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Lübeck Beltquerung: 3000 Haushalte erhalten Lärmschutz
Lokales Lübeck Beltquerung: 3000 Haushalte erhalten Lärmschutz
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14:32 09.08.2018
In Lübeck möchte die Bahn mit der Installation von Schallschutzwänden die Anwohner vor dem Lärm von rund 78 zusätzlichen Güterzügen schützen. Quelle: Foto: Bahn
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Lübeck

St. Lorenz Nord, St. Lorenz Süd, Buntekuh und Moisling sind nach Angaben der Stadtverwaltung besonders vom Beltquerungslärm betroffen. Die Bahn hat eine Abschätzung zum Betriebslärm für den Bereich südlich des Hauptbahnhofs vorgenommen. Projektleiter Bernd Homfeldt: „Die Abschätzung ergab, dass rund 3000 Haushalte von der Lärmvorsorge betroffen sind.“ Dabei geht es laut Stadtverwaltung um den nächtlichen Lärmpegel von mehr als 50 Dezibel.

Die Bahn will dort mit Schallschutzwänden die Belastung senken. Diese Wände im Bereich des Güterbahnhofs sollen drei bis sechs Meter hoch sein. Der Clou: Das Unternehmen plant nicht nur neben, sondern auch zwischen den Gleisen solche Wände. Genug Platz sei vorhanden, erklärt Homfeldt. 95 Prozent der 3000 betroffenen Haushalte hätten damit ausreichenden Lärmschutz. Für die Bewohner von 150 Wohnungen und Häusern reicht dieser sogenannte aktive Schallschutz nicht aus. Sie brauchen zusätzlich Schallschutzfenster.

Stadt will Vollschutz

Die Stadt aber will einen sogenannten Vollschutz für die Anwohner der Bahntrasse auf dem Stadtgebiet. Diese Forderung hat sie im Dialogforum zur Festen Fehmarnbeltquerung Ende Juni dieses Jahres eingebracht. Vollschutz bedeute, den Lärmschutz beispielsweise durch Schutzwände so zu dimensionieren, dass kein Haushalt mehr extra Schallschutzfenster braucht.

Erhebliche Uneinigkeit herrscht zwischen Bahn und Stadt über die Frage, ob der Hauptbahnhof genug Platz für die zusätzlichen Personen- und Güterzüge hat. Die Stadtverwaltung geht insgesamt von 190 zusätzlichen Zügen bis 2030 aus. Laut Bahn könnten es weniger werden, eine neue Schätzung soll demnächst vorgelegt werden. Ob der Hauptbahnhof das bewältigen kann, soll ein sogenannter Stresstest feststellen. „Ein Stresstest unter Einbeziehung sämtlicher Verkehrsträger wurde von der Hansestadt wiederholt bei der Bahn eingefordert, bislang aber seitens der DB nicht durchgeführt“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Optisch ansprechende Schutzbauwerke

Die Bahn verweist auf eine „Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung“, die die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur überprüft. Diese Untersuchung sei auch für den Knoten Lübeck vorgenommen worden. Ergebnis: Die Schienenanbindung der Beltquerung sei „angemessen und robust dimensioniert“. Die Stadt kontert, diese Untersuchung stamme von 2012 und habe nicht alle Zugbewegungen berücksichtigt. Beispielsweise fehle der Zugverkehr der Hafenbahn. Nicole Dorel: „Die Frage, ob der Hauptbahnhof die wachsenden Zugbewegungen angemessen bewältigen kann, ist aus unserer Sicht noch nicht geklärt.“

In ihren „Forderungen zur verträglichen Umsetzung der Schienenhinterlandanbindung“ von Ende Juni meldet die Hansestadt zudem Wünsche nach optisch ansprechenden Schutzbauwerken an. „In Bereichen, in denen die geforderte Umsetzung aktiven Lärmschutzes aus Gründen der Beeinträchtigung der Blickbeziehungen zur Unesco-geschützten Altstadtsilhouette nicht vertretbar ist, sind Schutzbauwerke in Form von Einhausungen beziehungsweise Teileinhausungen zu errichten“, heißt es in dem Papier, das gelte vor allem für die Katharinenstraße und Teile der Bahnstrecke nach Moisling. Die Bahn lehnt das ab.

Vorlage für Bundestag

„Die DB zieht eine Einhausung derzeit nicht in Betracht“, sagt Projektleiter Homfeldt. Eine Einhausung – so eine Art Tunnel, der sieben bis acht Meter hoch ist – brauche Platz für Stützen und Fundamente neben dem Gleiskörper und sei im Bereich des Bahnhofes ungeeignet. Homfeldt: „Aus städtebaulicher Sicht ist eine Einhausung als kritisch zu betrachten.“ Das müsse im Einzelfall geprüft werden, sagt die Stadtverwaltung – beispielsweise bei tiefergelegten Strecken.

Anfang September leitet die Bahn den Forderungskatalog des Dialogforums dann an das Bundesverkehrsministerium in Berlin weiter. Das erstellt dann eine Vorlage für den Deutschen Bundestag, der über die Gelder für den Lärmschutz entscheidet.

Bis zum Bau der Schutzwände oder anderer Bauwerke bleibt aber auch noch viel Zeit. Bahnsprecher Peter Mantik schätzt, dass der Bau der Schienenanbindung für die Beltquerung Ende 2021/Anfang 2022 startet. Die Schutzmaßnahmen für Lübeck müssen fertig sein, wenn der Verkehr auf der Beltquerung rollt. Mantik: „Bis 2028 haben wir Zeit für die Schallschutzwände.“

Von Kai Dordowsky

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