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Lübeck Bewerbung kann Millionen Euro kosten
Lokales Lübeck Bewerbung kann Millionen Euro kosten
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11:15 16.06.2017
Die Hansestadt fühlt sich mit ihrer Vielfalt an künstlerischem Schaffen – hier ein Bild vom Theatercamp auf der Nördlichen Wallhalbinsel – bereits als Kulturhauptstadt des Nordens. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Bei der Frage, wie teuer eine Bewerbung der Hansestadt um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 werden könnte, tappen Verwaltung und Politik noch völlig im Dunkeln. Ernsthafte Mitbewerber sind schon viel weiter. Städte wie Chemnitz oder Nürnberg haben nicht nur die Teilnahme am Wettbewerb beschlossen, sie haben bereits die Bewerbungskosten kalkuliert. „Die liegen zwischen 450000 und fünf Millionen Euro“, berichtete Matthias Burzinski von der Bonner Agentur „Projekt 2508“. Die Bonner Kulturberater wurden von Lübeck beauftragt, bis zum September eine Machbarkeitsstudie zur Kulturhauptstadt-Bewerbung vorzulegen.

„Wir fühlen uns dazu berufen, Lübeck bei der Frage ja oder nein zu unterstützen“, erklärte Burzinski jetzt im Kulturausschuss. „Projekt 2508“ interviewt Kulturschaffende und Verantwortungsträger, analysiert die anderen Bewerberstädte und schätzt zu guter Letzt die Chancen Lübecks ein. Nach Burzinskis Angaben haben sich Chemnitz, Dresden, Hildesheim, Kassel, Magdeburg und Nürnberg definitiv für eine Bewerbung entschieden. Halle an der Saale, Hannover, Koblenz und Mannheim würden noch überlegen, die Regionen Görlitz/Leipzig sowie Wismar/Stralsund hätten sich dagegen entschieden. Chemnitz rechnet nach eigenen Angaben mit Bewerbungskosten von 1,2 Millionen Euro, Kassel geht von zwei Millionen Euro und Nürnberg sogar von fünf Millionen aus. Für Lübeck gibt es noch keine Schätzung.

Einige Kulturpolitiker tun sich immer noch mit der Ausgabe von 25000 Euro für die Machbarkeitsstudie schwer. Die Bonner Agentur hat zur Erforschung der Lage zunächst einmal die Kulturschaffenden zu einem ganztägigen Austausch gebeten. 190 waren eingeladen, 71 nahmen teil. „Eine gute Quote“, sagte Burzinski.

Die Kulturschaffenden durften die Themen selbst auswählen. Die Kulturhauptstadt wurde nicht debattiert. „Den Kulturschaffenden brennen andere Themen unter den Nägeln.“ Die Ergebnisse des Austausches könne Lübeck aber trotzdem verwerten, gerade auch dann, wenn es nicht zu einer Bewerbung komme.

Kulturpolitiker von SPD und CDU zeigten sich enttäuscht vom aktuellen Sachstand. „Ich dachte, wir wären schon weiter“, sagte Henning Stabe (CDU), Vorsitzender des Ausschusses. Als bedauerlich bezeichnete Peter Petereit (SPD), dass die Kulturschaffenden nicht über die Bewerbung diskutieren wollten. „Mir sind die Ausführungen nicht konkret genug“, erklärte Reinhold Hiller (SPD). Ins gleiche Horn stieß Felix Untermann (CDU): „Der Verfahrensstand ist mir zu unkonkret, was geschieht als nächstes?“

Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) verteidigte die Bemühungen der Bonner Kulturberater. „2010 haben wir verloren, als wir mit den herkömmlichen Methoden und den üblichen Verdächtigen angetreten sind“, sagte Weiher. Vor sieben Jahren nahm Lübeck 150000 Euro für die Bewerbung in die Hand, während Konkurrenten Millionenbeträge einsetzten. Der Ansatz von „Projekt 2508“ sei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Entscheidung, sagte Weiher. „Wir sollten nicht nach einer Veranstaltung gleich die ganze Studie abschreiben.“ Burzinski von „Projekt 2508“ versprach: „Alle Fragen werden im September beantwortet.“

 Kai Dordowsky

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