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Lübeck Betten-Boom: Woher kommen die neuen Gäste?
Lokales Lübeck Betten-Boom: Woher kommen die neuen Gäste?
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14:26 04.01.2018
Lübeck: Direkt im Herzen der Altstadt ist das Hotel Motel One schon fast fertiggebaut. Quelle: Lutz Roessler
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Lübeck

Riesige Betten-Burgen: In Travemünde werden derzeit zwei große Bauprojekte hochgezogen. Bis Ende 2018 ist die Ferienanlage Waterfront auf dem Priwall fertig – mit 1546 neuen Betten. Auf der anderen Seite der Trave entsteht aktuell das Aja-Hotel samt Apartmenthaus mit 716 neuen Betten. Ende Mai soll das Hotel eröffnet werden.

So viele Hotels wie nie: Mehr Geld für Tourismus-Chef Christian Martin Lukas, um die neuen Unterkünfte zu füllen. Denn 2018 werden über 2000 Betten im Seebad entstehen, ab 2019 kommen in Lübeck 1000 dazu. Mit einer digitale Gästekarte sollen Touristen angelockt werden.

In Lübeck eröffnet direkt am Markt das Motel One mit 250 Betten – weitere Unterkünfte sollen ab 2019 in Bahnhofsnähe gebaut werden. Das macht 1000 Schlafstätten. Das selbst gesteckte Ziel für 2020:

12400 Betten und zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr. Das wird die Hansestadt voraussichtlich schaffen. Aber sie hat dann ein ganz anderes Problem: Woher sollen die neuen Gäste kommen?

„Wir arbeiten in einem starken Wettbewerb“, sagt Lukas. In Schleswig-Holstein werde massiv in Tourismus investiert wie in Heiligenhafen mit einem neuen Resort und zwei Hotels. Daher bekommt Lukas jetzt 600000 Euro mehr pro Jahr. Der städtische Zuschuss steigt damit von 1,8 Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro. Das hat die Bürgerschaft beschlossen. „Wir haben nur jetzt die Chance, aus den neuen Gästen in Travemünde auch Stammgäste zu machen“, sagt Lukas. Ohne das Extra-Geld hätte er Events wie das Seebadfest in Travemünde wieder einstampfen müssen. Denn die Kosten für musikalische Aufführungsrechte (Gema) oder Versicherungen sind massiv gestiegen.

Vor allem: Lukas will eine neue Gästekarte etablieren, die den Besuchern Rabatte bietet. Damit soll die Auslastung der Hotelbetten gesteigert werden. Denn die liegt zwischen 40 und 45 Prozent. In der Hotelbranche sind 60 Prozent Auslastung im Jahr ein guter Schnitt. Daher sagt Lukas: „Da gibt es Potenzial.“ Im Fokus hat er vor allem die bestehenden Hotels. Denn die neuen Hotels locken in den ersten Jahren sowieso Gäste an, die die Häuser gern ausprobieren wollen. Lukas plant eine digitale Gästekarte – nach einem Modell im Hochschwarzwald. Die Hotelgäste können damit kostenlos ins Museum, ins Theater, in Konzerte, eine Stadtführung oder eine Rundfahrt mit einem Ausflugsboot buchen. Wenn die Touristen ein Zimmer reservieren, erhalten sie einen Zugang zu der Gästekarte im Internet und können damit Veranstaltungen buchen. Finanziert werden soll das Ganze von den Hotels und Institutionen, die mitmachen.

Blick zurück: Der städtische Zuschuss für die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) lag 2005 bei 2,4 Millionen Euro. Da verzeichnete die Hansestadt eine Million Übernachtungen. Unterm Strich hat Lübeck für jeden Tourist 2,45 Euro ausgegeben. Doch dann sank der städtische Zuschuss auf 1,8 Millionen Euro – durch die Sparvorgabe der Stadt. So hoch war er auch noch 2017. Bei 1,75 Millionen Übernachtungen macht das lediglich 1,07 Euro pro Tourist. Nun haben die Politiker den Zuschuss für die LTM wieder erhöht – um 600000 Euro auf 2,4 Millionen Euro. Bei prognostizierten 1,8 Millionen Übernachtungen für 2018 sind das jetzt 1,33 Euro pro Gast.

Im Gegenzug kurbeln die Touristen die Wirtschaft an. Immerhin verzeichnet die Stadt 1,75 Millionen Übernachtungen und 17 Millionen Tagesgäste. Laut einer Studie von 2016 macht das 705 Millionen Euro Umsatz. Am meisten profitiert der Einzelhandel mit knapp 300 Millionen Euro Umsatz. Die Hansestadt generiert durch die Tourismus-Wirtschaft Gewerbesteuern: 15,5 Millionen Euro waren es 2016. Erreicht die Stadt 2020 zwei Millionen Übernachtungen, werden satte 17,5 Millionen Euro Gewerbesteuern prognostiziert.

 Von Josephine von Zastrow

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