Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bausenator: 25 Bewerber wollen zur Super-Casting-Show
Lokales Lübeck Bausenator: 25 Bewerber wollen zur Super-Casting-Show
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:33 10.11.2016
Amtierender Senator: Franz-Peter Boden (65, SPD) gewann 2003 die „Bausenatoren-Casting-Show“ – das war ein reines SPD-Event. Montage: Maschlanka

sucht den Super- Bausenator. 25 Bewerber wollen den Job – darunter vier Frauen. Unter den Kandidaten gibt es keine, die in der Stadt bekannt sind. Außerdem finden sich keine Politiker aus der Bürgerschaft unter den Interessenten. Aber: Vier bis fünf Kandidaten haben derart sachfremde Berufe, dass sie durchs Raster fallen. Das geht aus der Bewerberliste hervor, die den LN vorliegt. Übrig bleiben 20 Männer und Frauen, die das Bauamt leiten wollen – ab 1. Mai 2017. Dann geht Bausenator Franz- Peter Boden (SPD) in Rente. Er ist seit Mai 2003 im Amt. Damals hatte er sich gegen wesentlich mehr Bewerber durchgesetzt. Vor 13 Jahren wollten 45 Männer und Frauen den Job haben. Eigentlich wollte sich Boden schon vor zwei Jahren in den Ruhestand verabschieden. Doch die Wahl seiner Nachfolgerin geriet zum Desaster. Die beiden ausgewählten Frauen gingen kurz vor Toreschluss von den Fahnen, weil sie in politischen Kämpfen zerrieben wurden.

Das hat die jetzigen Bewerber nicht abgeschreckt. Sie alle möchten zur großen Casting-Show am 13. Januar eingeladen werden. Dieses halb-öffentliche Event ist ein Novum. Dort müssen sich ausgewählte Aspiranten den Fragen der Politiker und der lübschen Fachleute stellen. Wer zur Casting-Show eingeladen wird, entscheiden die Fraktionen. Sie müssen ihre Wunschkandidaten von der Liste benennen und sie bis zum 9. Dezember bei der Stadt melden. Dann werden die Erwählten eingeladen.

Das Spektrum der Bewerber reicht von Baudezernenten kleiner und mittlerer Städte über Chefs vom Gebäudemanagement bis hin zu Architekten. Es gibt auch Bewerber, die sich in Landes- oder Bundesbehörden ums Bauen kümmern. Die Kandidaten kommen aus München, aus dem Ruhrgebiet, aus Städten in den neuen Bundesländern und aus der Lübecker Region. Das Alter reicht von 38 bis 58 Jahre. Eine Parteizugehörigkeit haben die Bewerber nicht angegeben – aber mindestens ein CDU- und ein FDP-Mann sind dabei.

Die ersten Reaktionen auf die Kandidatenliste fallen unterschiedlich aus. Das konservative Lager freut sich über die berufliche Qualifikation der Bewerber. Die SPD hingegen reagiert eher zurückhaltend. „Der große Aha-Effekt ist bislang ausgeblieben“, sagt SPD- Fraktionschef Jan Lindenau. Für ihn fällt die Zahl der Interessenten für den Job mau aus. „Das Bewerberfeld ist eher verhalten“, so der SPD-Mann. Früher hätten sich 60 Kandidaten für einen Senatorenposten gefunden. Er will die Liste in den nächsten Tagen näher studieren. Sagt aber: „Der große Knaller ist wohl nicht dabei.“ Die Freien Wählern und Linken reagieren ähnlich. „Mich hat nichts groß umgehauen beim ersten Durchsehen“, sagt Fraktionschef Bruno Böhm.

Anders hingegen sieht es die CDU. „Da sind viele gute Leute dabei“, sagt CDU-Vormann Andreas Zander. Es scheine immer noch „attraktiv zu sein, in Lübeck Senator zu werden“. Sein Ziel: Nach der Casting-Show soll ein Kandidat feststehen, auf den sich alle Fraktionen einigen. „Wenn es geht, auch mit der SPD“, so Zander. Das war bei den jüngsten Senatorenwahlen nicht möglich. So stand die jetzige Senatorin Kathrin Weiher (parteilos) dem SPD-Mann Lindenau bei ihrer Wahl im November 2014 gegenüber. Sie setzte sich knapp gegen Lindenau durch. Noch während der Sitzung hatte die SPD versucht, ihren Kandidaten mit Hilfe eines Deals durchzubringen. Daher sagt Thomas Rathcke (FDP): „Wenn wir es so wie bei Frau Weiher machen könnten, wäre es gut.“

Eine ähnliche Situation gab es bei der Wahl zum Innensenator im Januar dieses Jahres. Da hieß es: Ludger Hinsen (CDU) gegen den damaligen Amtsinhaber Bernd Möller (Grüne). Zwar wurde Hinsen offiziell von der SPD unterstützt, um Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) eine zweite Amtszeit zu sichern – mit Hilfe der CDU. Zwar hielt der Deal zwischen den großen Parteien – aber nur knapp. Schindler wurde gewählt. Aber Hinsen setzte sich nur mit Mühe gegen Möller durch, denn etliche SPD-Leute stimmten für Möller.

Bei der Bausenatoren-Wahl dürfe es solche Deals nicht geben, hofft BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner. Denn es ist der einzige vakante Senatorenposten, den die Bürgerschaft in ihrer Wahlperiode noch besetzen kann. „Dennoch: Mal sehen, ob es wieder unmoralische Angebote gibt“, sagt Niewöhner. Er ist zufrieden mit der Auswahl. „Darunter sind viele interessante Leute.“ Auch Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt meint: „Lübeck scheint immer noch interessant zu sein.“

Die Auswahl

Ausgewählte Bewerber werden von der Stadt zur Casting-Show am 13. Januar eingeladen – und stehen dann einem großen Publikum von gut 80 Leuten gegenüber. Das besteht aus Politikern aller Fraktionen sowie lübschen Fachleuten vom Architekturforum, Bund Deutscher Architekten, Mieterbund, Haus- und Grundbesitzerverein, Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, Verband Wohneigentum Siedlerbund und von der Kreishandwerkerschaft. Am 26. Januar wählt die Bürgerschaft den neuen Bausenator.

 Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Schönster Standort an der Ostsee“: Der Stadtdiskurs in der Gemeinnützigen beschreibt eine rosige Zukunft für Travemünde. Kritische Fragen kamen aber zur Verkehrsinfrastruktur des Seebades und zum Kreuzfahrer-Standort.

10.11.2016

Lions verkaufen erneut Adventskalender von Ingrid Schmeck für guten Zweck.

09.11.2016

Interkultureller Musikunterricht in Eichholz.

09.11.2016
Anzeige