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Lübeck Bei der Suchtprävention hat Lübeck noch Nachholbedarf
Lokales Lübeck Bei der Suchtprävention hat Lübeck noch Nachholbedarf
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20:46 09.11.2017
Friedemann Ulrich, Kerstin Mechnich und Dr. Markus Weber (v. l.) zeigen die „EfA“-Broschüre. Quelle: Foto: Dor
Lübeck

Von den Anonymen Alkoholikern hat jeder schon gehört. Aber wer ist Clic, Club 72 oder Narcotics Anonymous? Das alles sind Selbsthilfegruppen von Süchtigen, die in der Broschüre „EfA“ („Eine Broschüre für Alle“) zusammengefasst sind. „Diese Broschüre wird Patienten in die Hand gedrückt“, berichtet Dr. Markus Weber, Chefarzt der Median Klinik und Vorstandsmitglied der „Lübecker Koordination für Suchtfragen“ (LKS). „Die Hilfslandschaft ist zersplittert“, erläutert Weber, „solche Kontaktdaten sind für Süchtige oft nur schwer zu finden.“

Die Broschüre ist ein Beispiel für das ganz praktische Wirken der vor zehn Jahren gegründeten LKS, die sich als Netzwerk, Sprachrohr und Expertenteam für alle Fragen rund um die Süchte begreift. In der LKS sitzen die Beratungsstellen von Awo-Drogenhilfe und Vorwerker Diakonie, Fachkliniken, „Die Brücke“, das UKSH und die Hansestadt. Neun Mitglieder zählt die LKS, die mit Krankenkassen, Rentenversicherungen, Verwaltungen und Politik den Austausch sucht. Mit Erfolg. Jahrelang mussten Süchtige, die aus der Entgiftung kamen und in die Reha wollten, wochenlange Wartezeiten überbrücken.

„Das hat häufig zu Rückfällen geführt“, sagt Weber. LKS und die Rentenversicherung Nord haben vor fünf Jahren ein abgekürztes Verfahren vereinbart. Weber: „Das ist inzwischen bundesweit Standard.“

Die LKS hat sich in einem Projekt für die bessere Versorgung von Kindern drogenabhängiger Eltern gekümmert. Sie plant für 2018 ein Projekt zum Thema „Sucht und Arbeit“, bei dem die Beratungsstellen mit dem Jobcenter zusammenarbeiten. Die LKS macht Sucht im öffentlichen Raum zum Thema. „Wir dürfen nicht immer nur auf die Szene am Krähenteich gucken“, erklärt Kerstin Mechnich von der Awo- Drogenhilfe, „Alkohol und Kiffen sind auch Themen für Travemünder Woche, Fußballspiele und Stadtteilfeste.“ Bei diesem Projekt gehe es auch um die Frage, welche Haltung die Stadt zu legalen Drogen im öffentlichen Raum einnimmt, erklärt Friedemann Ulrich von der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie und LKS-Vorstandsvorsitzender.

Die Suchthilfe-Träger haben sich auch gemeinsam dafür eingesetzt, dass die historische, finanzielle Benachteiligung der Lübecker gegenüber den Kieler Beratungsstellen abgeschafft wird. Nach Angaben von Friedemann Ulrich will der zuständige Kieler Sozialminister Heiner Garg (FDP) eine halbe Million Euro zusätzlich in die Suchthilfe geben. „Wir rechnen damit, dass mehr Geld nach Lübeck kommt“, sagt Ulrich. Die Budgetverträge der Träger mit der Stadt laufen noch bis 2020. Aus diesen Verträgen sei die Suchtprävention gestrichen worden, berichten die Suchtexperten. Prävention wie beispielsweise in Schulen werde nur noch durch Projektmittel finanziert. Kerstin Mechnich, Leiterin der Awo-Drogenhilfe, sieht auch Nachholbedarf bei der Straßensozialarbeit. Bislang deckt der Budgetvertrag nur die Innenstadt ab. „Straßensozialarbeit muss ausgebaut werden“, fordert Mechnich, „und wir brauchen auch mehr Aufenthaltsräume im ganzen Stadtgebiet für Süchtige.“

Die Beratungsstellen würden auch gern offensiver auf die Menschen zugehen, berichtet Friedemann Ulrich. Viele, die ein Problem haben, suchen die Berater gar nicht auf.

Von Kai Dordowsky

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