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Lübeck Wachstuch statt Plastikfolie
Lokales Lübeck Wachstuch statt Plastikfolie
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17:04 04.01.2019
Sabine Rossen schabt in ihrem Garten Wachs von einem Wabenrahmen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Jürgen

 Es ist die pure Idylle: Ein kleines, ländliches Haus mit Kamin, ein großer Garten mit Obstbäumen – und Bienenstöcken. Die Lübecker Homöopathin und Heilpraktikerin Sabine Rossen und ihre Familie fühlen sich hier in Wulfsdorf pudelwohl. Ein LN-Bericht über die Vermeidung von Plastik und der Blick in den Garten haben sie letztlich dazu gebracht, kreativ zu werden und ein Produkt weiterzuentwickeln. Inzwischen hat sie rund 500 ihrer „Sabienenwachstücher“ selbst hergestellt.

Plötzliche Eingebung

Erst im September 2018 hat die 53-jährige, die seit 2013 Hobby-Imkerin ist, mit dem Experimentieren und der Produktion angefangen. „Da hat mich der liebe Gott geküsst“, sagt Sabine Rossen. Zuvor hatte sie in einem Geschäft ein Bienenwachstuch erworben, um zu Hause Brot, Käse und Gemüse umweltfreundlich länger frisch zu halten.

Im Trend

Seit einiger Zeit gibt es einen Trend „Back to the roots“. Vor allem Neuseeland und Australien seien da ganz weit vorn, sagt Sabine Rossen. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile in vielen Geschäften Wachspapier zu kaufen, Anleitungen zur Herstellung von Wachspapier oder -tüchern gibt es im Internet zuhauf.

Infos zu den Wulfsdorfer Tüchern unter www.sabienenwachstuch.de.

Doch irgendetwas gefiel ihr nicht an dem Tuch. Und plötzlich dachte sie, mit Blick auf den Garten und die Bienenstöcke: „Mensch, ich habe doch hier alles vor der Nase!“ Sie machte sich an die Arbeit, probierte einiges aus. „Andere Leute sitzen abends vor dem Fernseher und stricken, ich geh’ in meine Werkstatt!“

Ökostoff und vier Zutaten

Die Zutaten ihrer Bienenwachstücher sind kein Geheimnis: Der Grundstoff sind hochwertige, Öko-zertifizierte Westfalen-Stoffe. Diese werden mit einer Mischung aus hauseigenem Bienenwachs, Jojoba-Öl, Baumharz aus Österreich und Propolis aus ihren eigenen Bienenstöcken getränkt. Wie jedoch die Mischung genau aussieht und was in ihrer Werkstatt vor sich geht, ist streng geheim.

Die Zutaten liegen auf der Hand: Bienenwachs als Hauptprodukt auf Stoff sorgt dafür, dass die Lebensmittel atmen können, aber nicht austrocknen. Harz haftet, klebt jedoch nicht. Und Propolis, der Kittharz der Bienen, mit dem diese ihren Bienenstock sauberhalten, ist antimykotisch und antibakteriell. Allerdings ist die Gewinnung von Propolis aufwendig: Die recht kleinen Mengen müssen mühsam aus kleinsten Ritzen an den Wabenrahmen herausgekratzt werden. Jobjoba-Öl sorgt für einen seidigen, weichen Charakter der Tücher.

Die Zutaten: Der Stoff wird getränkt mit Wachs und Propolis (re. im Schälchen), mit Harz aus Österreich und Jojobaöl (l.). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Begeisterte Reaktionen

Nachdem sie erste Tücher mit ihrer Spezialmischung gefertigt und an Bekannte gegeben hatte, kamen spontan begeisterte Reaktionen: „Das Brot bleibt deutlich länger frisch“, erzählt Sabine Rossen von den Erfahrungen mit den Tüchern, „Möhren bleiben länger knackig.“ Ihre Tochter Janne (26), die sie im Marketing der „Sabienenwachstücher“ unterstützt, ergänzt: „Es ist toll, dass man die Tücher ganz unterschiedlich verwenden kann.“ So lassen sich Schüsseln wunderbar damit statt mit Plastikfolie abdecken, Käse oder angeschnittenes Gemüse lässt sich prima damit einwickeln.

Die Bienenwachstücher sind im Haushalt vielfältig verwendbar. Ulf-Kersten Neelsen

Inzwischen haben Rossens eine eigene, feine Kollektion von „Sabienenwachstüchern“ sowie die dazu gehörige Verpackung entworfen. Mittlerweile gibt es die Verpackungs-Tücher in zehn Läden und an einem Stand auf dem Wochenmarkt am Brink. Sie sind erhältlich in verschiedenen Designs und Größen von S bis XL. Sie kosten zwischen 8,50 und 20 Euro. Was auf den ersten Blick teuer erscheint.

Teuer, aber über Jahre verwendbar

Aber, argumentiert Sabine Rossen: „Allein ein Meter des Westfalen-Stoffes kostet 20 Euro.“ Zudem könne man die Tücher jahrelang verwenden. Sie sollten feucht (aber nicht heiß) mit ein wenig mildem Spülmittel abgewischt werden. Sollte die Wachswirkung an einigen Stellen nachlassen, könnten die Tücher zwischen zwei Stücken Backpapier wieder aufgebügelt werden. „So ein Tuch“, sagt Sabine Rossen, „hält über Jahre.“ Und sollte es irgendwann einmal doch das Zeitliche segnen, ist es bedenkenlos kompostierbar.

Janne Rossen zeigt, wie man ein Brot möglichst geschickt einwickelt. Durch die Wärme der Hände lassen sich die Tücher gut formen und haften, ohne zu kleben. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Sabine Risch

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