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Lübeck Bahnhofsbrücke sorgt für Verkehrschaos
Lokales Lübeck Bahnhofsbrücke sorgt für Verkehrschaos
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10:48 13.09.2018
Stau, Stau, Stau: Direkt vor der lübschen Altstadtinsel stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Denn die Bahnhofsbrücke ist nur auf einer Spur pro Richtung zu befahren. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

 Nichts geht mehr. Seit Montag steht die Stadt wieder im Stau. Und das noch fünf Wochen – bis zum 20. Oktober. Denn die Bahnhofsbrücke wird notdürftig geflickt, damit sie nicht zusammenbricht. Kosten: 100 000 Euro. Autofahrer können nur eine Spur je Richtung nutzen statt wie bisher zwei Spuren. Betroffen sind täglich 33 000 Autos und 4700 Radfahrer. Die Bahnhofsbrücke gehört zu den wichtigsten Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Sie muss noch bis 2021 durchhalten. Dann startet der Neubau der Querung. Kosten: 19 Millionen Euro. Bauzeit: 3,5 Jahre.

Eine Stadt steht still

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses. „Die Verwaltung muss endlich ihre Hausaufgaben machen.“ Dass die ganze Stadt im Stau stehe, „zeige die Planlosigkeit der Verwaltung“. Er will das Thema im November im Ausschuss debattieren. „Ich bin ganz schön genervt“, gibt auch SPD-Verkehrs-Experte Ulrich Pluschkell zu. Er hat am Montag 45 Minuten vom Rathaus bis zum Hansering gebraucht. Normalerweise dauert die Fahrt 10 bis 15 Minuten. Arne-Matz Ramcke (Grüne) ist mit dem Rad am Stau vorbei gefahren. Sagt aber: „Es war ganz schön heftig.“ Thomas-Markus Leber (FDP) findet: „Es gibt nichts zu beschönigen. Es ist ziemlich frustrierend.“ Es könne einem Angst und Bange werden, wenn man an den Neubau denke. Auf den Punkt bringt es Katjana Zunft (Linke): „Das, was wir erlebt haben, war Chaos hoch zehn.“ Es könne nicht sein, dass die gesamte Stadt steht. „Der Tag hat gezeigt, dass das so nicht geht.“

Ideen gegen den Stau durch die Baustelle Bahnhofsbrücke. Quelle: Jochen Wenzel

Eine Ersatzbrücke gegen den Stau

Deshalb werden jetzt drei Lösungen diskutiert. Nummer eins: Eine Ersatzbrücke während der Zeit des Neubaus. Die hat die Verwaltung allerdings abgelehnt – zu kompliziert, zu teuer. „Das Thema ist für mich noch nicht durch“, stellt Pluschkell jetzt klar. Er hatte sich vehement dafür eingesetzt, dass eine Ersatzbrücke hinter dem IHK-Gebäude hinüber zur Katharinenstraße führt. „Es muss sichergestellt werden, dass zwei Spuren in jede Richtung befahrbar sind“, fordert er.

Meierbrücke zur Einbahnstraße machen

Idee Nummer zwei: Es entstehen zwei Einbahnstraßen. Auf der Meierbrücke sollen die Autofahrer in Richtung Innenstadt rollen. Auf der Bahnhofsbrücke indes würden die Autofahrer auf zwei Fahrspuren stadtauswärts fahren. Dadurch würde der Verkehr entzerrt. „Wir müssen großräumiger denken“, sagt Leber. Der Liberale hatte die Idee. Weiß aber auch: „Am schwierigsten wird es am Ziegelteller.“ Denn dort balle sich dann der Verkehr im Kreisverkehr. Doch der Grüne Ramcke unterstützt diese Lösung: „Wir müssen den Verkehr aufteilen.“

Klicken Sie hier, um zu sehen, wie die Bauarbeiten auf den Lübecker Brücken vorangehen. Stand: Mittwoch, 12. September.

Friedenstraße wieder öffnen?

Vorschlag Nummer drei: Die Friedenstraße wird wieder geöffnet. Das ist eine Idee, die nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wird. Denn kein Politiker möchte sie laut aussprechen und damit den Ärger der Anwohner auf sich ziehen. Die Lübecker im Viertel rund um die Friedensstraße hatten Jahre lang für weniger Verkehr gekämpft. Ihre Straße war zur Durchgangsstraße vom Lohmühlenteller zur Marienbrücke geworden – mit 14 500 Autos am Tag. Sie hatten Erfolg. Die Friedenstraße wurde am 8. Januar 2009 geschlossen. Der Verkehr reduzierte sich um zwei Drittel – auf 5700 Wagen.

Verspätete Busse

Die Bahnhofsbrücke ist auch für die öffentlichen Busse ein neuralgischer Punkt, denn täglich rollen zwölf Linien über die Bahnhofsbrücke – in beide Richtungen.

Die Busse hatten am Montag und am Dienstag bis zu einer Stunde Verspätung. Betroffen waren alle Linien im gesamten Stadtgebiet. Das bestätigt die Sprecherin des Stadtverkehrs. Am Mittwoch gab es bis zum Nachmittag eine leichte Besserung. Im Feierabendverkehr indes herrschte wieder Stau in der Stadt.

Stadtspitze beschwichtigt

Derweil verteidigt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) die Baustelle Bahnhofsbrücke. „Das ist die Maßnahme mit dem geringstmöglichen Schaden.“ Denn er hatte den Neubau der Querung verschoben, weil die Possehlbrücke immer noch nicht fertig ist. Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) erklärt: „Wir haben ein großes Dilemma.“ Die Stadt könne sich nicht mehr aussuchen, ob sie eine Brücke repariert, da sie so marode sind. „Wir versuchen eine Vollsperrung zu vermeiden.“ Hagen beschwichtig: „Es kommt in Stoßzeiten zu Engpässen.“ Sie sagt: „Die Zeit werden wir als Stadtgesellschaft durchstehen müssen.“

Josephine von Zastrow

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