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Lübeck Bieten, bis der Wecker klingelt
Lokales Lübeck Bieten, bis der Wecker klingelt
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18:38 21.01.2017
Sie wollen dem Obama-Bild einen würdigen Platz bieten: die erfolgreichen Bieter Wolfgang Beck und Claudia Schliephake. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

„Yes, we can“ – ein großes Banner ist quer über die Mengstraße gespannt und macht Neugier auf das, was in der Galerie Heissingsart von Heinrich Heissing passiert. Nach und nach trudeln etwa 100 Gäste ein. Es sind Kunden und Freunde des Galeristen, die sich eine gelbe Bieternummer geben lassen. Es soll das Bild der Künstlerin Anne Herzbluth versteigert werden, das Barack Obama als einen weinenden Präsidenten nach dem fürchterlichen Amoklauf in Oregon zeigt.

Bevor aber Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Björn Engholm mit der amerikanischen Versteigerung des Bildes „The President“ beginnt, lässt er seinem Unmut über die Rede des 45. amerikanischen Präsidenten, Donald Trump, freien Lauf. Der hatte nach seiner Vereidigung unter anderem gesagt, er werde den Amerikanern ihr Land zurückgeben und man werde dem Land alles zurückholen, was ihm geklaut worden sei. „Und das sagt dieser Mann im Beisein von Barack Obama – eine Beleidigung“, wettert Engholm. Selbst nach 50 Jahren, in denen er Politik verfolge, habe er solch eine Rede noch nie erlebt. Und der Versteigerungsabend sei „eine gute Möglichkeit, an den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu denken – an Barack Obama“. Der große Applaus in der Galerie verrät eine geballte Ladung Emotionen. Viele Bieter sind gekommen, um Obama und seinem Lebenswerk zu huldigen – unter anderem sind der Gemeindepädagoge Rüdiger Schmidt und der Sänger und Pianist Christoph Wiatre dabei. Der Musikerzieher Stephan Fleck dirigiert den gemischten Chor Notabene, Die Versteigerung beginnt dann mit einem raschen Bietervorstoß von Karl-Heinz H. Koch. Obwohl in 100-Euro-Schritten geboten wird, setzt Koch gleich 1000 Euro ein. Das Werk von Anne Herzbluth habe einen nominalen Wert von 10000 Euro, erklärt Engholm. Um noch mehr Spannung in die Auktion zu bringen, legen Heissing und Engholm mehrere Pausen ein, in denen Max and Friends mit Frontfrau Nathalie Dorra die Gäste unterhalten. Ausgelassen tanzt Inka-Marie Meisorth in der Menge. Die amerikanische Versteigerung wird trotz der Verärgerung über Trumps Rede zu einer stimmungsvollen Party für Barack Obama geworden. Auch Engholm gibt sich locker: „So, jetzt wird genauso fröhlich geboten wie hier gequasselt wird“, spornt der Kunstexperte die Bieter an. In der letzten Runde wird ein Wecker gestellt. Klingelt der, ist es vorbei.

Schließlich geht das Werk bei einem insgesamt eingenommen Versteigerungspreis von 5200 Euro an den Lübecker Orthopäden Wolfgang Beck. Ein Schnäppchen für das mit Öl auf einem Seidenteppich gemalte Werk. Sichtlich glücklich lässt er sich mit Ehefrau Claudia Schliephake vor dem großen Bild ablichten. Immer wieder hatten die beiden die Bieternummer 37 in die Luft gehalten. Etwa 1000 Euro haben sie beim Bieten eingesetzt. Das Bild mit dem laut Einschätzung Engholms exquisiten Rahmen bekommt jetzt einen besonderen Platz: In der Nähe von Eutin soll das Bild in einem alten Gebäude mit Kapelle zu sehen sein. „Das Werk hat für uns eine sehr persönliche und emotionale Bedeutung“, sagt Schliephake. „Wir sind sehr bewegt an diesem Tag von der politischen Situation, wir wollten sowohl die Charity-Aktion unterstützen als auch dem Bild die Würdigung geben, die es verdient.“

Der Lübecker Notar Ulrich Pfeifer wachte kostenlos über die Einhaltung der Regularien. Er ist es auch, der den Erlös an die „Families USA Foundation“, die sich bei der Gesundheitsfürsorge für Arme einsetzt, überweisen wird. Auch sie zollten Obama somit ihren Respekt.

Die Galerie

Im Anschluss an die Versteigerung eröffnete in der Galerie die Ausstellung des Fotografen Christoph Brandl. Bis zum 23. März sind elf Werke zu sehen, die Landschaften am Kilimandscharo zeigen, der Gegend, aus der die Familie Barack Obamas stammt. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Heinrich Heissing plant weitere Ausstellungen. Am 25. Februar sind Malereien auf Papier vom Künstler Rao Fu zu sehen.

Rüdiger Jacob

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