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Lübeck Baustelle Wehdehof: Alter Treibstoff im Boden entdeckt
Lokales Lübeck Baustelle Wehdehof: Alter Treibstoff im Boden entdeckt
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17:12 30.07.2016
Früher Tankstelle, heute Altlast: Im Wehdehof an der Ecke Fünfhausen/Beckergrube stand bis 1980 eine Fina-Tankstelle. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Die Baustelle Wehdehof hat es in sich: Jetzt ist auf dem Areal mitten in der Altstadt alter Treibstoff im Erdreich entdeckt worden. Der ist offenbar vor Jahrzehnten aus einem unterirdischen Tank ausgelaufen und in den Boden gesickert. Denn auf einem Teil des Areals stand früher eine Tankstelle. „Der Bereich ist eine Altlasten-Verdachtsfläche“, bestätigt Stadtsprecherin Nicole Dorel auf LN-Anfrage. Aktuell wird dort ein Parkhaus mit 630 Stellplätzen gebaut – für 10,5 Millionen Euro. Voraussichtlich Mitte August soll die Sanierung einer Teilfläche starten. „In den nächsten Tagen werden die Anwohner informiert“, so Anwalt Carsten Hunnekuhl, der die Bauherrin des Parkhauses vertritt.

Im Wehdehof war an der Ecke Fünfhausen/Beckergrube bis 1980 eine Fina-Tankstelle platziert. In den Boden waren drei Treibstoff- Tanks eingelassen. Die sind nach dem Aus der Tankstelle im Oktober 1980 auch fachmännisch von der Firma Possehl entsorgt worden. So ist es in den Akten der Stadt dokumentiert. Damals sei kein Schaden entdeckt worden, erklärt Dorel. Aber in einem der Tanks muss es ein Leck gegeben haben, aus dem Treibstoff ausgelaufen und in das Erdreich gesickert ist.

Die Krux: Der alte Treibstoff befindet sich im Boden teils auf städtischem Gelände und teils auf dem Areal, auf dem das Parkhaus derzeit errichtet wird. Die Eigentumsverhältnisse im Wehdehof sind nämlich kompliziert. Simpel gesagt: Der Stadt gehören in dem Karree die Flächen direkt an den Häusern, das sind meist Stellplätze. Sie verwaltet diese Flächen treuhänderisch. Das Innere des Innenhofs indes gehört der Bauherrin des neuen Parkhauses Wehdehof. Sie steht unter mächtigen Zeitdruck, denn eigentlich sollte Ende des Jahres das neue Parkhaus eröffnen.

„Das Ausmaß des Schadens wird begutachtet“, sagt Dorel. Mittlerweile liegen mehrere Expertisen vor – und ein Sanierungsplan. Der ist mit dem städtischen Bereich Umweltschutz abgesprochen. Finanziert habe ihn die Bauherrin, erklärt Hunnekuhl. Auf dem Areal des Parkhauses beginnt der Bodenaustausch voraussichtlich in zwei Wochen. Das Prozedere: Der verseuchte Boden wird ausgehoben und sofort in Lastwagen abtransportiert. Das Ganze steht unter ständiger Überwachung, ein Gutachter ist vor Ort. Auf dem Areal der Stadt dauert der Aushub noch etwas. Denn die Stadt versucht an den ehemaligen Eigentümer der Fläche ranzukommen. Dabei geht es auch darum, wer für den Austausch des kontaminierten Bodens zahlt.

Das Problem: Das belgische Unternehmen Petrofina, das die Tankstelle betrieben hat, existiert nicht mehr. 1999 fusionierte die Firma mit ihrem französischen Konkurrenten Total. Fraglich ist, inwieweit die Stadt die Total Deutschland GmbH in die Verantwortung nehmen kann. „Als Stadt müssen wir die Rechtsmittel ausschöpfen, damit der Rechtsnachfolger der Fina die Kosten für die Entsorgung übernimmt“, erklärt Dorel. Auch Hunnekuhl will die Kosten für die Entsorgung von Total wieder haben. Damit der Bau des Parkhauses vorankommt, finanziert seine Mandantin die Arbeiten vor.

Es ist ein schwieriges Unterfangen, die Kosten für Altlasten-Entsorgung im Nachhinein zurückzubekommen. Das lehrt ein anderer Fall in der Altstadt. Beim Bau des Haerder-Centers sind 2007 mitten in der City 100 000 Liter ausgelaufenes Öl gefunden worden. Sie waren offenbar aus einem alten Tank ausgeflossen, der dort in den 50er Jahren verbuddelt und später stillgelegt wurde. Die Entsorgung kostete 2,8 Millionen Euro. Haerder-Investor Joachim Tenkhoff verklagte die Deutsche Bank 2009 vor dem Landgericht, da der Heizungstank zum ehemaligen Bankgebäude gehörte, das dort früher stand. Genehmigt von der Hansestadt. Tenkhoff wollte, dass die Bank einen Teil der Entsorgungskosten übernimmt – und auch die Stadt. Doch er scheiterte mit seiner Klage. Das Landgericht Lübeck wies die Klage am 10. November 2009 ab.

Die Baustelle Wehdehof hat es in sich. Dort sind Mitte Juni nach Aussage der Stadt archäologische Funde verschwunden. Denn es wurde tiefer gebuddelt als genehmigt. Die Bauherrin indes widerspricht. Es sei nichts abtransportiert worden. Jetzt graben die Archäologen das Areal um und haben bereits Kloaken gefunden. Das hat an warmen Tagen bereits zu unangenehmem Gestank geführt. Dorel: „Der kommt nicht von den Altlasten, sondern aus den Kloaken.“

Josephine von Zastrow

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