nicht die Hoffnung, dass unsere Bänke wieder auftauchen“, sagt Candan. Umso größer die Freude, dass es gar keinen richtigen Diebstahl gegeben hat. Für die zuständige Behörde – welche auch immer sich jetzt angesprochen fühlt – hat er noch eine Information im Gepäck: „Wir werden wieder eine Genehmigung beantragen.“ Und zwar für drei Bänke. „Nach dem Artikel hat sich nämlich ein Sponsor gemeldet, der uns noch eine Bank finanziert.“  Luisa Jacobsen

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