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Lübeck Baustellen-Chaos an der Untertrave nervt Anwohner
Lokales Lübeck Baustellen-Chaos an der Untertrave nervt Anwohner
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12:18 31.08.2017
„Die Stadt sollte die Tempobegrenzung besser kennzeichnen.“Bettina Pistor, Anwohnerin
Innenstadt

Der dunkelrote Nissan Micra kommt über die Drehbrücke gefahren. Er schlängelt sich durch ein Meer von rot weißen Warnbaken. Der Fahrer, der bei diesen Temperaturen die Fenster offen hat, will links in die Straße „An der Untertrave“ einbiegen. Ganz langsam rollt er auf die Kreuzung zu und versucht nach rechts zu schauen. Er hat offensichtlich Probleme, in seinem Kleinwagen über die Warnbaken zu blicken, die etwas erhöht auf dem Bürgersteig stehen. Er rollt weiter, sein Fahrzeug steht schon fast auf der Kreuzung. Plötzlich kommt ein Auto. Er bremst, fast hätte es einen Unfall gegeben. Der Fahrer gestikuliert wild mit seinen Händen und schreit: „Hier kann man gar nichts sehen! Was soll so ein Schwachsinn?“

Kritik an Baustelleneinrichtung – Hohe Banden versperren die Sicht – Autofahrer ignorieren Einbahnstraßenregelung und suchen Schleichwege durch die Altstadt.

Er ist nicht der Einzige, der diese Kreuzung gefährlich findet. „Wir haben einige Hinweise von Verkehrsteilnehmern bekommen und die Kreuzung durch entsprechende Beschilderung einsichtiger und sicherer gemacht“, sagt Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

Gegenüber sitzt ein Mann auf einer Bank, der die Szene beobachtet hat. „Die Lübecker können alle kein Auto fahren“, sagt er. Anscheinend hat er seinen Spaß, schließlich sitzt er schon eine ganze Weile auf der Bank und beobachtet den Baustellenverkehr. „Heute Morgen war es noch schlimmer. Die verstehen nicht, was Vorfahrt bedeutet. Guck mal da, zack, der rast einfach los! Die können einfach kein Auto fahren.“

Ein paar Meter weiter auf der Höhe der Straße Große Altefähre ist die Straße für Autofahrer, die in Richtung Holstentor fahren, gesperrt. Sowohl in der Kanalstraße als auch in der Hafenstraße vor der Hubbrücke weisen Schilder darauf hin. Trotzdem fahren immer wieder Autos bis zur Absperrung, bleiben stehen, drehen um oder fahren links in die Straße Große Altefähre. Der Fahrer eines großen Wohnwagens hat sich etwas Besonderes ausgedacht. Er steht vor dem „Durchfahrt-verboten“-Schild, überlegt einen kurzen Moment, quetscht sich neben der Absperrung durch und fährt Richtung Drehbrücke.

Ein Mofafahrer folgt ihm. Nach etwa 200 Metern drehen beide wieder um, weil sie merken, dass tatsächlich kein Durchkommen ist.

Die meisten Autofahrer biegen allerdings in die Große Altefähre ein, fahren dann in die Kleine Burgstraße auf den Koberg und von dort weiter. Jürgen Strobl fährt auf seinem Fahrrad die Straße hoch.

Der 78-Jährige ist nicht besonders schnell, schließlich geht es bergauf. Hinter ihm fährt ein silberner Kombi. Der Wagen mit Dortmunder Kennzeichen fährt ziemlich dicht auf. Als Strobl sein Zuhause erreicht hat und sein Fahrrad in den Hauseingang stellen will, ruft der Autofahrer aus dem Fenster: „Na, endlich!“, gibt Gas und fährt weg. „Du darfst hier gar nicht fahren“, versucht Strobl noch hinterherzurufen. „Was für eine Frechheit. So geht das hier, seitdem die Baustelle da ist.“

Auch Bettina Pistor ist die Baustellensituation in Lübeck leid. „Gestern wäre meine Katze fast überfahren worden“, sagt die 65-Jährige, die in der Kleinen Burgstraße wohnt. „Die lasse ich nicht mehr raus, solange die Leute hier so schnell fahren. Schade, bei dem schönen Wetter heute.“ Auch ihre Fenster will sie wegen der Abgase der vielen Autos nicht mehr öffnen. „Die Wagen kommen aus ganz Deutschland, die meisten haben keinen Parkausweis und rasen wie die Bescheuerten. Das ist gefährlich. Vielleicht sollte die Stadt die Tempo-30-Schilder besser kenntlich machen.“ Und sagt dann, was viele dort denken: „Das ist ein totales Chaos hier.“

 Hannes Lintschnig

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