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Lübeck BfL will 1000 Jobs für Flüchtlinge
Lokales Lübeck BfL will 1000 Jobs für Flüchtlinge
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20:40 03.11.2017
Zahlreiche Kurse bieten Kommunen, Bundesamt, Arbeitsagenturen und Jobcenter zur Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beruf an. 35 Prozent haben keinen Schulabschluss. Quelle: Foto: Dpa
Lübeck

60 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge, die noch keine Anerkennung oder Duldung als Asylbewerber haben, hat die Hansestadt zusammen mit freien Verbänden im Angebot. Doch seit Monaten findet sie für diese Tätigkeiten in Gemeinschaftsunterkünften, der Kita-Betreuung oder der Seniorenbegleitung keine Abnehmer. Zu einer Informationsveranstaltung im September wurden 436 Geflüchtete eingeladen. 181 folgten der Einladung, 71 sagten vorher ab, 184 Flüchtlinge reagierten gar nicht. „Zehn bis 15 Personen befinden sich weiterhin im Kontakt mit den Trägern der Arbeitsangebote“, erklärt die Sozialverwaltung, „die Mehrzahl der Erschienenen meldete diverse Hinderungsgründe wie Sprachkurs, fehlende Kinderbetreuung, Krankheit oder bereits in Arbeit befindlich.“

80 Cent pro Stunde erhalten die Flüchtlinge. Grüne, GAL und Linke haben das als unzureichend kritisiert und eine Angleichung an die 1,05 Euro pro Stunde gefordert, die Hartz-IV-Empfänger erhalten, die Arbeitsgelegenheiten wahrnehmen. Die GAL hatte ausgerechnet, dass die 80 Cent nicht einmal ausreichen, um die Busfahrkarte zu den Jobs zu finanzieren. Der Bereich Soziale Sicherung hat es detailliert durchgerechnet. Bei 30 Wochenstunden und 80 Cent pro Stunde kommt ein Geflüchteter auf 103 Euro im Monat. „Eine Fahrkarte ist damit abgedeckt“, erklärt die Verwaltung. Bei 20 Wochenstunden würde die Entschädigung für eine Monatskarte der Preisstufe 2, aber nicht im Gesamtnetz reichen. Der Sozialausschuss hat mit großer Mehrheit einen GAL-Antrag abgelehnt, dass die Geflüchteten 1,05 Euro plus Busfahrtkosten gezahlt bekommen.

Ein viel größeres Rad will der Vorsitzende der Wählergemeinschaft BfL, Lothar Möller, drehen. Er stellt fest, dass die Programme von Arbeitsagentur und Jobcenter den Flüchtlingen nicht wirklich helfen. Es sei eine Illusion, dass die Mehrzahl der Geflüchteten in die gut bezahlten Industriearbeitsplätze integriert werden könne, sagt Möller. Er schlägt deshalb ein Programm für 1000 öffentlich geförderte Ein-Euro-Jobs vor. „Bevor Asylbewerber monate- oder gar jahrelang herumsitzen, könnten sie Rasen mähen oder den Hof öffentlicher Einrichtungen fegen“, sagt der BfL-Vorsitzende. Die Geflüchteten könnten in der Nachbarschaftshilfe, in Altenheimen, Schulen und Sozialeinrichtungen einfache Tätigkeiten verrichten. Flüchtlinge würden ein sichtbarer Teil der Gesellschaft, Berührungsängste würden abgebaut.

Die Arbeitsagentur hält nichts von einem solchen kommunalen Beschäftigungsprogramm. „Das ist nicht zielführend“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Markus Dusch. 60 Prozent der Geflüchteten seien jünger als 35 Jahre. Dusch: „Da sind die Bildungskarrieren noch lange nicht zu Ende.“ Bundesweite Statistiken zeigen, dass 35 Prozent der Geflüchteten überhaupt keinen Schulabschluss und 78 Prozent weder einen beruflichen noch einen universitären Abschluss haben. Die Agentur schlägt den Weg über Sprachkurse, berufliche Orientierung und Qualifikation in sozialversicherungspflichtige Jobs vor. „Dieser Prozess benötigt Zeit, aber er bietet die Fachkräfte, die wir in Zukunft dringend benötigen“, sagt der Agentur-Chef. Im September seien 85 Flüchtlinge in Arbeit, eine selbstständige Tätigkeit oder Ausbildung vermittelt worden. Ende August waren 1906 Arbeitssuchende aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern in Lübeck gemeldet.

Speed-Dating

13 Flüchtlinge und Migranten haben bei einem Projekt der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck und der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) ihre Befähigung für Berufe des Hotel- und Gaststättengewerbes nachgewiesen. „Mit diesem Kompetenznachweis können sich die Teilnehmer um ein Praktikum, eine Beschäftigung oder eine duale Berufsausbildung bewerben“, sagt Dr. Ulrich Hoffmeister, Leiter des IHK-Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung, „die Nachweise geben Arbeitgebern einen besseren Überblick über die beruflichen Vorkenntnisse der Bewerber und erleichtern Unternehmen den Entscheidungsprozess für die Einstellung.“

Die Teilnehmer hatten eine Woche lang ihre Fähigkeiten in den Bereichen „Küche“, „Service“ und „Housekeeping“ vor den langjährigen Prüfern von IHK und FAW in Praxisübungen und theoretischen Testverfahren unter Beweis gestellt. Bei einem Speed-Dating konnten Unternehmen und Teilnehmer sich kennenlernen und Praktika vereinbaren.

Kai Dordowsky

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