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Lübeck Berlin lehnt Förderung von Lübecks E-Bussen ab
Lokales Lübeck Berlin lehnt Förderung von Lübecks E-Bussen ab
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16:06 13.10.2018
Zwei Elektrobusse hat der Stadtverkehr bereits im Betrieb, sechs weitere sollen angeschafft werden. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Die Hansestadt wird klimapolitisch von Berlin ausgebremst. Der Stadtverkehr bekommt überraschend keine Fördermittel für die Anschaffung von Elektrobussen. „Das Bundesumweltministerium lehnte unseren Förderantrag entgegen positiver Signale im Frühjahr jetzt ab“, erklärt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke. Die Entsorgungsbetriebe (EBL) bekommen keine finanzielle Unterstützung vom Bund für die Hardware-Nachrüstung von Müllfahrzeugen. „Nach jetzigem Stand wird Lübeck bei der Umrüstung von kommunalen Dienstfahrzeugen ab 3,5 Tonnen nicht gefördert“, sagt Unternehmenssprecherin Cornelia Tews. Begründung in beiden Fällen: Lübeck gehört nicht zu den Städten mit besonders belasteter Luft.

Gerlinde Zielke vom Stadtverkehr: 70 Prozent der Busse werden umgestellt. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Der Stadtverkehr schaffte 2017 zwei E-Busse an, die im Linienverkehr eingesetzt werden. Die Busse kosteten zusammen rund eine Million Euro, Berlin gab knapp 28.000 Euro an Fördergeldern dazu. In diesem und im nächsten Jahr sollen sechs weitere Fahrzeuge gekauft werden. Drei davon auch ohne Bundesförderung. „Wir halten an unserem Plan fest, bis 2030 gut 70 Prozent unserer Busflotte auf E-Mobilität umzustellen“, erklärt Gerlinde Zielke – das sind 140 Fahrzeuge. Bereits im vergangenen Jahr hat der Stadtverkehr seinen Betriebshof im Ratekauer Weg auf E-Mobilität umgerüstet. Dort können jetzt parallel 20 E-Busse geladen werden.

Hoffnung auf neuen Fördertopf

Ende Oktober geht eine europaweite Ausschreibung für drei E-Busse raus. Zielke: „Auch wenn das schmerzhaft ist, wir wollen den Klimaschutz vorantreiben.“ Aktuell betragen die Lieferzeiten von E-Bussen zwölf Monate. Mit einer Lieferung rechnet der Stadtverkehr Ende 2019. Im nächsten Jahr werden nochmal drei E-Busse bestellt. Für die hofft das Unternehmen auf einen neuen Fördertopf in Berlin – diesmal vom Bundesverkehrsministerium. Diese Busse werden voraussichtlich erst 2020 zur Verfügung stehen. Weil die Hersteller mit dem Bau von E-Bussen nicht hinterherkommen, verhandelt der Stadtverkehr mit verschiedenen Herstellern über Abrufkontingente.

Im August kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Flensburg die Hardware-Nachrüstung von schweren Kommunalfahrzeugen an. Dafür soll es Geld vom Bund geben. Die Bürgerschaft forderte Ende August die Verwaltung auf, bis zum November die Kosten auszurechnen, die auf Lübeck zukommen könnten. Außerdem forderte die Stadtvertretung einstimmig, dass der Bund komplett für die Nachrüstung aufkommen solle.

Cornelia Tews von den Entsorgungsbetrieben: Es gibt 20 Mülllaster mit Euro 6. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Die Entsorgungsbetriebe (EBL) haben recherchiert und herausgefunden, dass Lübeck für die Hardware-Nachrüstung schwerer Dieselfahrzeuge gar keine Förderung erhält. 180 Lastwagen und 54 Pkw umfasst der Fuhrpark der EBL. Von den rund 40 Müllfahrzeugen sind die Hälfte Euro 6 und 25 Prozent Euro 5. Ein Viertel der Mülllaster ist älter als zwölf Jahre. Tews: „Da stellt sich die Frage, ob sich eine Nachrüstung überhaupt noch lohnt.“ Pkw und Kleintransporter sollen soweit möglich durch E-Fahrzeuge ersetzt werden. Im März wurde eine elektrisch betriebene Kehrmaschine in Betrieb genommen. Und die EBL suchen auch nach E-Mülllastern. Tews: „Das geht aber nur mit staatlicher Förderung.“

LHG kritisiert Autoindustrie

Wie ist der Stand bei den städtischen Gesellschaften in Sachen E-Mobilität? Die Verwaltung hat der Bürgerschaft eine Abfrage vorgelegt. Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), die gerade eine Schnellladesäule für E-Autos am Hafenhaus in Betrieb genommen hat und Elektrofahrzeuge anschaffen will, geht mit den Herstellern schwer ins Gericht. „Aktuell kann die Unterstützung der deutschen Automobilindustrie als völlig ungenügend eingestuft werden“, sagt die LHG-Chefetage, „für den Einsatz von Elektrozugmaschinen als Tugmaster fehlt es an leistungsfähigen Angeboten.“

Die Stadtwerke schaffen in den nächsten Jahren elf weitere E-Autos an, die KWL will ihren Fuhrpark verkleinern und ein E-Auto kaufen, die Grundstücksgesellschaft „Trave“ hat zwei E-Autos bestellt, der Kurbetrieb Travemünde hat 2017 einen E-Transporter angeschafft, das Entsorgungszentrum Lübeck will einen Pkw durch ein E-Auto ersetzen, die Chefin der MuK, Ilona Jarabek, fährt seit Januar elektrisch, die Schwimmbäder wollen zwei E-Autos erwerben, wenn die jetzigen Pkw ersetzt werden müssen und das Theater ist offen für eine Umrüstung der drei Fahrzeuge. Und die Seniorenheime? Die haben gar kein Auto.

Kai Dordowsky

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